Kommentar
Kulturhäuser schreiben Gewinne in der Coronasaison – das Opernhaus Zürich einen hohen Verlust: Es profitiert dennoch

Die Bilanzen, die dieser Tage vorgelegt werden, sind ausgeglichen, da die Staatshilfen funktionierten. Nur das Opernhaus Zürich ist so clever, einen hohen Verlust zu verbuchen. Ein Kommentar.

Christian Berzins
Christian Berzins
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Das Opernhaus Zürich weiss mit Farben und auch mit den Zahlen zu spielen.

Das Opernhaus Zürich weiss mit Farben und auch mit den Zahlen zu spielen.

Zvg/Silvesterzauber Zürich / Limmattaler Zeitung

In einem normalen Jahr werden die Saisonbilanzen von Theater-, Opern- und subventionierten Konzerthäusern in den Medien auf die Schlagzeile «35'000 Gewinn», «14'000 Franken Verlust» reduziert. Das ist dumm. Wenn ein Opernhaus Zürich 85 Millionen Subventionen erhält und dann 30'000 Franken verbleiben, kann der Finanzchef leicht lenken, ob vor dieser Zahl ein Plus oder ein Minus stehen soll. Will er zeigen, wie gewissenhaft im Haus gearbeitet wird, meldet er Gewinn. Will man durchgeben, wie schlecht es geht und mehr Subventionen nötig sind, meldet man Verlust.

Nun aber war und ist da Corona. Für die Häuser stellte sich mit der Veröffentlichung der Bilanzen 2020/2021 – der Zeitraum von September 2020 bis Juli 2021 – ein Problem: Wie schon da und dort getuschelt, wurde rasch klar, dass die Theater und Opern mehr oder weniger einen Gewinn einspielen würden. Wer aber meint, dass jene, die damals mit viel Risiko vor wenig Leuten spielten, finanziell die Dummen sind, liegt falsch, wie etwa das Theater Basel zeigt.

Bisweilen gab es auch Gönner oder Stiftungen, die wie beim Luzerner Sinfonieorchester in der Reihe «Solidarische Klänge» zu sehen war, gerade kleine Coronaprojekte förderten. Also musste beziehungsweise durfte man arbeiten.

Es gab faule Hunde, die vorsichtshalber lieber den Vorhang runterliessen, anstatt das Programm umzukrempeln und etwas zu bieten. Nicht ganz zu unrecht, denn als endlich wieder gespielt wurde, zeigte sich, dass bloss ein kleiner Teil der Bevölkerung Lust auf Kultur hatte. Vielerorts musste und muss um jeden Zuschauer gekämpft werden. Die meisten Kulturinstitutionen sind aber so ehrlich, dieser Tage einen «Gewinn» zu vermelden.

Corona zeigt: Ein Theater kostet auch Geld, wenn es nicht gespielt wird

Obwohl man nur eine Teilleistung vollbringen konnte, war nun mal die Unterstützung da: Staatsbeiträge, Kurzarbeitsentschädigungen und Beiträgen von Sponsoren. Die fehlenden Einnahmen konnten somit kompensiert werden. Das Basler Theater allerdings hob dummerweise zum Gewinn auch noch seine hohe «Auslastung» von 86,6 Prozent hervor. Kein Wunder, im Dezember waren nur 15 Leute zugelassen – und 15 im Saal.

Das Opernhaus Zürich hingegen war so clever, trotz 85,428 Millionen Subventionen einen hohen Verlust von 430'083 Franken zu schreiben. Er kommt danke einer Rückstellung von 5,93 Millionen zu Stande, damit zukünftige Verluste aufgrund der anhaltenden Pandemie aufgefangen werden können. Ohne sie hätte das Haus somit 5,5 Millionen «Gewinn» gemacht.

Doch es lag nicht nur daran: Die Sponsoren-Einnahmen nahmen um 10 Prozent zu, lagen bei 10,4 Millionen. Auch nicht ohne sind die 178'000 Franken, die man einnahm, da die Leute darauf verzichteten, ihre Karten zurückzuerstatten. Weil das Personal in Kurzarbeit war, gab es zudem 4,95 Millionen Einnahmen aus der Arbeitslosenkasse.

Ob Restaurant oder Oper: Mit Corona liess es sich gut jammern. Doch es gibt einen Unterschied: Corona zeigte, dass ein Theater auch Geld kostet, wenn nicht gespielt wird. Über Gewinn zu reden, ist dann aber noch unsinniger, als wenn man spielt. Dann millionenhohe Rückstellungen für die aktuelle Saison (mit Vollauslastung) zu machen, ist dreist.