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COUNTRY: Inspiration versus Erfolg

Am Karfreitag veröffentlichten mit Mary Chapin Carpenter, Lindi Ortega und Kacey Musgraves gleich drei Musikerinnen ihre neue Alben. Die aktuellen Vertreterinnen des Genres präsentieren sich unterschiedlich.
Michael Gasser
Die Gereifte: die 60-jährige Mary Chapin Carpenter. (Bild: Slaven Vlasic/Getty)

Die Gereifte: die 60-jährige Mary Chapin Carpenter. (Bild: Slaven Vlasic/Getty)

Michael Gasser

Der Generationenwechsel ist vollzogen. Folgerichtig sind die weiblichen Stars, die ab den 1970er-Jahren die Country-Szene dominierten, entweder bereits abgetreten oder stehen kurz davor: Tammy Wynette, die mit ihrem grössten Hit «Stand By Your Man» den Männern fast alles nachsehen wollte, ist schon vor 20 Jahren gestorben. Loretta Lynn («Coal Miner’s Daughter»), inzwischen 85-jährig, will hingegen diesen Frühling ihr 41. Studioalbum veröffentlichen. Am aktivsten aber ist Dolly Parton. Die 72-Jährige, deren Vermögen auf 500 Millionen Dollar geschätzt wird, schaffte es mit ihrer letzten Platte «Pure & Simple» (2016) nochmals an die Spitze der US-Country-Hitparade. Eine neue Platte von ihr scheint zwar nicht geplant, doch Parton schreibt nach wie vor Songs – nicht zuletzt gemeinsam mit ihrer Patentochter Miley Cyrus.

Bleibt die Frage: Wer tritt eigentlich in die Fussstapfen dieser Musikikonen? Am Karfreitag brachten mit Mary Chapin Carpenter, Lindi Ortega und Kacey Musgraves gleich drei mögliche Anwärterinnen ihre neuste Veröffentlichung auf den Markt. Die Erstgenannte dürfte vor allem zu Beginn der 1990er-Jahre auf den Country-Thron aspiriert haben. Carpenters «Come On Come On» bescherte der Sängerin aus Princeton, New Jersey, damals gleich sieben Singles in den US-Country-Charts und verkaufte sich insgesamt über vier Millionen Mal. Auch, weil es ihr gelungen war, ihren Sound mit massentauglichen Elementen aus Pop, Rock und Folk auszustatten. Das Ergebnis war ebenso radiofreundlich wie eingängig.

Rückzug in die Blue Ridge Mountains von Virginia

Nach der Jahrtausendwende zog Carpenter zwar nicht die Handbremse, aber sie wechselte die Spur und verabschiedete sich von ihrem eher stromlinienförmigen Sound. Ihre Musik klang fortan kantiger und angriffiger, und sie scheute sich nicht länger, auch soziale oder politische Themen anzusprechen. Ein Entscheid, der ihre Plattenverkäufe allerdings sinken liess. Anders als frühere Country-Vertreterinnen verzichtet die mittlerweile 60-Jährige bei ihren Auftritten auf paillettenbestickte Kleider, aufwendiges Haarstyling und tränenreiche Darbietungen. Was zeigt, wie sehr sie sich seit je von Loretta Lynn & Co. unterscheidet.

Carpenter hat vor einigen Jahren das Stadtleben hinter sich gelassen und lebt jetzt in den Blue Ridge Mountains von Virginia. Auf ihrer neuen Platte, «Some­times Just The Sky», schaut die Sängerin mehrheitlich zurück und nimmt sich nochmals den Songs aus ihrer eigenen Vergangenheit an. Was nahelegt, dass auch Carpenter drauf und dran ist, sich aus dem Musikbusiness zurückzuziehen. Womit bereits die nächste Generation gefragt wäre, zu der auch Lindi Ortega gehört. Sie wuchs im kanadischen Ontario auf und schrieb ihr erstes Stück, nachdem sie von ihrem Freund am Tag vor dem Abschlussball ihrer Schule sitzengelassen worden war.

Ortega, deren Markenzeichen rote Cowboy-Boots sind, verfügt über einen Sopran mit verrauchter Note, der nach Einsamkeit klingt und sowohl an Dolly Parton als auch an Emmylou Harris erinnert. Auf ihrer Platte «Little Red Boots» (2011) reicherte sie ihren Sound mit Rockabilly an und gestand in «I’m No Elvis Presley», dass sie nicht mit der ganz grossen Karriere rechne. Gleichwohl lebte sie lange Jahre in Nashville, denn: Trotz mangelndem Selbstvertrauen wollte sie an ihren Träumen so lange wie möglich festhalten.

Entgegen der konservativen Country-Gemeinde

Die 37-Jährige, zu deren Vorbildern Johnny Cash, aber auch Leonard Cohen gehören, neigt in ihren Nummern zum Dramatischen. Bevorzugt singt sie von ­betrügerischen Kerlen, Herzschmerz und melancholischen Aufwallungen. Inzwischen ist Ortega verheiratet und zurück in ­Kanada. «Für meine Inspiration brauchte ich eine andere Umgebung», bekannte sie gegenüber dem Online-Magazin «Post To Wire». Ein kluger Schritt, wie ihr nun veröffentlichtes Werk «Liberty» beweist. Das Konzeptalbum dreht sich um Verlust, Wiederkehr und Freiheit und orientiert sich am ausgedehnten Western-Sound von Filmkomponist Ennio Morricone.

Kacey Musgraves ist nicht nur die jüngste, sondern auch die derzeit erfolgreichste der drei vorgestellten Musikerinnen. Und das, obschon sie offen zum Gebrauch von Marihuana steht und es obendrein wagt, ihre Religiosität in Frage zu stellen, was der eher konservativen Country-Gemeinde durchaus aufstösst. Kommt hinzu, dass es die Sängerin aus Golden, Texas, mag, immer wieder aus ihrem Genre auszubrechen. Ihr neuer Longplayer, «Golden Hour», zeigt folgerichtig Einflüsse aus Disco und Pop. Nicht weiter überraschend, wenn man bedenkt, dass die 29-Jährige bereits zusammen mit Katy Perry auf Tournee war. Doch obschon Musgraves’ Album «Same Trailer Different Park» (2013) mit Gold ausgezeichnet wurde, hat sie bis dato keinen wirklich grossen Hit gelandet. «Es gibt viele Traditionalisten, die das Gefühl haben, eine Künstlerin müsse erst mal beweisen, dass sie dem Country verpflichtet ist», erklärte die US-Amerikanerin mit der kristallklaren Stimme in der Branchenzeitschrift «Music Week». Musgraves jedoch will lieber ihrer Inspiration folgen. Selbst auf die Gefahr hin, dass sie sich dadurch den Weg an die Country-Spitze verbauen könnte.

Die Zielsichere: die 37-jährige Lindi Ortega. (Bild: Timothy Norris/Getty)

Die Zielsichere: die 37-jährige Lindi Ortega. (Bild: Timothy Norris/Getty)

Die Wagemutige: die 29-jährige Kacey Musgraves. (Bild: Lester Cohen/Getty)

Die Wagemutige: die 29-jährige Kacey Musgraves. (Bild: Lester Cohen/Getty)

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