Crossover erlaubt auch Kitsch und Schlager

Einmal Wien, einmal Engadin: Die Gruppen Cobario und Ils Fränzlis da Tschlin spielen im Marianischen Saal in Luzern Weltmusik mit Lokalkolorit .

Urs Mattenberger
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Mit Crossover kann man musikalisch ausgetretene Pfade meiden, ohne auf deren Emotionen zu verzichten. Ein Beispiel dafür ist das Wiener Trio Cobario. Der Geiger Herwig Schaffner und die Gitarristen Georg Aichberger und Jakob Lachner erfinden eine imaginäre Weltmusik in allen möglichen Stillagen.

Die aktuelle CD «Weit weg», mit deren Programm das Trio heute in Luzern auftritt, führt solche Grenzgänge ein gutes Stück weiter. Tonangebend ist in vielen Stücken Schaffners wandelbare Geige. Sie fiedelt irische Pubstimmung hervor (hinreissend: «Lucky Punch»). Schwebt über tremolierenden Gitarren durch rumänische Hochebenen («Hotel Balada») oder steigert ungarischen Puszta-Schmelz zu tänzerischer Virtuosität («Zimbo»). Die Gitarren weiten das Spektrum aus zu rockig stampfenden Rhythmen («Sary Arka») oder steuern eine sonnige Süsse wie von Steel Gitars bei («Gemischter Satz»).

Grenzgänger ohne Berührungsängste

Als Grenzgänger haben die Cobarios, wie sie in einem Interview sagten, inzwischen alle Berührungsängste abgelegt. Dazu gehört erstmals der Gesang, mit dem die drei vorzüglichen Musiker nicht nur lässig verschleppten Wiener Schmäh kultivieren («Mein Wien»), sondern eben auch ausgetretene Schlagerpfade betreten («Weit weg»).

Wem das zu weit weg ist, dem bietet ebenfalls live im Marianischen Saal die 38 Jahre alte neue Schweizer Volksmusikgruppe «Ils Fränzlis da Tschlin» ein Alternative. Ihr Programm «Sakrisch bun» («Irrsinnig gut») bewegt sich ausgehend von der Engadiner Volksmusik ebenfalls durch alle möglichen und «unmöglichen» Musikstile und gleitet manchmal haarscharf am Kitsch vorbei.

Cobario: heute, 19.30; CD «weit weg» (Südpolentertainment).
Ils Fränzlis da Tschlin: Freitag, 14.Februar, 18.15, beide im Marianischen Saal, Luzern