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Darf ein Krimi-Autor das?

Manche Autoren spitzen ihre Geschichten zu, entwirren sie jedoch nicht. Ein Fehler, meint unser Kulturchef Arno Renggli.
Arno Renggli, Leiter Kultur
Arno Renggli leitet das Ressort Kultur der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Arno Renggli leitet das Ressort Kultur der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Ich erlebe immer wieder positive Überraschungen mit Autoren, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört hatte. Letztes Jahr war es zum Beispiel der Krimi eines gewissen Gard Sveen aus Norwegen. Sein Erstling «Der letzte Pilger» bot eine tolle Story zwischen heute und dem Zweiten Weltkrieg. Ich freute mich auf die Lektüre des zweiten Buches von Sveen, das eben auf Deutsch erschienen ist.

Doch Überraschungen sind ab und zu auch negativ. «Teufelskälte» dreht sich um eine Mordserie an jungen Frauen, einen gefassten Psychopathen als vermeintlichen Schuldigen und einen Fahnder, der überzeugt ist, dass der echte Killer noch frei herumläuft. Und der realisiert, dass seine eigene gewalttätige Vergangenheit mit dem Fall zu tun hat. Das ist spannend.

Die Handlung spitzt sich zu, die Zusammenhänge werden immer komplexer, fünf Seiten vor Schluss beginnt man sich zu fragen, wie Sveen das alles noch auflösen will. Und dann tut er genau das – nicht. Stattdessen kommt ein kurzes Nachwort, er habe sich entschieden, daraus eine Fortsetzung zu machen.

Ich will ihm kein kommerzielles Kalkül unterstellen. Vielleicht war er einfach noch nicht im Stande, den eigenen Fall zu lösen, und brauchte noch Zeit. Ohnehin passiert es öfter, dass gerade bei besonders kunstvoll konstruierten Krimis die finale Entwirrung nicht befriedigt, weil die Plausibilität überstrapaziert wird. Der Weg ist das Ziel, okay. Aber auch das Ende muss passen. Zumindest bei einem Krimi.

Arno Renggli, Leiter Kultur

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

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