Das 21st Century Orchestra wächst über Luzern hinaus

Das Luzerner Filmmusik-Orchester tritt am Sonntag unter der Leitung von Ludwig Wicki erstmals im Zürcher Hallenstadion auf: ein Beweis für den Marktwert, den es durch seine Pionierrolle im KKL Luzern gewonnen hat, sagen Veranstalter.

Urs Mattenberger
Merken
Drucken
Teilen
Das 21st Century Symphony Orchestra spielte die Musik zum Film "Star Wars - Eine neue Hoffnung" bereits letztes Jahr im KKL. (Bild: Philipp Schmidli, 6. April 2018)

Das 21st Century Symphony Orchestra spielte die Musik zum Film "Star Wars - Eine neue Hoffnung" bereits letztes Jahr im KKL. (Bild: Philipp Schmidli, 6. April 2018)

6800 Zuschauer auf einen Schlag wird das 21st Century Orchestra erreichen, falls das Hallenstadion am Sonntag bei seinem ersten Auftritt in Zürich ausverkauft ist. Es gibt für den Star-Wars-Film «A New Hope» zwar noch Tickets, aber gemäss Mediensprecher Marcel Theiler vom Freddy Burger Management ist die Auslastung bereits «absolut zufriedenstellend».

Das Orchester weicht zwar auch deshalb nach Zürich aus, weil ihm durch den Streit mit seinem ehemaligen Produzenten im KKL Termine fehlen. Aber dass das 21st Orchester, das mit live begleiteten Filmvorführungen Pionierarbeit leistete, dieses Format exportiert, ist nur logisch. Es bearbeitet quasi den Markt, den es mit erschaffen hat, und überlässt ihn nicht den inzwischen zahlreichen Nachahmern.

«Star-Wars»-Erfolg auch ohne Schlachtenbummler

«Das Angebot in diesem Bereich wird immer grösser – und das bedeutet, dass es eine Nachfrage danach gibt», bestätigt Marcel Theiler den Trend. Inzwischen begleiten selbst gestandene Sinfonieorchester Filme live – ist das Luzerner Orchester gegen solche Konkurrenz attraktiv genug? «Ja, auf jeden Fall. Wir haben diese Produktion vom Veranstalter Alegria übernommen, mit dem das 21st Orchestra zusammenarbeitet. Und sind hoch erfreut, dass wir diesen Film und einen ‹Harry Potter› im Mai mit diesem Orchester zeigen können.»

Dessen hohen Marktwert begründet Theiler mit den vielen Konzerten im KKL, die das 21st bei einem nationalen Publikum «zum bekanntesten Orchester in diesem Bereich» gemacht haben. Für den Kaufentscheid sei zwar der Film entscheidend: «Aber am Schluss muss für die Besucher auch das musikalische Erlebnis perfekt sein.» Das Vertrauen in das 21st bestätigt neben der hohen Auslastung die Tatsache, dass diese bei «Star Wars» fast ohne Zentralschweizer Schlachtenbummler zu Stande kommt: Deren Anteil liegt in einem «niedrigen einstelligen Prozentbereich und konkurrenziert damit kaum das KKL».

Grosse Pläne mit dem neuen Veranstalter Alegria

In den Vertragsverhandlungen mit den ehemaligen 21st-Partnern, die eben jetzt angelaufen sind, verlangt das KKL, dass die Filmproduktionen nicht auch an anderen Orten in der Deutschschweiz gezeigt werden. Damit stellt sich die Frage nach den Plänen des Münchner Konzertveranstalters Alegria, der das 21st Orchestra heute vermarktet. Wie wichtig ist für den renommierten Veranstalter, der in Deutschland Stars wie Jonas Kaufmann betreut, Luzern? Sind Exklusiv-vrträge mit dem KKL gar nicht erwünscht, wenn sie Auftritte in Zürich ausschliessen? Oder öffnet Alegria dem 21st den deutschen Markt?

«Dank Ludwig Wicki und dem 21st Orchestra hat das KKL eine hohe Glaubwürdigkeit auch in diesem Bereich. Deshalb ist es uns wichtig, da mit diesem Orchester präsent zu sein», sagt Alegria-Geschäftsführer Andreas Schessl. Auch wenn der Spielraum für das KKL mit zwei Filmveranstaltern eingeschränkt ist, hofft er dafür auf mehr Termine als in der laufenden Saison. Der verständliche Wunsch des KKL nach einem «Gebietsschutz» müsse aber «Auftritte im Hallenstadion nicht ausschliessen, wenn man Filme und Termine auf das KKL abstimmt»: «Um die Kosten einzuspielen, muss man solche Produktionen in mehreren Städten zeigen.»

"Unter Experten einen guten Ruf"

Auch in Deutschland? «Das ist eine Idee», sagt Schessl, «wenn es terminlich und in unsere anderen Partnerschaften mit Orchestern im Filmbereich hineinpasst.» Dazu gehört etwa, gegenwärtig ebenfalls mit «Star Wars», die Dresdner Philharmonie. Wie ist hier der Marktwert des 21st Orchesters? «Es ist zwar in Deutschland erst vereinzelt aufgetreten, allerdings mit grossem Erfolg», sagt Schessl: «Und unter Experten hat das Luzerner Filmorchester ohnehin einen guten Ruf.»

Das 21st Century Orchestra im Zürcher Hallenstadion: «Star Wars – Eine neue Hoffnung»: Sonntag, 27. Januar, 19.30; «Harry Potter und der Stein des Weisen»: Samstag, 11. Mai, 19.30 Uhr; Infos: www.21co.ch