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Die Festival Strings Lucerne sind das Ajax Amsterdam der Musik

Die Festival Strings Lucerne bewegen sich seit ein paar Jahren erneut auf höchstem musikalischem Niveau. Dies zeigte sich beim Konzert vom Donnerstag im KKL Luzern mit dem Pianisten Jan Lisiecki – aber auch bei den Besucherzahlen.
Roman Kühne
Der Pianist Jan Lisiecki mit den Festival Strings Lucerne im KKL. Bild: Fabrice Umiglia (Luzern, 2. Mai 2019)

Der Pianist Jan Lisiecki mit den Festival Strings Lucerne im KKL. Bild: Fabrice Umiglia (Luzern, 2. Mai 2019)

In der Musik ist es ein wenig wie in der Champions League im Fussball. Eine gute Saison macht noch keinen Seriensieger. Zwar begeistert Ajax Amsterdam momentan mit seinem exzellenten Spiel, steht kurz davor, den europäische Final zu erreichen. Doch erst die Zukunft wird zeigen, ob diese Eintagsfliege auch längerfristig sich unter Europas Besten behaupten kann.

Bei Orchestern lässt sich Ähnliches beobachten. Auch hier braucht es mehrere gute, ja überdurchschnittliche Zyklen, um sich dauerhaft in der Spitze zu etablieren. Noch viel mehr als im Sport, wo die mediale Aufmerksamkeit schnell einen Hype entfacht, muss das Publikum mit einer konstanten, hochstehenden «Leistung» gewonnen werden. Mund-zu-Mund-Propaganda, positive Konzertkritiken, internationale Preise – es muss sich quasi herumsprechen, dass hier etwas passiert.

In diesem Sinne sind die Lucerne Festival Strings inzwischen klar wieder in der «Champions League» angekommen. In den letzten Jahren ist es ihnen gelungen, mit ihrer Konzertreihe im KKL in Luzern diese Exzellenz quasi festzuschreiben. Und wie bei Ajax Amsterdam ist die Frische des musikalischen Spiels, das überraschende Moment und die Einbindung von Stars eine wichtige Grundlage des Erfolgs.

Imposantes Liebeswerben

Beim Schlusskonzert ihres KKL-Zyklus präsentieren die Festival Strings Lucerne mit dem Pianisten Jan Lisiecki am Donnerstag einen weiteren exzellenten Solisten, der erstmals mit dem Ensemble auftritt. Vor kurzem noch als Wunderkind gehandelt, überzeugt der 24-Jährige mit seinem reifen Stil. Er spielt das 1. Klavierkonzert von Frédéric Chopin, dieses Bravourstück imposanten Liebeswerbens, bestimmt und breit gefächert. Im ersten Satz werden alle Facetten des anpreisenden Galans nachgezeichnet. Perlendes Liebesgeflüster, romantischer Pathos, bestimmtes Fordern oder die rauchige Melancholie der Vergangenheit künftiger Tage – sie alle werden in seinem Spiel ausschraffiert.

Jan Lisieckis Tastenkunst ist feinfühlig und sensibel, aber dennoch klar und sicher. Einzig im Schluss-Vivace frönt er gar etwas dem Virtuosen, setzt die Geschwindigkeit über die Geschichte. Die Festival Strings begleiten mit viel Leben, spielen ihren etwas simplen Part sinnstiftend und ganz dem Dialog verpflichtet.

So richtig dreht das Ensemble jedoch nach der Pause auf. Die Aufführung von Franz Schuberts «Der Tod und das Mädchen» im Arrangement von Gustav Mahler ist an Spannung und Reichtum kaum mehr zu überbieten. Das sprichwörtliche «Musizieren auf der Stuhlkante», der lebendige Dialog zwischen den Instrumenten bietet ein sinfonisches Theater, ohne je den kammermusikalischen Geist zu verlieren.

Der Erfolg ist hausgemacht

Das Erfreuliche an dieser Leistung ist, dass sie – wie bei Ajax Amsterdam – nicht auf eingekauften Superstars beruht. Es war 2012, als der Orchesterdirektor Hans-Christoph Mauruschat und die Musiker zusammen den Schritt wagten, den Konzertmeister Daniel Dodds auch zum musikalischen Leiter zu berufen. Andere Ensembles wie die Camerata Zürich oder das Berner Kammerorchester haben dafür auswärtige Stars rekrutiert. Doch das Zusammenspiel zwischen dem «neuen-alten» Leiter und den Musikern, jetzt einfach wieder ohne Dirigent, setzte ungeahnte Kräfte frei.

Als «Primus inter pares» kreierte er eine Atmosphäre, eine Bereitschaft der Musiker, an die Grenzen zu gehen, die solch lebendige Konzerte, diese Energie in der Interpretation überhaupt erst möglich machte. Die Verjüngung des Orchesters sowie Mauruschats geschickte Programmierung zwischen Überraschungen, Stars und Etabliertem tragen das Ihrige dazu bei.

Internationales Echo

Dieses – wieder erreichte – hohe Niveau der Festival Strings bringt auch internationales Echo mit sich. So spielen sie in den nächsten Wochen noch in der Elbphilharmonie in Hamburg oder in Berlin, wurden schon für Preise wie den britischen «Gramophone Award» nominiert. In Luzern zeigt es sich vor allem im Publikumsaufmarsch, der dieses Jahr die 1000er-Grenze pro Konzert knackte. Eine fast schon wunderbare Zahl für ein Kammerensemble.

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