100 Beste Plakate 2020
Das ändert sich nie: «Ein gutes Plakat fällt auf» – eine Ausstellung im Rahmen des Weltformat Graphic Design Festivals

In der Kornschütte Luzern sind wieder einmal die 100 besten Plakate des Vorjahrs zu sehen. Sichtbar wird: Trotz Corona war die Welt farbig.

Susanne Holz
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Man mag es kaum glauben: Plakate sind immer noch en vogue – obwohl sie nicht digital sind. Sondern wunderschön analog – und wie schön!

Ausstellung «100 Beste Plakate 2020» im Rahmen des Weltformat Graphic Design Festivals in der Kornschütte am Kornmarkt in Luzern.

Ausstellung «100 Beste Plakate 2020» im Rahmen des Weltformat Graphic Design Festivals in der Kornschütte am Kornmarkt in Luzern.

Alle Bilder: Patrick Hürlimann (Luzern, 8. Oktober 2021)

Leuchtende Farben, klare geometrische Formen, aussagekräftige Worte, auch mal originelle Bilder von Mensch oder Tier. Illustration, Fotografie, Text.

Weltformat Graphic Design Festival am Kornmarkt in Luzern. Plakat von gggrafik.

Weltformat Graphic Design Festival am Kornmarkt in Luzern. Plakat von gggrafik.

Alle Bilder: Patrick Hürlimann (Luzern, 8. Oktober 2021)

Ja, auch im Coronajahr 2020 entstanden viele Plakate, obwohl viele von ihnen dann vermutlich gar nicht zum Einsatz kamen.

Plakat von Chris Gautschi Graphic und Editorial Design.

Plakat von Chris Gautschi Graphic und Editorial Design.

Alle Bilder: Patrick Hürlimann (Luzern, 8. Oktober 2021)

Die aktuelle Ausstellung in der Luzerner Kornschütte «100 Beste Plakate 2020» bietet wieder mal einen eindrücklichen Überblick über das Schaffen der Grafikszene im deutschsprachigen Raum. 600 Gestalterinnen und Gestalter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz reichten dieses Jahr 1973 Plakate ein. Die 100 Gewinnerplakate werden nun in einer Wanderausstellung und in einer Publikation präsentiert.

Weltformat Graphic Design Festival am Kornmarkt in Luzern. Plakate von Claudiabasel Grafik + Interaktion.

Weltformat Graphic Design Festival am Kornmarkt in Luzern. Plakate von Claudiabasel Grafik + Interaktion.

Alle Bilder: Patrick Hürlimann (Luzern, 8. Oktober 2021)

«Grafikerinnen und Grafiker prägen Identitäten», sagt Erich Brechbühl, Präsident und Mitgründer des Vereins Weltformat. «Sie gestalten den Zeitgeist mit.» So lautet denn auch das Thema des diesjährigen Weltformat Graphic Design Festivals, in dessen Rahmen die Plakate-Ausstellung in der Kornschütte diese Woche stattfindet, «Designing Identities»: Es geht um die Frage, wie Grafikdesign visuelle Identitäten schafft.

Nicht mehr so wild wie vor 20 Jahren

Doch natürlich macht sich umgekehrt auch der Zeitgeist in der Arbeit der Grafikschaffenden bemerkbar. Man möchte von Erich Brechbühl gerne wissen, wie sich die Plakate in den letzten 20 Jahren verändert haben – so lange gibt es den Wettbewerb «100 Beste Plakate» schon. Der Experte erklärt, das Plakatdesign verändere sich über längere Zeit und fliessend: «Die Plakate von 2020 sehen nicht so viel anders aus wie die von 2019, aber definitiv anders wie die von 2001.»

Weltformat Graphic Design Festival am Kornmarkt in Luzern. Plakate von studio VIE/Katarina Soskic, Herwig Scherabon.

Weltformat Graphic Design Festival am Kornmarkt in Luzern. Plakate von studio VIE/Katarina Soskic, Herwig Scherabon.

Alle Bilder: Patrick Hürlimann (Luzern, 8. Oktober 2021)

Erich Brechbühl ist der Ansicht: «Plakate kommen heute tendenziell etwas aufgeräumter daher als vor 20 Jahren. Sie verfügen über einfache und gut lesbare Schriften.» Brechbühl fügt an: «Es geht nicht mehr ums Auffallen um jeden Preis. Waren Plakate um die Jahrtausendwende tendenziell wild, so sind sie heute direkter und konzentrieren sich aufs Wesentliche.»

Die Preisträger des Newcomer Awards sind ...

Der Hauptpreis der Jury geht an Jan Wojda aus Warschau und der Publikumspreis geht an Dongyeop Shin aus Südkorea.

Knapp 750 visuelle Interpretationen des Themas «Representing Generation Z» erreichten die Jury des Weltformat Newcomer Awards – eingesandt aus 38 Ländern. Die 20 nominierten Plakate transportieren Botschaften einer jungen Generation von Grafikerinnen und Grafikern, die diese mit der Welt teilen möchten. Seien es persönliche, soziale oder politische Anliegen, die Klimakrise oder gesellschaftliche Inklusion. Inzwischen stehen auch die Gewinner fest: Der Hauptpreis der Jury geht an Jan Wojda aus Warschau und der Publikumspreis geht an Dongyeop Shin aus Südkorea. (sh)

Erich Brechbühl erklärt sich diese Entwicklung auch damit, dass 2001 der Computer noch Mittelpunkt des Schaffens war, während er heute schlicht als Werkzeug dient. Und was macht ein gutes Plakat aus – heute wie vor 20 Jahren? Die Antwort des Experten lautet: «Ein gutes Plakat fällt auf. Und Schönheit ist da nur eine Möglichkeit.» Lesbar müsse es zudem sein, aber nicht unbedingt auf den ersten Blick. Was Brechbühl an der diesjährigen Ausstellung speziell spannend findet, ist die Tatsache, dass die nun und hier gezeigten Plakate im Coronajahr 2020 entstanden sind: «Oftmals gestaltet für Events, die dann gar nicht stattgefunden haben. Das ist eine spannende Geschichte. Geht man durch die Ausstellung, ist das ein bisschen so, als durchwandere man ein Jahr, das es so gar nicht gab.»

Sehr viele Plakate kommen aus der Schweiz

Was die Herkunft der Plakate betrifft, so freut sich Erich Brechbühl, dass seit ein paar Jahren das Gros der Plakate aus der Schweiz kommt. Brechbühl teilt mit, dass in diesem Jahr 50 Prozent der prämierten Plakate aus der Schweiz kommen, 43 Prozent aus Deutschland und sieben Prozent aus Österreich. «Natürlich ist die Schweiz als Grafik- und Plakateland bekannt. Aber toll ist es schon, dass wir hier den so viel grösseren Nachbarn Deutschland überholen konnten.»

«100 Beste Plakate 20» aus Deutschland, Österreich, Schweiz; im Rahmen des Weltformat Graphic Design Festivals. Bis 17. 10. 2021, Kornschütte Luzern, Kornmarkt 3. Offen: Mo-So, 12-18 Uhr. www.weltformat-festival.ch