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Kuba-Projekt mit dem Händelchor: Das Beste kam erst «nach dem Konzert»

Viel Latin, ein avantgardistisches Trompetenkonzert und ein unerwarteter Stargast zum Schluss. Das Kuba-Projekt mit dem Luzerner Händelchor kann die hohen Erwartungen punkto interkulturellem Musizieren nur teilweise einlösen.
Roman Kühne
Luis Frank Arias Mosquera, bekannt vom Buena Vista Social Club, brachte das alte Kuba in den Maihof. (Bild: Philipp Schmidli, 22. September 2018)

Luis Frank Arias Mosquera, bekannt vom Buena Vista Social Club, brachte das alte Kuba in den Maihof. (Bild: Philipp Schmidli, 22. September 2018)

Der Höhepunkt wurde lange aufgespart. Zu lange vielleicht. Denn das Projekt mit dem Namen «Cuba meets Switzerland» hat viele Vorfreuden geweckt. Latino-Musiker, ihre verklärte Vergangenheit und Lebenslust, treffen auf Schweizer Interpreten und die helvetische Moderne.

Entsprechend voll ist der Maihof am Samstagabend. Aber die Aufführung kann ihre Versprechen nur teilweise einlösen. Das interkulturelle Zusammenspiel, diese Idee einer gegenseitigen Bereicherung, der daraus resultierende Funke, bleibt bloss im Ansatz erkennbar. Das Programm möchte wohl zu viel. Gar unterschiedlich sind die Dinge, die man hier in den gleichen Korb legt. Denn um am gleichen Abend Unterhaltungstänze und Musik der klassischen Avantgarde aufzuführen, braucht man ein flexibles Orchester von hoher Qualität.

Eine Messe im Samba-Rhythmus

Das Beste des regulären Programmes ist die Aufführung der «Misa Cubana a la Virgen de la Caridad del Cobre» von José María Vitier. Die für den Papstbesuch von 1998 geschriebene Messe bringt wie natürlich europäische Liturgie und mittelamerikanische Rhythmen auf einen Nenner.

Unter der Leitung von Pirmin Lang singt der Händelchor gewohnt solide, kompakt und flexibel. Die vier Register sind gut austariert. Vor allem das Kyrie entwickelt einen fröhlichen Sog. Immer stärker setzen sich hinten die tanzenden Rhythmen durch, kontrastieren mit der christlichen Litanei der Sänger. Manchmal etwas unpräzise in den schnellen Teilen, bringen der tanzende Gestus der Gestaltung, die gute Akzentuierung der Sänger, der gezupfte Groove der Kontrabässe etwas Karibik-Flair in die nüchterne Halle. Überzeugend interpretieren auch die beiden Sopranistinnen Kathrin Lüthi und Daniela Argentino.

Packend ist die «Suite Cubana» der Violinistin Jenny Peña Campo (34). Sie verbindet Tänze ihrer Heimat mit europäischer Musikgeschichte. Elegant hüpft der Mambo durch die Violinen und Waldhörner. Mit viel Witz spielt die junge Frau mit den Klängen. In Vollbesetzung dröhnt etwa das Orchester, bricht ab, und es ist jetzt das Fagott, das allein den tippelnden Rhythmus spielt, gleich gefolgt vom etwas schwerfälligen Tuba-Elefanten. Es sind Stücke, die das ganze Lebensgefühl der verklärten Insel in klassische Konzepte giessen. Eine Musik zwischen pulsierender Lebensfreude und ewiger Melancholie, leicht und scheinbar sorgenlos.

Und ewig leidet die Liebe

Hier ist das Orquesta de Cámera de Las Tunas unter der Leitung von Giudel Gómez González am ehesten zu Hause, zeichnen die jungen Musiker gekonnt die Stimmung und Farben des Stückes. Oft spielt das junge Orchester jedoch unpräzise. Die im Programmheft gepriesene Qualität erreicht es nur ansatzweise.

Natürlich mag es schwierig sein, den akustischen Verhältnissen im Maihof Rechnung zu tragen. Doch diverse Formationen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass dies durchaus möglich ist, so etwa das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester. Vor allem im Eröffnungsstück «Concertino for Trumpet and Chamber Orchestra» des Schweizer Komponisten Hans Haug schaffen die Musiker es nicht, dieser Musik Struktur und Idee zu geben. Unter dem Dirigat von Ulrich Nyffeler bleibt der Klangausgleich schwammig, ist die kleine Trommel konstant zu laut.

Hingegen überzeugt der Solist Philipp Hutter. Der Solotrompeter des Luzerner Sinfonieorchesters spielt leicht, eilt scheinbar mühelos durch die Oktaven. Er ist auch in den nachfolgenden Stücken mit seinen Kuba-typischen Highnotes auf der Trompete eine Klasse für sich. Und vor allem sind es seine Improvisationen in den Zugaben, die am ehesten jenes südliche Lebensgefühl etwas auf die Bühne bringen.

Der Überraschungsgast räumt ab

Denn «das Beste kommt in Kuba oft nach dem Konzert», wie es der Projektleiter Ulrich Nyffeler richtig bemerkte. Im Maihof in Luzern ist dies der Auftritt des Sängers Luis Frank Arias Mosquera. Bekannt durch seine Darbietungen mit dem Buena Vista Social Club bringt er als Überraschungsgast das wahre, oder zumindest das alte Kuba in das kirchliche Rund. Sehnsüchtig und tragend singt er von der Liebe und ihrem Ende, lässt das traditionelle La Habana in altem Glamour und Glanz erstehen.

Auch im Orchester spielen die Musiker jetzt freier, zeigen sich in kurzen Soli. Selbst im nüchternen Maihof, quasi der Antipode zur kubanischen Musik, schaukelt jetzt der eine oder andere Körper mit.

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