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Das Blue Balls bringt den Rock ins KKL

Rock wird derzeit in unschöner Regelmässigkeit totgesagt. Am diesjährigen Blue Balls gibt es dagegen eine grosse Dosis an Stromgitarren.
René Meier
Black Rebel Motorcycle Club – Wolfmother auf dem Titelbild. (Bild: PD)

Black Rebel Motorcycle Club – Wolfmother auf dem Titelbild. (Bild: PD)

Als Rockfan durchlebt man derzeit schwere Zeiten: Auf den Radiosendern wird er kaum mehr gespielt, und da und dort wird er gar bereits für tot erklärt. Sicher ist: Der Rock hatte schon lebendigere Zeiten. Die Computerisierung der Musik macht ihm zu schaffen. Wer heute Musik machen will, der braucht keineKollegen und keinen Bandraum mehr. Ein Laptop reicht. Die Programme ersetzen Wissen über Harmonien und Akkorde. Zudem stolpert der Trend derzeit unaufhaltsam in Richtung elektronische Musik. Die Gitarre hört man heute vornehmlich noch im Pop, dort aber eher mit melodieverliebten Linien als mit knackigen Riffs.

Trotzdem: Der Rock ist nicht tot. Er röchelt noch nicht einmal. Ein beeindruckendes Lebenszeichen gab er kürzlich im Stade de Suisse in Bern. Dort feierten rund 40000 Nasen die Foo Fighters mit ihrem Gaspedal-Rock. Es roch nach Bier, Schweiss und ehrlicher Arbeit. Am Ende gingen alle glücklich nach Hause.

Die Temperatur hochtreiben

Wolfmother (Montag, 23.Juli, 20.00, Luzerner Saal KKL) haben das Potenzial bei Rockfans genau diese Glückshormone noch einmal auszuschütten. Schon alleine das Intro von «Joker and the Thief» ist herrlich dreckig. Die kantige Gitarre treibt voran, das Schlagzeug setzt ein, das Keyboard orgelt im Hintergrund. Das ist vertontes Testosteron und klingt nach Rock, wie er im vergangenen Jahrtausend gross in Mode war. Dabei haben sich Wolfmother erst nach dem Millennium gegründet. Die Australier um Frontmann Andrew Stockdale (es gab einige personelle Wechsel und sogar mal eine kurze temporäre Auflösung) spielten sich schnell in Kritiker- und Fanherzen und tourten um die Welt – kürzlich unter anderem als Vorgruppe von Guns N’Roses in Amerika.Jetzt kommen sie ans Blue Balls und werden wohl die Temperatur im Luzerner Saal noch einmal um ein paar Grad hochtreiben.

Der zweite Rockpflock, den das Blue Balls dieses Jahr einschlägt, heisst Black Rebel Motorcycle Club (Dienstag, 24. Juli, 20.00 Luzerner Saal, KKL). Die Amerikaner rockten sich so um das Jahr 2001 mit dem sinnhaften Titel «What Ever Happened To My Rock And Roll» in die Ohren einer breiteren Öffentlichkeit. Das war ein gewaltiges Rockmonster, inklusive übersteuerten Verstärkern und einer sehr punkigen Attitüde. Es gab (und gibt wohl) kaum eine Indie-Disco, die ohne diese Kracher auskam.

Etwas verdüstert

Mittlerweile sind ein paar Jahre vergangen, und der Rock ist etwas weniger geworden im Werk von Black Rebel Motorcycle Club. Oder einfach anders geprägt: Da steckt mittlerweile viel mehr kantiger Blues als preschender Punk drin. Das ist nicht weniger gut, es ist vielleicht ein bisschen weniger übermütig und vielleicht einen Hauch erwachsener. Auch hat die Band einige Schicksalsschläge hinter sich: 2014 kämpfte etwa Schlagzeugerin Leah Shapiro mit einer Hirnerkrankung, überlebte dank einer Operation aber – und macht weiter in der Band. Vielleicht auch deswegen hat sich die Musik etwas verdüstert, aber immer noch klar erkennbar ist die Rockseele.

Peter Hayes, Robert Levon Been (beide Gitarre, Gesang, Bass) und Schlagzeugerin Shapiro ackern als Trio in höchster Präzision. Da ist keine Note zu viel, kein Schnickschnack, sondern auf die Essenz eingedampfte Musik. «Vor den Klangwänden, die die Kalifornier zu dritt hochziehen, können Stadionrocker mit mehr als doppelter Besetzung nur zittern», schrieb ein Kritiker kürzlich über eines ihrer Konzerte. Das macht neugierig. Und vor allem auch ein bisschen Hoffnung, dass der Rock wieder besseren Zeiten entgegensegelt.

Wolfmother und Black Rebel Motorcycle Club sind ein schönes Statement des Blue-Balls-Festivals. Dort, wo oft schöne Frauenstimmen dominierten, krachen 2018 wieder mal kräftig die Gitarren. Dieses Mal nicht nur (aber auch) auf den Nebenbühnen, sondern eben auch im KKL. Das dürfte dem einen oder andern Rockfan, der sonst ja nicht gerade viel zu lachen hat, ein glückliches Lächeln auf die Lippen zaubern. Viel mehr kann Musik eigentlich gar nicht wollen. (mg)

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