Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Paléo-Festival Nyon:
Das charmante Open Air

Es ist das grösste Open Air der Schweiz und dennoch so sympathisch wie ein Kleinanlass. Das Paléo-Festival vereint viele gute Gründe, von der Ostschweiz nach Nyon zu fahren.
Roger Berhalter
Spaziergang durch den rosa Wald: Auch das ist am Paléo-Festival in Nyon möglich. (Bild: Salvatore Di Nolfi/KEY)

Spaziergang durch den rosa Wald: Auch das ist am Paléo-Festival in Nyon möglich. (Bild: Salvatore Di Nolfi/KEY)

Kaum ist man den Windeln entwachsen, ist man hier willkommen. Es gibt neben dem Paléo-Festival in Nyon wohl kein zweites Open Air dieser Grösse, das alle Altersklassen bedient. Im Gegensatz etwa zum Frauenfelder Open Air, das sich mit einer klar begrenzten Musikauswahl (Hip-Hop) an ein klar definiertes Zielpublikum (Jugendliche) richtet, sind am Paléo alle anzutreffen. Junge Eltern geben ihre Kinder im Hort (!) ab, grauhaarige Paare sitzen mit dem Weinglas an weiss gedeckten Tischen. Das Paléo ist ein gesellschaftlicher Anlass und bindet auch die Sportvereine der Region ein; viele sind mit eigener Bar präsent.

90 Bands an sechs Tagen, fast 5000 Helfer und 230 000 Besucher: Das Paléo-Festival ist das grösste Open-Air-Festival der Schweiz und findet heuer schon zum 42. Mal statt. Ein Grossevent wie viele andere, könnte man meinen. Doch dann reist man hin – und wird überrascht. Denn das Paléo hat es geschafft, sich den Charme einer Kleinveranstaltung zu bewahren. Nicht zuletzt deshalb, weil das grösste Open Air des Landes gut schweizerisch, nämlich kleinräumig, organisiert ist.

Kongo-Electro und mongolischer Gesang

Da sind zum einen die vielen Bühnen, vom Club Tent über den Dôme bis zur Hauptbühne, die hier nicht Main Stage, sondern Grande Scène heisst. Es kann passieren, dass man nach Mitternacht in ein Bühnenzelt stolpert und dort vom Obertongesang einer mongolischen Gruppe empfangen wird. Oder mit Blick aufs aktuelle Programm: Wer hat schon je solchen handgemachten Electro gehört, wie ihn die kongolesischen Kokoko spielen? Und wer kennt östlich des Röstigrabens schon den Franzosen Malik Djoudi, der klingt, als hätte er sich samt Synthesizer direkt aus den 80ern ins Jetzt gebeamt?

Lenny Kravitz, Indochine und ein grosses Feuerwerk

Noch bis Sonntag dauert das aktuelle 42. Paléo-Festival in Nyon. Es ist wie jedes Jahr längst ausverkauft, allerdings sind online für jeden Tag noch 1500 Tickets erhältlich. Heute Freitag steht als Headliner der Funk-Rocker Lenny Kravitz auf der grossen Bühne. Morgen treten Suprême NTM auf, die alten Herren des französischen Hip-Hop. Das Abschlusskonzert – nach einem grossen Feuerwerk – spielt die französische Rockband Indochine am Sonntag nach Mitternacht. Neben diesen grossen Namen gibt es auf den fünf Bühnen auch unbekannte Bands zu entdecken. Das Musikprogramm ist breit gefächert und reicht von klassischem Rock über Electropop und Balkanmusik bis zu französischem Chanson. Im Gauklerdorf «La Ruche» zeigen zudem zahlreiche Clowns, Artisten und Strassenmusiker ihre Darbietungen.

Natürlich kommt auch das Paléo-Festival nicht um die grossen Namen herum, dieses Jahr sind es zum Beispiel Depeche Mode, Gorillaz und Lenny Kravitz. Die Grande Scène vor der sanft ansteigenden Wiese bietet dem Publikum beste Sicht aufs Geschehen und ist Schauplatz für grosses Kino. Zwei Beispiele: Björk verwandelte das Gelände in einen Techno-Rave, begleitet von einem weiblichen Bläserensemble. Iggy Pop riss sich hier das Shirt vom Leib und bellte seine Texte der Abendsonne entgegen.

Tapas mampfen wie in Sevilla

Seinen Charme offenbart das Paléo aber vor allem abseits der Bühnen. Einzigartig ist das «La Ruche», wo Artisten und Gaukler eine Parallelwelt aufbauen, in der man ganze Tage verbringen kann. Die Künstler streifen auch durchs Gelände, was dem Paléo das Flair eines Gauklerfestivals verleiht. Dazu tragen ebenso die vielen übers Gelände verteilten Kunstinstallationen bei. Die Compagnie Monic La Mouche hat dieses Jahr aus rostigem Metall ein von Fackeln erleuchtetes Quartier zusammengeschweisst. Studenten der Westschweizer Fachhochschule wiederum haben eine Meereslandschaft entworfen; die Besucher fläzen sich auf einem Korallenriff in Hängematten oder spazieren durch einen rosaroten Anemonenwald.

Eine weitere Welt für sich ist das Village du Monde, eine ruhige Ecke im Trubel, die jedes Jahr einer Weltregion gehört. Diesmal ist Südeuropa zu Gast: Die Besucher können Tapas mampfen wie in Sevilla, Rebetiko tanzen wie in Thessaloniki und Canzoni hören wie in Napoli.

So ist das am Paléo: Alle gehen hin, jeder findet für sich die passende Ecke. Und diese kleinräumige Vielfalt ergibt schliesslich ein stimmiges Ganzes. Oder eben das grösste Open-Air-Festival der Schweiz.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.