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Das Dickste, das ich je besass

Regina Grüter
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Ob ich alle die gelben Büchlein, die ich während der Kantizeit anzuschaffen gehalten war, aus Zorn fortgeschmissen habe? Zorn ist eine stärkere Emotion. Ich habe sie mit dem Altpapier entsorgt. Das tut man so mit Dingen, die ihren Zweck erfüllt haben, die man nicht mehr braucht. Die Reclam-Hefte aus der Schulzeit – «Emilia Galotti», «Kleider machen Leute» und Co. – bedeuteten mir nichts. Nun ist es durchaus nicht so, dass ich Literaturklassiker verschmähe. Es sind eher die grossen Romane wie «Buddenbrooks» oder «Anna Karenina», die es mir angetan haben und – in gebundener Form – in meinem Bücherregal stehen. Solche Sachen haben wir in der Schule nie gelesen, und die sind in der Reclam-Universalbibliothek auch nicht erhältlich – zu dick.

Anna Karenina war es schliesslich auch, die mich nach langer Abstinenz wieder an Reclam herangeführt hat. Zur Kinopremiere der Literaturverfilmung aus dem Jahr 2012 schrieb ich eine Hintergrund­geschichte zu «Literatur und Film». Auf der Suche nach Material stiess ich auf die Reclam-Abhandlung «Literaturverfilmungen» in der Reihe «Interpretationen». Es reicht von «Romeo and Juliet» von Franco Zeffirelli bis zu Roman Polanskis Verfilmung des Theaterstücks «Der Gott des Gemetzels». Ich habe es mit Leuchtstift angestrichen und mit Bleistift Randnotizen vorgenommen, wie früher in der Schule auch schon. Mit 438 Seiten ist es das dickste Reclam-Büchlein, das ich je besass.

Regina Grüter

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