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Ausstellung von Judith Leupi und Noha Mokhtar: Das Eigene im Fremden

Der o.T. Raum für aktuelle Kunst präsentiert junge Künstlerinnen, die auf unterschiedliche Art Alltägliches verwerten: Judith Leupi zeigt Bild-Raumwelten, Noha Mokhtar eine Film- und Soundinstallation.
Noha Mokhtar nutzt einen Bambusvorhang als Leinwand. (Bild: PD)

Noha Mokhtar nutzt einen Bambusvorhang als Leinwand. (Bild: PD)

Kunst greift oft auf die Realität zurück, um in ihrer Umformung neue Wahrnehmungsperspektiven zu öffnen. Im o.t. Raum für aktuelle Kunst in Luzern sind derzeit zwei ganz unterschiedliche Beispiele dafür zu sehen.

Den grösseren Saal bespielt Fotografin Judith Leupi (35, aus Uffikon) mit ihrer Ausstellung «Fugue». Zwei von der Decke gehängte, überdimensionierte Fotopapiere und gerahmte kleinere Aufnahmen an den Wänden tönen ein bühnenhaftes Setting an, in dem räumliche Gewissheit unterwandert wird: Sonderbar geformte Körper, die entfernt an architektonische Elemente erinnern, scheinen im luftleeren Raum zu schweben, auch dort, wo sie sichtbar von filigranen Stützen gehalten werden.

Zugleich physisch und entmaterialisiert

Sie erinnern an Marionetten, Modelle oder Raumsonden, wirken gleichzeitig physisch und entmaterialisiert und könnten auch am Computer geändert worden sein. Ob sie riesig oder winzig sind, lässt sich schwer sagen.

Seit einiger Zeit arbeitet sie in einem mehrstufigen Verfahren am De- und Rekonstruieren von Räumlichkeit in der Fotografie. Sie lichtet unscheinbare, funktionale Details aus der Alltagsumgebung ab – eine Fassade, ein Geländer, eine Bodenstruktur – und fertigt aus den gedruckten Abbildern eigenständige Papiervolumina, die im Atelier arrangiert und erneut fotografiert werden. Für die Ausstellung hat Leupi Versatzstücke aus ihrer Wahlheimat Glasgow in solch irritierende, heitere Möglichkeitsräume überführt.

Leichter erkennbar präsentiert sich Wirklichkeit in der parallelen Ausstellung der Genfer Künstlerin und Anthropologin Noha Mokhtar (31). Kernstück der mehrteiligen Installation, für die Mokhtar wie so oft mit verschiedenen Kollegen kooperierte, ist eine Projektion von Zeitungsbildern. Strandszenen, Flugzeuge, Kunstzeugnisse ferner Kulturen, westliche Repräsentationsfiguren und Menschen exotischer Herkunft wechseln sich auf dem Bambusvorhang, der als Leinwand dient, ab.

Komplexe Flut von Eindrücken

Alle Fotos stammen aus den Archiven von Le Monde und New York Times seit 1962, denn das ist das Jahr, in dem der Ethnologe Claude Lévi-Strauss sein Buch «La pensée sauvage» – so auch der Titel von Mokhtars Schau – veröffentlichte. Darin wird das ganzheitliche Denken naturnaher Völker als fantasievolles Verknüpfen von (vermeintlich) Disparatem beschrieben. «Bricolage» nennt Lévi-Strauss dieses Prinzip, das nun auch Mokhtar für ihre Installation als Grundlage diente. So wird es möglich, dass ihre assoziativ gereihte Bildrecherche, die den Blick westlicher Medien auf «das Andere» kondensiert, neben einem Ferienfilm gezeigt wird, den ihr Schwiegervater Kaspar Huber 1977 in Kenia aufgenommen hat.

Ein polyfoner Klangteppich aus Pop, synthetischer Musik und «natürlichen» Umgebungsgeräuschen erweitert die «bricolage» ins Akustische. Realität ist also bei Mokhtar zwar offensichtlicher als bei Leupi, stellt sich aber als komplexe Flut von Eindrücken und damit am Ende als ebenso rätselhaft dar.

Ausstellung noch bis am 7. Juli. o.T. Raum für aktuelle Kunst, Sälistrasse 24, Luzern.

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