Das Ende der Stille: Die Schüür setzt ein rockendes Statement

Die volle Dröhnung mit Leech: Die Zofinger Post-Rockband hat am Samstag in Luzern das Livekonzert-Erlebnis zurückgebracht. 300 Personen waren zugelassen.

Pirmin Bossart
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Leech in der Schüür als Silhouetten im Bühnen­rauch.

Leech in der Schüür als Silhouetten im Bühnen­rauch.

Bilder Silvio Zeder
(6. Juni 2020)

In der Schüür fand am Samstagabend das wohl erste grössere Konzert dieser Art in der Schweiz nach dem Corona-Lockdown statt. Es war wie immer – und doch ganz anders. Gleich beim Eintreffen in der Schüür mussten alle Konzertbesucher Namen, Adresse und Handynummer auf ein A4-Formular notieren. Das Publikum wurde angehalten, sich den Sektor (A bis E) im Konzertraum zu merken, in dem es sich aufhielt, und auf die Abstandsempfehlungen zu achten.

So einfach war das nicht. Einmal drin, standen die Besucher dicht vor der Bühne und nach hinten bis zum Mischpult, wie es eben an einem Konzert die Regel ist. Deshalb nutzte die Schüür den Spielraum, die Adresse aller Besucher zu hinterlegen, um die Rückverfolgung garantieren zu können. Denn auch mit dieser Option muss noch gerechnet werden: «Wir weisen darauf hin, dass die Möglichkeit besteht, aufgrund des Konzertbesuches zwei Wochen in Quarantäne gehen zu müssen», war zu lesen. «Das würde mir gerade noch fehlen», meint ein Besucher, der demnächst zwei Wochen in die Ferien fährt.

Anders als gewohnt beginnt das Konzert pünktlich um 20.05 Uhr und kann auch per Livestream auf Youtube mitverfolgt werden. Der Anlass ist ausverkauft, 300 Personen, inklusive Band, Personal und Gästeliste. Die Atmosphäre ist von Erwartung geladen. Man trifft Leute, die richtig hungrig sind, endlich wieder mal einen deftigen Live-Gig zu erleben. Und jene, die sich mit der Coronaruhe angefreundet haben und jetzt mehr aus Gwunder erschienen sind. Oder wegen der Band. Leech haben ihren Underground-Status in den letzten 20 Jahren erfolgreich transformiert. Sie sind jetzt eine kultige Lieblingsband und machen schon fast Stadionrock.

Die Band haut mächtig rein, mit Gitarren, Synthesizern, Bass und Schlagzeug. Die Scheinwerferkegel tanzen, die Musiker werden zu Silhouetten im Bühnenrauch, später blitzen Stroboskoplichter zum Puls der Musik. Das Publikum ist elektrisiert, es wird gejohlt, Hände gehen in die Luft, die Bässe vibrieren im Körper. Eine hymnische Dröhnung schwirrt über den Köpfen, und man überlegt sich schon, ob die Schüür eine neue Soundanlage eingerichtet habe. Aber Schüür-­Chef Marco Liembd lächelt: «Das klingt hier immer so. Es hat in den letzten zwei Monaten einfach niemand eine solche gute Stereoanlage zuhause gehabt.»

Leech spielen mit Zugaben knapp zwei Stunden. Nach dem Top-Auftakt und einem eher abgeflauten Mittelteil steigert sich die Band im letzten Drittel mit harten Riffs, repetitiver Intensität und wummerndem Sound ins würdige Finale. «Es gibt für mich keine Band, die besser für diesen Auftakt gepasst hätte», freut sich Silvio Zeder, Programmleiter Schüür. «Das ist Livemusik, intensiv und emotional.»

Und Liembd findet, die Schüür habe ein Statement gesetzt. «Das ist ein wichtiges Signal für Livekultur, die ganze Branche, das Publikum. So muss es weitergehen.» Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass jene, die sich krank fühlten, auch wirklich zuhause geblieben sind.