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Interview

Das erste Interview mit St.Gallens neuem Tanzchef: Sein Motto ist «Alles Neu»

Kinsun Chan übernimmt zur Saison 2019/2020 die Leitung der Sparte Tanz am Theater St.Gallen. Als Ausstatter konnte er das Haus bereits kennen lernen; die Kompanie hat er neu zusammengestellt. Stil und Themen sollen sich ändern – und mehr Junge ansprechen.
Interview: Bettina Kugler
Gut vernetzt nach Jahren als freischaffender Choreograf und Ausstatter: Tanzchef Kinsun Chan. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Gut vernetzt nach Jahren als freischaffender Choreograf und Ausstatter: Tanzchef Kinsun Chan. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Ein wenig ruhiger als sonst wirkt das ­Direktorium auf den ersten Blick bei der Präsentation des Spielplans 2019/20. Es fehlt die farbige Lebhaftigkeit der bis­herigen Tanzchefin Beate Vollack – sie wechselt nach Graz. Ihr Nachfolger bringt internationales Flair ins Team. In Vancouver geboren, begann Kinsun Chan nach einem Kunststudium seine Ballettkarriere in den USA, kam dann als Solist ans Opernhaus Zürich und ans Theater Basel. Aus zehn verschiedenen Nationen stammen die Tänzer seiner fast komplett erneuerten Kompanie. Er selbst ist mit dem Haus und den Gesichtern in St.Gallen bereits gut vertraut, verspricht aber: «Unser Motto ist: Neu!»

Kinsun Chan, als neuer Tanzchef am Theater St.Gallen treten Sie die erste Leitungsposition Ihrer Karriere an. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Mein bisheriger Werdegang war sicher die beste Vorbereitung und Ausbildung. Als freischaffender Choreograf und Ausstatter muss man gut organisiert sein; man ist im Kontakt mit ganz unterschiedlichen Mannschaften und Künstlern und baut an seinem Netzwerk. Der Unterschied wird sein, dass ich nicht mehr so viel unterwegs bin. Aber ich nutze das gleiche Werkzeug – mit einem breiteren Spektrum.

Welcher Führungsstil wird von Ihnen zu erwarten sein?

Ich möchte die Sparte Tanz auf eine menschliche Art führen. Ich lasse mich gern von den Menschen inspirieren. Tänzer sind ja an sich schon sehr diszipliniert, da muss ich nur motivieren. Es ist eine sympathische, dynamische Mannschaft. Ihr möchte ich ein Ziel und eine Richtung geben, damit wir die vorhandene Energie auf die Spielfläche bringen können.

Sie waren in den vergangenen Jahren mehrfach als Bühnenbildner und Ausstatter in St.Gallen zu Gast. Wie haben Sie das Haus erlebt?

Die Zusammenarbeit hier ist sehr gut. Es erleichtert mir den Start enorm, dass ich alle Abteilungen und die Technik kenne und weiss, wie es läuft. Auch das Publikum ist mir nicht völlig unbekannt. So kann ich gleich mit der Kunst beginnen und richtig Gas geben.

In Ihrer ersten Saison werden Sie zwei Stücke kreieren: zum Auftakt «Rain» in der Lok und Anfang 2020 «Coal, Ashes and Light» im Grossen Haus. Was erwartet uns da?

«Rain» ist von einem Gedicht Henry Wadsworth Longfellows inspiriert; der Regen ist darin eine Metapher für die Höhe- und Tiefpunkte eines Lebens. «Coal, Ashes and Light» ist ein dreiteiliger Abend. Es geht um die Bedeutung der Farben Schwarz, Grau und Weiss in unterschiedlichen Zeiten und Kulturen.

Werden Sie ästhetisch neue Wege einschlagen?

Ich habe ursprünglich Kunst studiert und arbeite daher gern mit starken Bildern. Auch als Choreograf verstehe ich mich als visueller Künstler; ich ziehe Linien in 3D, mit Bewegung, mit Körpern. Schon ein Bild allein zeigt viel Emotion, kann eine Geschichte erzählen. Bei uns kommt die Dynamik dazu. Nach diesem Kriterium habe ich auch die neue Kompanie zusammengestellt.

750 Tänzerinnen und Tänzer haben sich beworben, nur vier Mitglieder der bestehenden Kompanie bleiben. Welches Gesicht wird die neue Kompanie haben?

Natürlich ein hübsches! Die Auswahl war schwer; ich habe dem Bauchgefühl vertraut. Es fiel mir keineswegs leicht, die Kompanie umzubauen – doch ich will neue Themen zeigen, einen neuen Stil. Dafür habe ich nun eine sehr dynamische Mannschaft. Jeder davon kann für sich allein stehen und Soloaufgaben übernehmen, aber als Teil eines Ganzen.

Ihre Vorgänger Beate Vollack, Marco Santi und Philipp Egli haben dem Tanz viel Beachtung verschafft: durch Publikumsnähe, eine starke künstlerische Handschrift und Präsenz ausserhalb des Theaters. Wo möchten Sie Akzente setzen?

Sie haben es toll gemacht, das stimmt. Die Tanzlandschaft ist immer interessanter geworden, und das Publikum ist gewachsen. Das möchte ich weiter ausbauen. Vor allem die Jungen fehlen noch, Kinder, Jugendliche und Studierende. Die würde ich gern in unsere Tanzstücke locken, für Tanz begeistern.

Gibt es dafür konkrete Ideen?

Wir werden die Zusammenarbeit mit der Theatertanzschule verstärken. Robina Steyer, bisher Tänzerin in der Kompanie, wird ein Familienstück choreografieren, «Sandkorn», von Kindern getanzt. Wir werden auch ein Gastspiel des Festivals «Steps» zeigen. Ich möchte zudem meinen Kontakt zum Nachwuchs an der ZHdK nutzen und junge Tänzer einbinden – etwa für das Stück «Colossus» von Stephanie Lake, in dem es um die Komplexität in der Masse geht. Junge Leute am Beginn ihrer Karriere geben alles; das muss man unterstützen. Und es zieht auch junges Publikum an.

Spielplan: www.theater.sg

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