Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Für mich war Rock'n' Roll immer das Gegenteil von Frank Sinatra»

Die Hollywood Vampires spielen diese Woche in Zürich und Montreux. Ein Gespräch mit Leadsänger Alice Cooper über die echten Vampire aus der Rainbow Bar der 70er, über Jesus und wütende, laute Musik.
Interview: Olaf Neumann
Tanz der Vampire: Schauspieler und Gitarrist Johnny Depp zusammen mit Alice Cooper. (Bild: Andreas Rentz/Getty (Herborn, 29. Mai 2016))

Tanz der Vampire: Schauspieler und Gitarrist Johnny Depp zusammen mit Alice Cooper. (Bild: Andreas Rentz/Getty (Herborn, 29. Mai 2016))

Alice Cooper ist dieses Jahr 70 geworden und will sich auf seine alten Tage noch einmal austoben. Nach einem Gastspiel auf dem Hessentag 2016 tourt er jetzt mit Filmstar Johnny Depp und ­Aerosmith-Gitarrist Joe Perry in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Supergroup nennt sich Hollywood Vampires in Anspielung auf Jim Morrison, Jimi Hendrix, John Lennon und andere früh verstorbene Rockstars.

Alice Cooper, die Band Hollywood Vampires kommt gleich mit drei Gitarristen: Johnny Depp, Joe Perry und Tommy Henrikson, der u.a. mit Lady Gaga gespielt hat. Was zeichnet dieses Saiten-Trio aus?

Es ist interessant, wie Johnny Depp und Joe Perry auf den Songs zusammen spielen, die wir für unser nächstes Album geschrieben haben. Die Idee hinter den Hollywood Vampires war, unseren toten Freunden zu huldigen. Deshalb spielten wir Songs von The Doors, John Lennon, T. Rex und The Who. Im Grunde sind wir die teuerste Coverband der Welt. Aber wir spielen auch eigene Songs, die sich sehr deutlich von den Covern unterscheiden.

Wie funktionieren die Hollywood Vampires?

Bei dieser Band ist meine Rolle ein bisschen anders als sonst, denn auch Johnny und Joe schreiben Texte. In meiner eigenen Band bin ich der Einzige, der das tut. Ich finde es cool, diesmal nur der Leadsänger zu sein und nicht der Bandboss. Das bedeutet für mich viel weniger Druck.

Was hat Sie dazu veranlasst, ausgerechnet mit Johnny Depp eine Band zu gründen?

Johnny ist ein sehr versierter Gitarrist, er gibt Joe Perry manchmal Unterricht. Er hat uns alle total überrascht mit seinem Spiel; für mich ist er in erster Linie Gitarrist. Er machte bereits Musik in einer Band, bevor er Schauspieler wurde. Johnny fühlt sich in beiden Rollen wohl: in der des Jack Sparrow und der des Leadgitarristen.

Ihre Band ist nach einem legendären Trinkerclub benannt, den Sie in den frühen 70er-Jahren mitgegründet hatten. Wie kam es dazu?

Das Lokal Rainbow Bar And Grill in Hollywood war damals ein beliebter Musikertreff. Immer wenn ich dorthin kam, waren Leute wie Ringo Starr, Harry Nilsson, Keith Moon, Micky Dolenz und Bernie Taupin schon am Trinken. Die Betreiber stellten uns das oberste Stockwerk zur Verfügung, dort konnten wir in Ruhe Lärm machen. Weil wir uns regelmässig trafen, bekam unsere illustre Runde den Namen «Hollywood Vampires» verpasst. Wir saugten den Alkohol in uns auf wie Vampire das Blut. Wer unserem exklusiven Club beitreten wollte, musste die anderen unter den Tisch saufen. Als Jahrzehnte ­später Johnny Depp und ich beschlossen, gemeinsam Musik zu machen, erzählte ich ihm von den Hollywood Vampires. Da hatte er die Idee, eine Band zu gründen, die ausschliesslich in Bars spielt – und zwar die Songs meiner verstorben Freunde aus dem «Rainbow». Und dann wurde daraus ziemlich schnell etwas Grosses.

Warum verhalten sich so viele Musiker selbstzerstörerisch?

Wenn du ein kreativer Alpha-Mensch bist, hilft Alkohol dir manchmal, dich einzupegeln. Leider ist der Übergang vom entspannten Trinken mit Freunden zum Alkoholismus fliessend. Irgendwann ist das Zeug für dich kein Alkohol mehr, sondern ­Medizin. In dem Moment hast du ein Problem. Jim Morrison, Jimi Hendrix und Janis Joplin sind alle mit 27 gestorben, weil sie die ­ganze Zeit «Medizin» geschluckt haben. Auch wenn sie nicht auf Tour waren, bestanden ihre Tage aus 24-stündigen Partys. Das macht der Körper nicht lange mit. Meine grossen Brüder und Schwestern vor die Hunde gehen zu sehen, war für mich eine Warnung.

Was taten Sie dann?

Ich hörte vor 37 Jahren mit dem Alkohol und den Drogen auf. Ich bin bis heute trocken geblieben. Das Gleiche taten Steven Tyler, Robert Plant und Mick Jagger. Praktisch alle aus dieser Ära, die heute noch leben. Um wieder die Kontrolle über ihr Leben zu erlangen.

Sie sind praktizierender Christ. Lesen Sie noch immer jeden Morgen in der Bibel?

Ja. Ich habe gelernt, dass mir das Bibelstudium etwas bringt. Jeder lebt sein Leben auf seine eigene Art. Ich bin seit 42 Jahren verheiratet, meine Frau wirkt in meiner Show mit. Sie ist nicht nur die einzige Frau in meinem Leben, sondern auch mein bester Freund. Wir sind so gut wie nie voneinander genervt. Ich kenne viele Männer, die gestresst sind wegen ihrer Finanzen, ihrer Karriere, ihrer Frau, ihrer Kinder. Solche Sorgen kenne ich nicht. Zudem habe ich seit 48 Jahren denselben Manager: Shep Gordon.

Funktioniert Rock ’n’ Roll noch als Forum für revolutionäre Ideen?

Der grösste Revolutionär, der jemals gelebt hat, war Jesus Christus. Er stellte sich gegen alle, indem er sagte: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» Und was den Rock ’n’ Roll angeht: Er ist heute so was von politisch korrekt, dass er mich langweilt. Rock ’n’ Roll muss Ecken und Kanten haben! Jede Art von Kunst sollte ein bisschen schockieren beziehungsweise nicht ge­wöhnlich sein. Für mich war Rock ’n’ Roll immer das Gegenteil von Frank Sinatra: hart, laut und wütend. Genau so klingt meine Musik bis heute. Aber insgesamt muss der Rock ’n’ Roll wieder wütender werden. Viele Bands von heute sind einfach nur schwach. Sie haben Angst davor, Künstler zu sein und gegen das Establishment zu wettern. Ich warte sehnsüchtig auf die neuen Guns N’Roses, Aerosmith und den neuen Alice Cooper.

Wünschen Sie sich mehr Politik in der Rockmusik?

Politik hat in der Rockmusik nichts verloren. Ich will von jungen Sängern Brunftschreie hören; im Rock’n’Roll dreht sich doch alles um Sex. Junge Sänger sollen gefälligst Songs schreiben über tolle Mädchen oder meinetwegen auch schreckliche. Das wollen die Leute hören und keine Politsongs.

Ist das Thema Liebe nicht irgendwann erschöpft?

Nein, weil keine Beziehung der anderen gleicht. Man kann das Herz einer Person auf tausend verschiedene Weisen erobern – oder brechen. Das sind die wirklich interessanten Geschichten.

Hollywood Vampires live am 3. Juli in Zürich (Samsung Halle) und am 5. Juli am Montreux Jazz Festival.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.