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St.Galler Künstler macht Tierbilder aus Fotofallen zum Kunstband

Guckt der Hase böse? Hat der Elch einen Heiligenschein? Für seine neue Publikation hat Alex Hanimann Bilder von Tieren, die Jägern in die Fotofalle liefen, auf ihre künstlerische Qualität überprüft.
Christina Genova

Man könnte schwören, dass der Hase auf Seite 132 böse in die ­Kamera schaut. Erfreut über die nächtliche Störung durch die Fotofallenkamera ist er offensichtlich nicht. Der Hase ein paar Seiten weiter hat es besser gemacht: Er ist der Kamera entwischt – nur sein Hinterlauf ist auf dem Bild zu sehen. Auf 350 Seiten hat der St. Galler Künstler Alex Hanimann in seinem neuen Buch «Trapped» Fotos von Tieren zusammengestellt, die in die Fotofalle gegangen sind. Dank des in die Kamera integrierten Bewegungsmelders wurden sie in flagranti beim Fressen, durch den Schnee hoppelnd oder bei der Paarung erwischt. Ergänzt wird der Band durch zwei Essays.

Die Fotofallen hat der Künstler nicht selbst aufgestellt, sondern er griff auf Bilder von Tierforschern und Jägern zurück. Dank Kontakten in die USA und nach Australien sind darauf nicht nur Luchse, Füchse und Rehe zu sehen, sondern auch Löwen, Nilpferde und Nasenbären.

Auge in Auge mit dem Tiger

Zu den künstlerischen Strategien Alex Hanimanns gehört es, mit vorgefundenem Bildmaterial zu arbeiten. Auch Tiere kommen in seinem Schaffen immer wieder vor. Dabei interessiert den Künstler vor allem das Verhältnis zwischen Mensch und Tier: «Der Mensch ist Teil der Bilder, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.» Ohne den Menschen würde es die Aufnahmen nicht geben. Ausgelöst werden sie jedoch durch die Tiere. Bei diesen Selfies wider Willen stellt sich damit die Frage nach der Autorschaft.

Der Betrachter versucht die Blicke der Tiere zu deuten, die manchmal direkt in die Kamera schauen. Der Bär guckt treuherzig, das Reh verschreckt. Mangels besseren Wissens behelfen wir uns dabei der Begrifflichkeiten, die uns für menschliche Gesichtsausdrücke zur Verfügung stehen.

Die Fotos, die zu wissenschaftlichen Zwecken gemacht wurden, entfalten durchaus künstlerische Qualitäten. Manche sind unscharf oder über­belichtet, doch daraus ergeben sich reizvolle Effekte. Der Elch hat eine Aura, oder ist es ein Heiligenschein? Ein «erleuchteter» Luchs steht im Schnee. Die weiss geblitzten Augen verleihen den Tieren etwas Geisterhaftes. Tausende Bilder hat Alex Hanimann durchgesehen, um eine Auswahl zu treffen. Besonders aufgefallen ist ihm dabei einerseits die Schönheit der Landschaft, aber auch die Fuchsbilder: «In 70 Prozent der Fälle trägt der Fuchs ein erbeutetes Tier in der Schnauze.» Das Kinderlied «Fuchs, du hast die Gans gestohlen» entspreche also durchaus den Tatsachen.

Buch

Alex Hanimann: Trapped. Edition Patrick Frey, 384 S., Fr. 60.–

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