Premiere am Luzerner Theater:
Das Gespenst will ans Licht

Das Kinderstück «Das kleine Gespenst» überzeugt seit Dienstag mit pompösen Kostümen, viel Musik und multimedialen Kniffs. 

Michael Graber
Drucken
Teilen
Uhu Schuhu (Christian Baus) sinniert mit dem Gespenst über dessen Wunsch, auch mal den Tag zu sehen.Bild: PD/Luzerner Theater/Ingo Höhn

Uhu Schuhu (Christian Baus) sinniert mit dem Gespenst über dessen Wunsch, auch mal den Tag zu sehen.Bild: PD/Luzerner Theater/Ingo Höhn

Geisterstunde, das weiss nun wirklich jeder, ist nach Mitternacht. Zur Geisterstunde, das weiss nun wirklich auch jeder, steht der Mond oben und die Sonne schläft. Auch das kleine Gespenst weiss das. Aber es geht den Gespenstern offenbar nicht anders als uns Menschen, und sie hadern mit ihrem Schicksal. Im Falle des kleinen Gespensts ist es der Wunsch nach Sonnenlicht, nach der Stadt bei Tag, nach Helligkeit. Seinen Wunsch beichtet es Uhu Schuhu (Christian Baus). Und wie es der dumme Zufall will, wird aus dem Nachtgeist alsbald ein Nachmittagsgeist. Geisterstunde ist immer noch um zwölf Uhr, aber mittags. Der erfüllte Wunsch erweist sich als Unglück und bei Tageslicht möchte das Gespenst nichts sehnlicher, als wieder in der Nacht zu spuken. Wie es Gespenster, das wissen nun aber wirklich alle, normalerweise tun.

Am Luzerner Theater wird aus dem Stück von Otfried Preussler ein munteres, digital angereichertes Kinderstück mit ganz viel Musik (Komposition und Co-Inszenierung: Dóra Halas) und noch viel mehr Kostümen (Bühne, Kostüme und Co-Inszenierung: Fruzsina Nagy). Da tanzt auch mal das Hotel Schweizerhof (in der Nacht inklusive passender Beleuchtung) neben einem singenden KKL und hält Händchen mit dem ganzen Rathausquai. Oder Marktstände preisen beschwingt ihre Waren an.

Eine Runde Pac-Man im Luzerner Theater

Am Schluss purzelt dann alles durcheinander. Schuld ist – natürlich – das Gespenst, das die Leute, jetzt wo es endlich gesehen wird, in helle Aufruhr versetzt. Die wechselnden Figuren werden toll durch den Lucerne City Choir, die Schauspieler Christian Baus und Lukas Darnstädt und Schauspielerin Nina Langensand gegeben. Es wird viel gesungen und episodenweise erzählt.

Das Gespenst erscheint via Projektor, und auch sonst verwandelt sich der Raum immer mal wieder multimedial (Animation: François Chalet). Es regnet, es wird Nacht und auch die Figuren interagieren immer mal wieder mit der aufgebeamten Umgebung. Zwischendurch verwandelt sich die Geistergeschichte zu einer Runde Pacman-Videospiel. Das mag zwar vielen der Kinder in der Zielgruppe kein Begriff mehr sein, aber toll ist es trotzdem.

Ständig passiert etwas, das Stück ist in flottem Tempo erzählt und bleibt trotz episodenhaftem Charakter eine einheitliche Geschichte. «Das kleine Gespenst» ist ein schönes Kindertheater, das nicht unter- und nicht überfordert und für Kinder ab sechs Jahren sehr gut geeignet ist. Es gibt viel zu bestaunen und zu hören und auch eine angemessene Anzahl an Publikumsinteraktionen. Vor lauter Gesang und wildem Kostümfest haben wir einzig eine etwas tiefer gehende erzählerische Ebene vermisst. Am Schluss rettet die Freundschaft dann das Gespenst aus dem Tageselend. Auf gute Freunde ist eben Verlass, das weiss nun aber wirklich jeder.

Weitere Vorstellungen bis 19.1. www.luzernertheater.ch