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Neuer Roman der Bestsellerautorin Celeste Ng

Die US-Schrifstellerin Celeste Ng führt in ihrem zweiten Roman «Kleine Feuer überall» eine brüchige Vorstadtidylle in eine komplexe Harmonie.
Celeste Ng (Bild: Kevin Day Photography)

Celeste Ng (Bild: Kevin Day Photography)

Überall im scheinbar so harmonischen und ehrgeizigen Vorstadtleben liegen potenzielle Brandherde bereit. Celeste Ng gelingt es in ihrem zweiten Roman, eine komplexe Wahrheit erzählerisch zu gestalten: dass nämlich vielfach verwickelte Geschichten immer grösser sind als Schuldzuweisungen irgendeiner Art.

Die Schuld der Mütter

Dabei geht es unbestreitbar um Schuld – vor allem für Mütter: eine trägt das Kind eines fremden Mannes aus, damit er und seine Frau jenen Nachwuchs bekommen, den sie zusammen nicht haben können. Eine andere legt ihren Säugling vor der Feuerwache ab. Und eine dritte lässt das Baby gar nicht erst zur Welt kommen, das ihren Lebenslauf – wie sie annimmt und gelernt hat – ruinieren würde. Wer von ihnen ist schuldig? Und wer, das ist die noch grössere Frage des Romans – hat das Recht zu richten? Feuer ist eine mächtige Kraft.

«Vergiss nicht, hatte Mia gesagt: Manchmal muss man alles abbrennen und von vorn anfangen. Nach dem Brand ist die Erde fruchtbarer und Neues kann wachsen. Genauso ist es bei den Menschen. Sie fangen von vorne an. Sie finden einen Weg.»

Ob die Künstlerin Mia mit diesem Satz der 15-jährigen Izzy, die sich immer schon als Kuckucksei in ihrer wohlhabenden und wohlanständigen Familie fühlt, einen Weg in ein besseres Leben gebahnt hat, wird schwer zu entscheiden sein.

Im scheinbar perfekten Vorstadtleben brodelt es

Die Richardsons leben in der perfekt organisierten und auf Perfektion ausgelegten Wohnsiedlung Shaker Heights bei Cleveland. Hier wuchs auch Autorin Celeste Ng auf. Nichts hat bisher den diszipliniert festgezurrten Rahmen des Lebens in der Familie von Anwalt und Journalistin und ihrer vier Kinder stören können. Lexie wird bald in Yale zugelassen werden und ihr schwarzer Freund Brian in Princeton. Trip, der Sportlersohn, sieht fantastisch aus, und Moody ist schlau. Nur Izzy, die wilde widerspenstige Jüngste, ist der Stachel im Fleisch ihrer ehrgeizigen Mutter.

Aber wie konnte Mrs. Richardson wissen, dass mit ihrer guten Tat, ein kleines Häuschen an Künstlerin Mia und ihre jugendliche Tochter Pearl zu vermieten, das in Izzy manifest gewordene unterschwellige Brodeln der Familie endgültig überkochen würde? Während Pearl, die mit ihrer Mutter ein nomadenhaftes Leben geführt hat und nie länger an einem Ort lebte, sich mit Leidenschaft in die Richardson-Kinder und ihr so anderes Leben verliebt, findet Izzy jenen Anker, den sie immer suchte, in der unkonventionellen, geheimnisvollen Mia. Als könnte sie diese «Neuordnungen» der familiären Zusammenhänge damit aufhalten, gibt sich Mrs. Richardson – durch einen Vorfall ausserhalb der Familie ausgelöst – der Obsession hin, Mias Geheimnis lüften zu wollen.

Es ist ein spannendes Geflecht aus Fragen, das sich aus dem Verwirrspiel der Beziehungen ergibt. Und unter den moralischen Fragestellungen klafft, unübersehbar, die existenzielle Dimension:

Was ist, wenn eine Frau schlicht zu arm ist, um ihr Kind zu ernähren? Zu arm, um jene Ausbildung fortzusetzen, an der ihr ganzes Herz hängt?

Armut und Klasse, diese beinharten Realitäten spielen eine Hauptrolle im Spiel der Kräfte, das Celeste Ng hier in eine faszinierend erzählte Geschichte bannt. Nicht immer sind ihre Figuren glaubwürdig erzählt. Nicht immer entkommt sie selbst der Falle, einen Strang gar zu harmonisch lösen zu wollen. Aber selbst wenn ihrer literarischen Kunst der eine oder andere Kunstfehler unterlaufen ist, schmälert dies nicht ihre Leistung, auf berührende und komplexe Weise vorgeführt zu haben, wie unentscheidbar oft jene grossen Fragen nach Richtig und Falsch sind, die eine Vorstadtsiedlung wie Shaker Heights ein für allemal gelöst zu haben glaubte.

Celeste Ng: Kleine Feuer überall. Roman, dtv, 328 S., Fr. 34.–

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