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Interview

Männerchor Heimweh:
«Das ist pure Energie»

Der populäre Männerchor Heimweh veröffentlicht sein drittes Album. Von Anfang an dabei ist der 41-jährige Muotathaler Bernhard Betschart. Was bedeutet ihm der Heimweh-Sound?
Interview Pirmin Bossart
Der Männerchor Heimweh (mit Bernhard Betschart, Fünfter von links) ist Dauergast in den Schweizer Charts. (Bild: PD)

Der Männerchor Heimweh (mit Bernhard Betschart, Fünfter von links) ist Dauergast in den Schweizer Charts. (Bild: PD)

Bernhard Betschart, Sie sind gerade von einer Asien-Tournee mit Schweizer Volksmusik zurückgekehrt. Hatten Sie irgendwann mal Heimweh?

Auf meinen früheren Reisen in die USA habe ich nie Heimweh gehabt. Diesmal war es etwas anders. (Lächelt) Ich bin frisch verliebt, das ist eine besondere Situation. Und nach sechs Tagen nur in Weltstädten wie Tokio und Taipeh kommt schon das Gefühl auf, es wäre jetzt mal wieder Zeit, in den Bergen zu verweilen und die frische Luft zu spüren. Aber es war eine tolle Erfahrung, ich habe es unheimlich genossen.

Sie haben mit dem Männerchor Heimweh ein neues Album veröffentlicht. Wie sind Sie zufrieden?

Gestern hielt ich das erste Exemplar in den Händen. Ich habe draussen vor dem Haus ein Käfeli getrunken und die CD durchgehört. Sie ist wunderbar geraten, alles eigene Lieder, super.

«Vom Gipfel is Tal» lautet der Albumtitel: Da können Sie als Bergbueb sicher aus dem Vollen schöpfen.

Georg Schlunegger hat die Lieder spezifisch für uns geschrieben. Jedes Mitglied bringt seine Eigenheiten mit. Der Titelsong ist auf mich gemünzt. Ich habe den Text in meinen Dialekt umgeschrieben. Von der Heimweh-Formation bin ich wohl derjenige, der am meisten in die Berge geht. Ich schaue gern von den Gipfeln ins Tal hinunter. Ich kann in den Bergen mit mehr Weitsicht reflektieren, und vieles, was einen im Alltag bedrängt, relativiert sich. Du riechst den Fichtenwald, hörst das Vieh treicheln, die Felsen strahlen Ruhe und Intensität aus. Das ist pure Energie.

Was lieben Sie an Heimweh? Was zeichnet dieser Formation aus?

Die Freundschaft. Wir verstehen uns ausgezeichnet. Ich war am Anfang skeptisch, als ich angefragt wurde. Ich dachte mir: Wie echt ist das, was diese Stimmen verkörpern wollen? Als wir dann beim ersten Treffen im Studio spontan zusammen sangen, hatte ich sehr gute Gefühle. Die Atmosphäre stimmte. Es war ein Herzensentscheid.

Ist das Ihre Musik, die Sie mögen?

Mit Heimweh erlebe ich eine andere musikalische Ebene als mit meinen Naturjuuz-, Volksmusik- und Akustikrock-Projekten. Wenn wir auf der Bühne stehen und miteinander singen, ist das einfach gut. Ich bin Tenor, Juuzer und Jodler, manchmal begleite ich als zweite Stimme. Das ist abwechslungsreich und fordert mich auch. Alles Gesangliche ist immer live bei unseren Konzerten. Da ist mehr dahinter, als man von aussen vermuten könnte.

Naturjuuz, Jodeln, akustischer Rock und Folk mit Gitarre: Bringen Sie Ihre Vielseitigkeit gut über die Runden, oder haben Sie Vorlieben?

Das Tiefste für mich ist der Naturjuuz, er hat mir auch viele Türen geöffnet. Aber ich liebe die Abwechslung. Ich spiele gerne Gitarre und singe Rockballaden. Inzwischen kommt dieser Bereich weniger zum Tragen. Ich wollte mit Gitarre und englischem Gesang Folk und Rock spielen – nicht juuzen. Aber heute ist der Naturjuuz klar am präsentesten.

Wie hat sich diese Wende ergeben?

Das Schlüsselerlebnis war ein Auftritt mit der Gruppe Natur pur an einem Jodlersymposium in Altdorf. Es war unglaublich, was für eine Wertschätzung der Naturjuuz erfahren hat. Das war während langer Zeit überhaupt nicht so. Man schämte sich im Muotatal sogar, immer auf diese Traditionen reduziert zu werden. Deswegen bin ich auch ausgebrochen und habe einen neuen Weg in den USA gesucht. Die neue Wertschätzung hat mir Mut gegeben, diesen Weg weiterzugehen. Angefangen hat es für mich mit der «Familie Betschart»: Mit Vater, Mutter und vier Schwestern habe ich gejuuzt und gesungen. Ich bin schon als Siebenjähriger auf der Bühne gestanden.

Was drücken Sie aus mit dem Naturjuuz?

Die Verbundenheit zu meiner Heimat. Die Melodien der Jüüzli sind überliefert, aber du musst deine momentanen Gefühle reingeben, sonst klingt das nicht echt. Am tiefsten wird es, wenn du gar nichts überlegst, sondern es direkt aus dir herausfliessen lässt. Es erforderte einen längeren Prozess, bis ich einfach hinstehen und juuzen konnte.

Und was fühlen Sie als Sänger mit der Formation Heimweh?

Heimatgefühle, Zusammengehörigkeit. Es fühlt sich gut an. Schon früher haben wir im Ausgang immer allerhand Volkslieder und «Lumpenliedli» gesungen. So ist auch Heimweh für mich etwas Authentisches. Nur klingt es professioneller und haben die Lieder andere Melodien und Texte.

Müssen Sie wegen des Erfolgs von Heimweh Ihre anderen Projekte zurückstecken?

Ja, bei meiner Akustikband Black Creek ist das der Fall, teils auch bei Wochenend-Workshops, die ich gebe. Aber mit Natur pur und mit dem Pirmin Huber Ländlerorchester sind die Termine bis jetzt gut aufgegangen.

Geniessen Sie es, im Rampenlicht zu stehen?

Ich suche es nicht aktiv, aber ich geniesse, was mit Heimweh geworden ist und was alles noch kommen kann. Zum Glück bin ich in einem Alter, in dem ich damit umgehen kann. Wir sind alles gestandene Sänger, die im Leben mit Familie oder Beruf fest auf dem Boden stehen. Ich bin der Einzige, der von der Musik lebt.

War das ein früher Wunsch, Musiker zu werden, oder hat sich das einfach ergeben?

Ich konnte nie sagen, was ich werden wollte. Berufskunde war ein Horror für mich. Ich musste zu Hause mitarbeiten und konnte wegen des elterlichen Betriebs keine Lehre machen. Ich wusste nicht, was ich werden wollte, das war eine harte Zeit. Viele Jahre habe ich auf dem Tiefbau gearbeitet und erst später meine Berufslehre als Strassenbauer nachgeholt. Nach meiner Rückkehr aus den USA konnte ich mich dank verständnisvollen Arbeitgebern neben ersten Musikerjobs temporär durchschlagen. So konnte sich die Musik sukzessive zu meiner Berufung entwickeln.

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