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Interview

Lily Allen: "Das Leben hat mir zugesetzt"

Das einst unbeschwerte englische Popgirl Lily Allen klingt heute ernst und zuweilen gar traurig. Im Gespräch erklärt die inzwischen 32-Jährige, wie es dazu gekommen ist.
Interview Steffen Rüth
Auch optisch ist Lily Allen im Vergleich zu früher kaum wiederzuerkennen. (Bild: Warner)

Auch optisch ist Lily Allen im Vergleich zu früher kaum wiederzuerkennen. (Bild: Warner)

Lily Allen ist wieder in der Spur. Vier Jahre nach dem letzten Album «Sheezus» bringt ihr viertes, «No Shame», auf den Markt. Es ist bemerkenswert, wie traurig die meisten der neuen Songs sind. Dem einst so unbeschwert durchs Leben flirrenden Mädchen aus einer Londoner Künstlerfamilie hat das Leben in den letzten Jahren manchen Streich gespielt – und darüber singt Allen nun in schonungsloser Offenheit.

In der Piano-Balle «Family Man» etwa hadert sie mit der Frage, ob sie den Ehemann nun verlassen soll oder nicht. In «Three» ist die Trennung vollzogen und Allen verknüpft das Schicksal ihrer Töchter mit der eigenen Jugend als Scheidungskind. Offensichtliche Hits mögen auf dem Album fehlen, dafür hat es Tiefe und Substanz.

Lily Allen, Sie sind musikalisch kaum wiederzuerkennen. Was ist passiert?

Eine verdammte Menge. Wo soll ich anfangen? Vor drei, vier Jahren war ich echt verwirrt. Ich mochte mein letztes Album «Sheezus» nicht und rieb mich dabei auf, alle Leute um mich herum – etwa die Plattenfirma und die Radiosender - irgendwie zufriedenzustellen. Aber ich selbst war komplett unglücklich.

Hören sich die neuen Songs deshalb so traurig an?

Ja. Ich musste traurige Musik machen, damit ich selbst weniger traurig sein konnte. In den ersten Jahren meiner Karriere war ich jung, sorglos und hatte keine grosse Verantwortung. Jetzt bin ich 32, habe zwei Kinder, war verheiratet und bin geschieden. Ich kann nicht mehr so tun, als wäre alles toll. Das Leben hat mir zugesetzt, und ich habe keine Angst, über meine Gefühle zu singen.

Was lief in Ihrer Ehe schief?

Tja, ich kann es nicht einmal genau sagen. Wir haben nie wirklich schlimm gestritten. Es war einfach so, dass ich nichts mehr fühlte. Mir ging es so schlecht, dass ich zu meinem Therapeuten sagte «Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich es mit Heroin versuche». Das Lied «Everything To Feel Something» dreht sich darum.

Und haben Sie es versucht?

Allen: Nein. Denn das wäre wirklich die Endstation gewesen.

Hätten Sie es probiert, wenn Sie keine Kinder hätten?

Kann gut sein. Meine Mum hat früher Heroin genommen, als ich klein war. Ich fragte sie mal, wie sich das anfühlt, und sie sagte «Als wenn Du auf einer mit Honig überzogenen Wolke sitzt». Aber mir war damals schon klar, dass man besser die Finger davonlässt.

Wie lief die Trennung?

Nicht schön. Ich habe mich nicht so verhalten, wie man das tun sollte, wenn man verheiratet ist und es bleiben möchte.

Was heisst das?

Auf meiner letzten Tournee 2015 geriet ich aus der Kontrolle, auch punkto Sex. Ich war noch mit meinem Mann zusammen. Aber ich war sehr promiskuitiv. Um die Leere irgendwie zu füllen, schlief ich mit anderen Männern. Ich war deprimiert wegen meiner Musik, die mir nicht gefiel. Ich ass nicht mehr gescheit, weil ich mich unter Druck gesetzt fühlte, was das Schönheitsideal als sogenannter Popstar betraff. Und ich trank viel, auch schon morgens. Ich fühlte mich schlecht in Gesellschaft. Ich war fürchterlich einsam und traurig. Meine Kinder und mein Mann waren weg.

Wie kamen Sie sich da raus?

Musik. Therapie. Aufhören zu trinken. Aufhören zu koksen. Ich trinke schon mal noch ein Gläschen Wein. Aber ich gehe kaum noch aus, schon gar nicht auf Partys. Meist kommt meine Mutter vorbei, kocht uns was Schönes, und wir machen uns dazu ein Fläschchen Wein auf.

Verstehen Ihre Töchter schon, dass Sie in Popstar sind?

Sie sind gerade dabei, das zu schnallen. Wir reden da Zuhause nicht darüber, ich war ja auch einige Jahre weg von der Bildfläche, doch es gibt in der Schule wohl ein paar ältere Mädchen, die meinen Töchtern davon erzählt haben. Jetzt ziehen sie mich damit auf. Neulich waren wir im Supermarkt und die beiden schrien plötzlich «Da ist Lily Allen» (lacht).

Lily Allen, als sie sich noch als unbeschwertes Popgirl gab. (Bild: PD)

Lily Allen, als sie sich noch als unbeschwertes Popgirl gab. (Bild: PD)

Sind Sie aktiv in den sozialen Medien?

Allen: Ja, aber nur, weil ich es beruflich muss. Für eine Frau sind Instagram und ähnliche Seiten quasi die Rückkehr in die Fünfziger Jahre. Wir kriegen dort Aufmerksamkeit, wenn wir uns ausziehen oder viel Make-Up tragen. Mir macht es Angst, dass Leute wie Mark Zuckerberg oder Rupert Murdoch die mächtigsten Menschen der Welt sind.

Wie wichtig wäre Ihnen ein kommerzieller Erfolg der CD?

Verkaufszahlen kümmern mich nicht mehr. Klickzahlen schon gar nicht. Ich bin glücklich, wenn meine Musik jene Menschen erreicht, die sich durch mich berühren lassen. In der Popmusik wird man als Frau mit 30 bereits als alt erachtet. Viele anderen Branchen werden dank #MeToo zum Umdenken gebracht. Aber die Musikindustrie macht einfach so weiter wie vorher.

Hier finden Sie Hörbeispiele aus dem aktuellem Album "No Shame" sowie von früheren Hits von Lily Allen: www.umusicpub.com/uk/Artists/L/Lily-Allen.aspx

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