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Das LFO brilliert unter Chailly anders

Neu erschienene Live-Aufnahmen von Claudio Abbado und Riccardo Chailly mit dem Lucerne Festival Orchestra (LFO) erlauben aufschlussreiche Vergleiche zwischen den beiden Maestri.
Fritz Schaub
Riccardo Chailly leitet das Lucerne Festival Orchestra. Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival (KKL Luzern, 24. August 2018)

Riccardo Chailly leitet das Lucerne Festival Orchestra. Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival (KKL Luzern, 24. August 2018)

Die Aufnahmen des Lucerne Festival Orchestra (LFO) im KKL im Rahmen des Lucerne Festivals erobern immer mehr die grossen Labels. So sind soeben Live-Wiedergaben von Riccardo Chailly bei Decca aus dem Jahr 2017 und von Claudio Abbado bei Accentus Music aus den Jahren 2012 und 2013 erschienen. Das erlaubt interessante Vergleiche zwischen den beiden italienischen Chefdirigenten des 2003 von Abbado gegründeten Festspielorchesters.

Was sofort auffällt, setzt man die Strauss-Aufnahmen von 2017 den Bruckner-Aufnahmen von 2012 und 2013 gegenüber: Bei Bruckners letzter Sinfonie unter Abbado, deren Wiedergabe einzeln schon bei der Deutschen Grammophon erschienen ist, wirkt der Orchesterklang leicht und transparent, die Dynamik immer sorgfältig abgestuft. Dabei erlebt man ein unablässiges Strömen in weiten Bögen, wobei dennoch jedes kleinste Partikel ausgefeilt ist. Es ist, als ob die Musik ganz aus sich selbst erklingen würde.

Was man bei Abbado schon immer gerühmt hat, ist in diesem allerletzten Auftritt des 80-jährigen Abbado im KKL (nur ein paar Monate später starb er) besonders allgegenwärtig. Abbado setzte im Konzertsaal dieser Neunten eine andere Unvollendete gegenüber, die siebte Sinfonie h-Moll von Franz Schubert. Vielleicht hätte man besser auch beim neuen Doppelalbum diese Wiedergabe berücksichtigt. Denn im Vergleich zur Neunten fällt der Erstling doch ab, so kernig und klanglich geschärft, wie Abbado und sein Orchester das Ungebändigte des «kecken Beserls» herausbringen.

Claudio Abbado dirigiert das Mahler Chamber Orchestra. Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival (KKL Luzern, 15. August 2010)

Claudio Abbado dirigiert das Mahler Chamber Orchestra. Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival (KKL Luzern, 15. August 2010)

Also sprach Riccardo Chailly

Bei Chaillys «Also sprach Zarathustra» frappiert schon ganz zu Beginn, wie der berühmte Sonnenaufgang nicht triumphal wie in einem Soundtrack (oder in einem Werbespot) erklingt, sondern ganz allmählich aus dem pp-Beginn herauswächst und sich erst dann wirklich «sehr breit» und «feierlich» zum farbenprächtigen Höhepunkt entfaltet. Dann aber übernehmen die Streicher, kammermusikalisch fast wie im Quartett geführt, das Kommando und entfalten einen kompakten Klang von ungewöhnlicher Wärme, wie man ihn selbst bei Abbado nicht so innig empfunden hat.

Das Orchester, in dem inzwischen mehrere Mitglieder des Scala-Orchesters neben der weitgehend unveränderten Besetzung Unterschlupf gefunden haben, schürft unter Chailly nach den Hintergründen des klingenden philosophischen Romans von Friedrich Nietzsche. Und zeigt auf, von wie vielen besinnlichen und traumhaften Abschnitten bis hin zum lange hinausgezögerten ppp-Schluss dieses Werk erfüllt ist. Chailly findet eine wohltuende Mitte zwischen Kontrolle und freier Entfaltung, und die Strategie, die dahinter verborgen ist, verrät den grossen Operndirigenten.

Erfahrender Operndirigent

Erst recht zeigt sich das bei den beiden andern Tondichtungen, in denen Richard Strauss eine Geschichte erzählt, die ein Opernlibretto sein könnte, bei «Tod und Verklärung» und hinreissend vor allem bei «Till Eulenspiegels lustige Streiche». Und vollends kehrt Chailly den Operndirigenten bei der Zugabe heraus, bei «Salomes Tanz der sieben Schleier». Chailly hat früher auch Strauss dirigiert, aber erstmals jetzt Musik von Strauss auch auf CD eingespielt und dies gerade mit der geballten Richard-Strauss-Ladung, welche die Zuhörer am 11. und 12. August 2017 im KKL erlebt haben. Dass sowohl das Eröffnungskonzert als auch die Wiederholung bei der Aufnahme verwendet wurde, hat sich zweifellos positiv auf das Klangbild ausgewirkt.

Richard Strauss: «Also sprach Zarathustra», «Tod und Verklärung», «Till Eulenspiegel», «Salomes Tanz», Dirigent: Riccardo Chailly“, Decca, 2 CD; Anton Bruckner: Sinfonien 1 und 9, ­Dirigent: Claudio Abbado, Accentus Music, 2 CD.

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