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Zug: Das Meer weggelöffelt

Ein unauffälliges Detail in einem riesenhaften Kirchengemälde erzählt von einer speziellen Begegnung des hl. Augustinus. Die kleine Geschichte verdeutlicht die Unfassbarkeit eines der grössten Geheimnisse des Christentums.
Andreas Faessler
Das Gemälde von Melchior Paul von Deschwanden an der Chorwand der Kirche St. Oswald in Zug zeigt das wasserschöpfende Kind. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 15. August 2018))

Das Gemälde von Melchior Paul von Deschwanden an der Chorwand der Kirche St. Oswald in Zug zeigt das wasserschöpfende Kind. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 15. August 2018))

Die katholische Kirche benennt den heiligen Augustinus von Hippo (345-430) gemeinsam mit Ambrosius, Hieronymus und Gregor als einen der vier grossen Kirchenväter des Abendlandes und gemeinsam mit Thomas von Aquin als den einflussreichsten Lehrer der lateinischen Kirche. Geboren in der heute algerischen Stadt Souq Ahras, ehemals Thagaste, geriet Augustinus bereits in jungen Jahren hinsichtlich Sitte und Moral auf einen zweifelhaften Weg. Und dann gab er sich dem sogenannten Manichäismus hin, einer Religion der Antike, welche Elemente unterschiedlicher Glaubensrichtungen, auch des Christentums, vereint. Augustinus’ tiefgläubige Mutter, die heilige Monika, sorgte sich um ihren Sohn und betete inständig um dessen Rückkehr auf den «richtigen» Glaubensweg. Ihre Gebete wurden erhört: Als Augustinus in Mailand auf den redegewandten Bischof Ambrosius traf, war er von dessen Worten so ergriffen, dass er sich vom Manichäismus abwandte und zurück zum Christentum konvertierte. Augustinus wird später schreiben, wie sehr ihn seine Unruhe umgetrieben hatte, bevor er bekehrt wurde.

Als eifriger Theologe setzte sich Augustinus intensiv mit seinem Glauben und mit Gott auseinander. Aus seinem Leben wird eine kleine, aber hinsichtlich Symbolgehalt wichtige Anekdote erzählt, die wir in der Kirche St. Oswald in Zug klein und kaum wahrnehmbar dargestellt finden.

Kleines Detail mit grosser Aussage

Wenn wir das monumentale Gemälde «Das jüngste Gericht» von Melchior Paul von Deschwanden (siehe «Hingeschaut» vom 11. Juli 2018) an der Chorwand betrachten, erblicken wir den hl. Augustinus in der linken Bildhälfte ganz unten im gelben Gewand neben seiner knienden Mutter. Wir müssen nun etwas näher treten, um es zu erkennen: Am Gemälderand zu Augustinus’ Füssen kniet ein kleiner Knabe. Das Kleid des Heiligen verdeckt ihn teilweise. Aber man kann sehen, wie das nackte Kind einen Löffel in der Hand hält, mit dem es Wasser zu schöpfen scheint.

Das kleine Detail im riesenhaften Gemälde verweist auf eine Begebenheit, als Augustinus an einem Strand spazieren ging. Er war zu der Zeit intensiv mit den Vorbereitungen für sein Schriftwerk über die Heilige Dreifaltigkeit Gottes beschäftigt. Da fiel ihm ein Knabe auf, der im Strand ein kleines Loch in den Sand gegraben hatte und mit einem Löffel wieder und wieder Wasser aus dem Meer holte und es in diese Vertiefung goss. Augustinus blieb verwundert stehen und fragte das Büblein, was es denn da mache. Dieses antwortete, es wolle das Meer abschöpfen und trockenlegen, indem es das Wasser in dieses Loch giesse.

Augustinus lächelte amüsiert und auch etwas mitleidvoll und gab dem Kind zu verstehen, dass dies doch unmöglich sei, viel zu gross sei das Meer. Schlagfertig entgegnete ihm der Knabe: «Ich werde es wohl eher fertigbringen, das Meer auf diese Weise trockenzulegen, als du es fertigbringen wirst, mit deinem Verstand dem Geheimnis der Dreifaltigkeit auch nur ansatzweise auf den Grund zu gehen. Es ist viel zu gross.» Der Knabe setzte das Meer mit der Dreifaltigkeit gleich, das im Entstehen begriffene Buch mit dem von ihm gegrabenen Loch und den Löffel mit Augustinus’ Verstand. Dann verschwand der Knabe. Augustinus gab sich darauf dem Gebet hin, verfasste sein 15 Bände umfassendes Buch über die Dreifaltigkeit aber trotzdem – halt so gut, wie es ihm gelingen mochte.

Ein grosses Mysterium des Glaubens

Aus theologischer Sicht lässt sich die Parabel mit dem wasserschöpfenden Knaben dahingehend deuten, dass die Transzendenz Gottes mit all ihren unergründlichen Geheimnissen durch in ihrer Bedeutung eingeschränkte Worte der menschlichen Sprache nicht fassbar gemacht werden kann. Dies hat sich aus der Sicht Gläubiger bis heute kaum verändert – die Lehre der Trinität ist eines der grössten Mysterien des Glaubens geblieben.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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