Nachgefragt
Festivalleiter zur 55. Ausgabe: «Mir war es wichtig, dass die Rückkehr der Musik nach Montreux etwas Magisches hat»

Mathieu Jaton, der Leiter des Montreux Jazz Festivals ist zufrieden mit der 55.Ausgabe. Die Bühne auf dem Wasser sei angekommen beim Publikum.

Interview: Ueli Frey
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War es ein Pokerspiel, als Sie bereits im April bekanntgaben, dass es eine 55. Ausgabe des Festivals geben wird?

Mathieu Jaton: Dank der Unterstützung der Stadt Montreux konnten wir bei der Planung sehr flexibel sein. Auch wenn wir wussten, dass jederzeit ein völliges Verbot in dieser Krise möglich war, arbeiteten wir unter dem Motto «Small is beautiful». Als der Bundesrat im Juni dann die Restriktionen lockerte, waren wir überglücklich, dass wir das Festival unter idealen Bedingungen durchführen können.

Festivalleiter Mathieu Jaton ist zufrieden.

Festivalleiter Mathieu Jaton ist zufrieden.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Die grösste Bühne des diesjährigen Festivals wurde in den See gebaut. Habt ihr euch damit das Leben nicht zusätzlich erschwert?

Das war sicher nicht der einfache Weg, tatsächlich. Aber für mich war wichtig, dass die Rückkehr der Musik nach Montreux etwas Magisches hat, nicht einfach eine zur Hälfte mit Zuschauern gefüllte Halle. Das Festival von Montreux lebte schon immer von Träumen. Wir wollten, dass die Besucher bei ihrer Rückkehr hierher nicht bloss «Wow!» sagen, sondern «Wow! Wow!». Und letztlich hat uns diese aussergewöhnliche Bühne auch geholfen, Künstler für den Auftritt zu gewinnen. Ich weiss nicht, ob Zucchero gekommen wäre, um in einer halb vollen Halle zu spielen.

Wird diese See-Bühne und andere Innovationen der diesjährigen Ausgabe nun Bestandteil des Festivals?

Bei allem, was wir machen, achten wir darauf, dass es langfristig ist. Wir glauben nicht, dass die Festivalszene mit einem Fingerschnippen wieder sein wird wie vor der Pandemie. Die Krise hat uns erlaubt, neue Formate, neue Ideen zu testen. Wir sind nun für 2022 gut gerüstet und wir sind vor allem flexibel. Das Festival hat die Krise nicht erlitten, sondern wir sind an ihr gewachsen.

Die Konzerte waren in Windeseile ausverkauft. Erstaunlich, weil an vielen Abenden keine grossen Namen, keine Stars auf dem Programm standen. Wie erklären Sie sich das?

Das war natürlich ein Geschenk. Wir haben in Sachen Programm wirklich eine Montreux-Sauce angerichtet. Künstler aus allen Ecken der Welt, Künstler aus allen Stilrichtungen – ein richtiges Festival, wie es früher war. Und die Antwort des Publikums war unglaublich. Von 15 Tausend Tickets blieben nach dem ersten Tag des Vorverkaufs noch 300. Ich habe viele Leute getroffen, die Tickets gekauft haben, ohne den Künstler zu kennen. Einfach, weil sie uns vertrauen und die Magie von Montreux erleben wollen.

Das Wetter hat diese Magie zeitweise verdorben. Da es dieses Jahr keine Food-Stände am Quai gab, hat dies das Budget wohl nicht so schwer getroffen wie in einem normalen Jahr.

Natürlich hätten wir gerne mehr Sonne gehabt, aber tatsächlich hat uns das schlechte Wetter wirtschaftlich nicht so schwer getroffen. Das diesjährige Festival basierte einzig auf der Musik und dem Ticketverkauf, genauso wie es in den Anfängen im Casino war. Viele Leute haben das geschätzt, und es war schön zusehen, dass diese Montreux-DNA noch da ist und funktioniert.