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Das neue Gelbe vom Ei

Hans Graber
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Nichts gegen die Klassiker der deutschen Literatur. Manches liest sich nach wie vor mit Gewinn. Ich sage nur: Fontane. Eichendorff. Mörikes und Brentanos Gedichte. Trotzdem ist denkbar, dass es im Leben der Reclam-Verlagsleute Momente gibt, da sie das ganze kanonisierte Schriftgut ins Pfefferland wünschen. Um sich Luft zu verschaffen, streuen sie dann vereinzelt Werke aus den letzten Jahrzehnten ein, zu ihrem eigenen Pläsier und als lesbarer Beleg, dass es auch heute bleibende Werte gibt.

Wer immer verantwortlich ist für diese Auswahl: Es muss sich um eine(n) Seelenverwandte(n) handeln. Denn unter den wenigen Neuen, die es ins gelbe Trikot geschafft haben, sind fast alle meine Lieblinge: Gernhardt, Knonauer, Loriot, Polt, Rosendorfer, Traxler, Waechter. Und Henscheid, dessen Reclam-exklusives «Dummdeutsch» eine superbe Sprachschrott-Sammlung ist, sehr scharf und witzig kommentiert.

Nur leider, «Dummdeutsch», mit knapp 300 Seiten ein Wälzer in der Gelben Reihe, stammt aus dem Jahr 1993. Das Wörterbuch müsste dringend überholt und stark erweitert werden. Also, liebe Reclam-Leute, fragt doch mal den Henscheid an. Und wenn euch Goethe, Grillparzer und erst recht Gryphius & Co. wieder mal zum Hals heraushängen, gäbe es schon noch ein paar neuere Namen, die man berücksichtigen könnte, ja müsste: Goldt, Zippert, Strunk zum Beispiel. Yellow again!

Hans Graber

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