Das Orchester gab Hauskonzerte im grossen Saal

Die Saison des Luzerner Sinfonieorchesters schliesst mit der Rekordzahl von 62 000 Besuchern. Die Gründe für den Erfolg ­versammelten die Schlusskonzerte mit dem Geiger Christian Tetzlaff, dem Pianisten Radu Lupu und dem Cellisten Steven Isserlis.

Urs Mattenberger
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Kammermusik mitten im Sinfoniekonzert: Cellist Steven Isserlis und Pianist Radu Lupu auf der Bühne des KKL-Konzertsaals. (Bild: Boris Bürgisser)

Kammermusik mitten im Sinfoniekonzert: Cellist Steven Isserlis und Pianist Radu Lupu auf der Bühne des KKL-Konzertsaals. (Bild: Boris Bürgisser)

Noch vor ein paar Jahren stellte sich zum Schluss der Saison des Luzerner Sinfonieorchesters jeweils die Frage: Würde es reichen, die magische Marke von 50 000 Besuchern zu knacken? Jetzt, am Ende dieser Saison, verzeichnen die Veranstaltungen des Orchesters die Rekordzahl von 62 000 Besuchern.

ben der Leistung des Orchesters, das sich zunehmend im grosssinfonischen Repertoire profiliert, die grosse Anzahl von Topsolisten. Zweitens ist die steigende Anzahl der Kammermusikkonzerte mitberücksichtigt. Drittens konzentrieren sich die Programme stärker als in Vorjahren auf das populäre klassisch-romantische Repertoire.

Mischprogramm mit hohem Starfaktor

In den vier Konzerten dieser Woche kam all das zusammen. Die Aufführung aller fünf Violinkonzerte von Mozart mit dem Geiger Christian Tetzlaff (am Mittwoch, Donnerstag und Freitag) wirkte vom Repertoire her zunächst nicht originell, zumal die Festival Strings mit Arabella Steinbacher hier vorangegangen waren. Aber mit dem Klavierrezital von Krystian Zimerman am Dienstag und der Mitwirkung von Cellist Steven Isserlis und des Pianisten Radu Lupu im Schlusskonzert vom Freitag hatte die Massierung an Topsolisten absolutes Festivalformat.

Im Schlusskonzert vom Freitag schliesslich brachten Tetzlaff, Isserlis und Radu Lupu in unterschiedlichen Konstellationen das Element der Kammermusik hinein ins Sinfoniekonzert. Das dritte Brandenburgische Konzert von Bach, beschwingt gespielt von Tetzlaff und Isserlis mit LSO-Musikern, je ein Violin- und Klavierkonzert von Mozart, dazwischen Schumanns Romanzen für Cello und Klavier: Das Mischprogramm erinnerte daran, dass auch die Programmierung ein Erfolgsfaktor des Orchesters ist.

Die Pointe war, wie sehr die kammermusikalische Haltung auch in den Orchesterwerken zur Geltung kam. Schon am Mittwoch hatte Tetzlaff nicht sich als Solisten in den Vordergrund gestellt, sondern im Dialog mit dem Orchester die intimen Seiten der Werke erkundet (Ausgabe vom Freitag). Das setzte sich am Donnerstag und Freitag fort. Ganz partnerschaftlich fügte sich die Violine, nach einem energischen Auftakt, im Violinkonzert Nr. 3 ins Orchester, mit einem subtil aufgefächerten Spiel von Impuls und Entspannung, in dem etwa die Oboe die Linien der Solovioline nahtlos ausschwingen liess. Auch wenn Tetzlaff im Adagio den Ton aufblühen liess, blieb sein feinnerviges Mozartspiel weniger auf den schönen Ton fokussiert, als das bei Steinbachers Zusammenarbeit mit den Festival Strings der Fall war. Gerade im Fall Mozart sind Gegenüberstellungen eben spannend.

Solisten in unterschiedlichen Rollen

Eine aktivere Virtuosenrolle nahm Tetzlaff im Violinkonzert Nr. 4 ein, wo er sich mit Schwung, weiträumigen Schwelltönen und expressivem Vibrato vom Or­chester abhob. Im Konzert Nr. 2 (am Freitag) bewegte sich die Violine mit einem improvisatorisch angedeuteten Spiel, das den schönen Ton auch mal ausdrucksvoll aufkratzte, dazwischen. Der tänzerische Schwung und die opernhafte Klangrede reichten hier vom akzentscharfen Funkenschlag im ersten Satz bis zum Verlöschen im Finale. Auch im Zusammenspiel mit dem Orchester: grossartig.

Dieses Hörabenteuer in feinsten Zwischentönen führten Steven Isserlis und Radu Lupu im Freitagskonzert weiter. Schumanns Romanzen spielten sie verschwörerisch wie in einem Hauskonzert, wobei sich der Pianist selbst da geheimnisvoll zurückhielt, wo Isserlis den Celloton hell strahlend und erregt fliessen liess.

ert KV 488 mit seinem weich und farbig ausgeleuchteten Klavierklang in mystische Sphären tauchte, fügte das Werk stimmig ein in das Treffen unter durch­- aus unterschiedlichen Freunden. Auch wenn man sich vom Solisten wie vom vorzüglich mitgehenden Orchester in den Ecksätzen eine akzentuiertere Gangart gewünscht hätte: Ihre Erfüllung fand diese Mozart-Vision im Adagio und ihren bezwingenden Abschluss im Brahms-Intermezzo, das Lupu folgen liess. Das war keine Zugabe, sondern vielmehr der magische Schlussstein in einem stimmig zusammengestellten Sonderprogramm. Die letzten der 62000 Besucher der Saison dankten es mit Standing Ovations.