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B-Sides: Das Publikum feiert, wenn der Puls stimmt

Das B-Sides ist ein superfeines Festival, das hat die 14. Ausgabe einmal mehr bewiesen. Hardcore und technoider Rock feierten ein Revival, Elektronik war omnipräsent. Und es gab auch inhaltlich Anspruchsvolles zu hören.
Pirmin Bossart
Eclecta. (Bild: Silvio Zeder)Eclecta. (Bild: Silvio Zeder)
Die Hauptbühne. (Bild: Urs Arnold)Die Hauptbühne. (Bild: Urs Arnold)
Derya Yildirim. (Bild: Till Hess)Derya Yildirim. (Bild: Till Hess)
Pyrit. (Bild: Silvio Zeder)Pyrit. (Bild: Silvio Zeder)
Me and the Magic Horses. (Bild: Till Hess)Me and the Magic Horses. (Bild: Till Hess)
Zuhören und relaxen: Die Stimmung auf dem B-Sides war Spass und Zufriedenheit pur. (Bild: Sam Aebi)Zuhören und relaxen: Die Stimmung auf dem B-Sides war Spass und Zufriedenheit pur. (Bild: Sam Aebi)
Into Orleans. (Bild: Mirjam Steffen)Into Orleans. (Bild: Mirjam Steffen)
Das Wetter machte nicht immer mit. (Bild: Sam Aebi)Das Wetter machte nicht immer mit. (Bild: Sam Aebi)
Die Hauptbühne, diesmal noch bei Tageslicht und Stahlberger. (Bild: Urs Arnold)Die Hauptbühne, diesmal noch bei Tageslicht und Stahlberger. (Bild: Urs Arnold)
Blick ins Publikum. (Bild: Till Hess)Blick ins Publikum. (Bild: Till Hess)
Nochmals Eclecta. (Bild: Silvio Zeder)Nochmals Eclecta. (Bild: Silvio Zeder)
Nochmals Pyrit. (Bild: Silvio Zeder)Nochmals Pyrit. (Bild: Silvio Zeder)
12 Bilder

Bilder vom B-Sides-Festival 2019

Das heftige Gewitter am Samstagabend beendet den sorglosen Sommerplausch, der sich auf dem Sonnenberg während zweier Nächte entfaltet hat. Das Publikum schlüpft in Goretex-Jacken und Grossverteiler-Plastikhüllen, doch wir steigen erst wieder den Berg hoch, als der Regen langsam versiegt. Es ist nach 22 Uhr, immer noch lungert viel Volk herum, die Stimmung ist sanft und zufrieden.

Im kleinen Zelt, proppenvoll wie immer, setzt die Luzerner Elektronikerin Belia Winnewisser zu ihrem experimentierfreudigen Solo-Set an, mit dramaturgischem Gespür und jeder Menge an bombastischen, klirrenden und hymnischen Sounds. Wuchtige Beats untermalen die Klangteppiche. Gekonnt spielt sie mit dem technoiden Dance-Puls, den sie evoziert, aber nie herkömmlich plump einlöst.

Zwischen Menschsein und Maschinendiktat

Eine tolle Überraschung ist auch die Late-Night-Show von Pyrit. Der Exil-Ostschweizer Thomas Kuratli performt mit seinem Partner ein technisch aufwendiges Gender-Pathos-Bühnen-Opus, das die Zerrissenheit zwischen Menschsein und Maschinendiktat thematisiert. Der Protagonist dürstet nach Freiheit und Erlösung und musikalisiert seine Befindlichkeit mit eindringlichen Sound-Paketen aus Dark Wave, Gitarrenmelodien, effektgeschwängertem Gesang und pochenden Beat-Gerüsten.

Nach dem wunderbar programmierten ersten Abend mit Kate Tempest und ebenbürtigen Überraschungen (Ausgabe vom 14. Juni), geben wir uns am Freitag nochmals die volle Dosis. Das Festival ist perfekt organisiert, die Stimmung relaxed, das Personal sympathisch und effizient. Auch das neue Cashless-Geldsystem funktioniert wie im Supermarkt und animiert zum Konsumieren.

Auf der Zeltbühne stehen am frühen Abend Me & The Magic Horses um die Luzerner Singer Songwriterin Karin Steffen. Die einheimische «Super-Group» mit Timo Keller, Pascal Eugster, Christian Winiker und Jwan Steiner verpasst den Songs ein leichtfüssiges Laid-Back-Feeling und kann sich in rockigen Episoden auch austoben. Da ist der coole Gitarrist Winiker, der mit exzellentem Old-School-Saitenspiel den Sound souverän hochkocht.

Vieles versinkt im «Geschnorr»-Pegel

Im Vergleich zu anderen Bands, die wir am B-Sides hören, ist das immer noch sehr gemütlich und handgestrickt. Das gilt auch für die gross gehypte Zürcher Band Black Sea Dahu, die auf der grossen Bühne spielt. Zarte Folk-Texturen, mehrstimmiger Gesang und ein relaxter Flow zeichnen die Musik aus. Nett, aber nicht überragend. Vorne an der Bühne hätten wir wohl mehr gespürt.

Vieles, was sich auf der grossen Bühne ereignet, versinkt in hinteren Reihen im «Geschnorr»-Pegel. Auch Stahlberger wird längst nicht so gefeiert, wie wenn er im Ambiente einer heissen Clubnacht aufgetreten wäre. Sein stoischer Text-Flow, der sich aus präzisen Beobachtungen der Schweizer Befindlichkeit speist, wird vom technoiden Rockpuls und von gut dosierten Synthie-Einlagen seiner exzellenten Band umtobt. Das erzeugt einen seltsamen Kontrast, aber lässt den Ostschweizer mit den spröden Worten auch etwas einsam erscheinen. Elegisch verklingt am Ende sein «Klimawandel» in der Sonnenberg-Nacht.

«Salam Aleikum» klingt es zwei Stunden später von der Bühne. Der elektronische Middle-Eastern Sound von TootArd ist glatt, vorhersehbar und wirkt eher wie eine Turbo-Disco als eine Live-Band. Mit der Dringlichkeit jener Tuareg-Gitarrenbands, mit denen das Duo seltsamerweise verglichen wird, hat die Musik nichts am Hut. Kommt dazu, dass das elektronisch angefütterte Saxofon so schlecht zu diesem Sound passt wie schon damals in den Achtzigern zur Rockmusik.

Hoffnungsschimmer auf den kleinen Bühnen

Die wirklichen Höhepunkte finden auf den kleinen Bühnen statt. Das Genfer Duo Cyril Cyril kickt mit Drum und Banjo/Gitarre und einem hypnotischen Folk-Groove mit Middle-Eastern-Melodik die Leute zum Tanzen. Weil ihre Frauen in Genf streiken, hätten sie die Kinder mitgebracht, verkündete das Duo. Prompt trudeln fünf Kinder mit Perkussionsinstrumenten auf die Bühne und klöppeln sich mit den freakigen Vätern in ein rauschendes Finale.

Laut und elektronisch wuchtet sich das Luzerner Duo Obertonstruktur der Kaulquappe im Gedränge des kleinen Zelts in die Gehörgänge. Sie haben eine Wand aus Analog-Synthies aufgebaut und durchbohren das brätelnde Geflicker und Oszillatoren-Gegrunze mit deftigem Techno/Industrial-Schrott. Eine faszinierende Soundmaschinerie, die den experimentellen Rave kitzelt und ein nächstes Mal auf die grosse Bühne gehört.

Der Sound von Raketkanon ist Energie pur. Die Songs des belgischen Quartetts mit einem Schreihals als Sänger hauen rein. Eine Mischung aus Punk, Garage und Hardcore, in knappen Strichen auf den Punkt gebracht. In ähnlicher Intensität, aber schleichender, monotoner und zerrissener bohrt sich der lärmige Post-Punk des Basler Trios Asbest in die Körper. Die schreiende Transsängerin und Gitarristin Robyn Trachsel, Bassistin Judith Breitinger und Schlagzeuger Jonas Häne: Ein dunkler Hoffnungsschimmer in der grassierenden Harmlosigkeit unseres Pop-Zeitgeistes.

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