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Kunst im Planetarium: Das Weltall ist ein kollabierendes Superhirn

Die Produktion «Sphere» erschloss mit der Musik von Robot Koch und den Visuals von Mickael Le Goff dem Planetariums-Himmel in Luzern neue Dimensionen. Und empfiehlt den Raum als Labor für Kunstproduktionen in diesem Bereich.
Urs Mattenberger
Grossartiger Sog der Bilder – hier durch die endlosen Gänge eines Raumschiffs. (Bild: Roger Grütter, 29. Juni 2019)

Grossartiger Sog der Bilder – hier durch die endlosen Gänge eines Raumschiffs. (Bild: Roger Grütter, 29. Juni 2019)

Schneegestöber empfängt am Samstagabend die Besucher im Planetarium Luzern: Am künstlichen Firmament schweben und schiessen Sterne in alle Richtungen, Punkte wachsen sich zu Flecken aus. Verschmelzen zu nebelartigen Schwaden und Gebilden und lassen doch den Blick hindurchgleiten in die unendlichen Tiefen des Alls. Schon das Vorprogramm zum Vorprogramm des anschliessenden Spezialkonzerts zum 50-jährigen Bestehen des Planetariums bringt einen zum Staunen.

«Alles Simulation!» lacht Marc Horat, Astrophysiker und Leiter des Planetariums: «Dieses ist mit modernster Technologie ausgerüstet, die es uns erlaubt, in unseren interaktiven Live-Shows Wünsche aus dem Publikum aufzugreifen und zum Beispiel Flüge zu bestimmten Planeten zu simulieren.» Neben der Software entscheidend sind Beamer, die die Bilder bei der Projektion auf die Kuppel leicht überlappend zusammenfügen und entzerren.

Diese Technologie kann auch für Kunstprojekte interessant sein, wie die am Samstag zwei Mal vorgeführte, fantastisch visualisierte Soundwelt von Robot Kochs «Sphere» zeigte. Der von Los Angeles bis Berlin tätige Produzent und Soundkünstler gestaltete für ein Planetarium in Berlin einen Soundtrack, der über der sanften Wucht von gewaltigen Bässen mal bedrohlich knisternde und pulsierende, mal melodisch betörende Klangwelten entfaltet. Die Visuals des Künstlers Mickael Le Goff schaffen dazu eine Fantasy-Welt, die Weltraumfahrten, Science Fiction und abstrakte Muster zu einem Trip in ungeahnte Gefilde verbinden.

Flug durch Weltraum-Labyrinth

Die Anlage des Planetariums, in die das eingespiesen wurde, brachte diese Sphären im grossen Kuppelraum fantastisch zur Geltung. Räumlich war hier nicht nur der Klang, sondern auch die Bilder, die sich in unendliche Weiten verziehen, aber dem Zuschauer auch gefährlich auf den Leib rücken.

Dabei ging auch die Abfolge der Episoden über technische Spielereien weit hinaus. Die Luke einer Weltraumstation kam einem als Zuschauer so nah, dass man mit einem Schlag in ihr Inneres katapultiert wurde. Das sogartige Gleiten und Stürzen durch endlose Raumschiff-Gänge machte das Medium zur Erforschung des Weltraumlabyrinths selber zum Labyrinth. Und das war ein Muster, das sich in den folgenden Episoden abwechslungsreich und raffinierte wiederholte.

Übertragen wurde es auf unseren Wahrnehmungsapparat mit Geäder, das an Computer-Tomografien des Hirns erinnerte und sich zu galaktischen Gebilden und zu einem kollabierenden Superhirn auswuchsen. Ineinander fliessende Mandalas liessen geometrische Ordnung in flüssiges Chaos kippen. Ein explodierendes Sternen-Feuerwerk sank sanft aus dem Planetariumshimmel hernieder. Ins Unendliche verlängerte und verflochtene Tentakelarme – oder Kabelbündel? – konnte man als Ausläufer von Aliens interpretieren wie auch als Sinnbild für die unentwirrbare Verkabelung einer durchdigitalisierten Welt. Abstrakte Science Fiction waren die Flüge durch imaginäre Stadtlandschaften und das durch unzählige, ineinander greifende Zahnräder symbolisierte Getriebe der Welt.

Eine Empfehlung für die New Music Days

Es war ein geradezu psychedelischer Trip. Und eine Empfehlung für das Planetarium als Ort für künstlerische Produktionen, die Visuals mit Musik und Performance verbinden. Gut möglich zum Beispiel, dass es dem «Open vid» der New Music Days (vgl. Seite 13) zu einer weiteren Dimension verhelfen könnte.

Allerdings ist in der Mitte des Raums der Platz für Performance-Auftritte begrenzt. Das zeigte das Vorprogramm, in dem die Sängerin Delhia de France mit betörenden Songs auf «Sphere» einstimmte. Der sie begleitende Auftritt der vier Tänzerinnen der «Moving Mountains» dagegen litt nicht nur unter der räumlichen Begrenzung. Auch in der Beschränkung auf ritualhafte Posen blieb er hinter den grossen Weltraumentwürfen an diesem Abend weit zurück.

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