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Bei Anita Zumbühl im Kunstmuseum Luzern malt das Wetter kräftig mit

Von Sonne und Regen gefärbt sind die Stoffbahnen von Anita Zumbühl. Im Kunstmuseum Luzern sinniert die Zentralschweizer Künstlerin über den Zufall an der Schnittstelle von Kultur und Natur.
Kurt Beck
Anita Zumbühl färbt ihre Textilwerke draussen. (Bild: PD)

Anita Zumbühl färbt ihre Textilwerke draussen. (Bild: PD)

Für Kunstschaffende aus der Region führen verschiedene Wege zu einer der begehrten ­Ausstellungsmöglichkeiten im Kunstmuseum Luzern. Komfortabel ist es, direkt von der Kuratorin zu einer Werkpräsentation eingeladen zu werden. Oder man beteiligt sich an der Jahresausstellung der Zentralschweizer Kunst und übersteht das Auswahlverfahren. Auch ein Preis kann die Museumstüren öffnen.

Auf diesem Weg hat es Anita Zumbühl geschafft. Die Kommission Bildende Kunst der Stadt Luzern hat die 44-jährige Künstlerin, die aus Nidwalden kommt und in Luzern wohnt, mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Dieser umfasst eine Ausstellung («Very few things consist of a ­single substance») im Kunstmuseum sowie eine Publikation.

Es ist die erste grössere Publikation über Anita Zumbühl, die seit 2006 regelmässig in Ausstellungen präsent ist und bereits mehrere Stipendien, Förderpreise und Werkbeiträge erhalten hat.

«Anita Zumbühl findet mehr, als dass sie sucht»

Die Beiträge von Eveline Suter, Lena Friedli und Daniel Morgenthaler im Buch beleuchten das vielseitige Schaffen der Künstlerin auf wissenschaftlich-kritische Weise. Sie zeigen Zumbühl als künstlerische Forscherin, experimentierfreudige Färberin, fotografische Sammlerin, Texterin sowie als Mitglied der Performancegruppe Salon Liz.

«Anita Zumbühl findet mehr, als dass sie sucht», schreibt Eveline Suter. Die reich bebilderte Publikation ist sorgfältig gestaltet und erscheint zweisprachig unter dem Titel «You don’t know What you don’t know You don’t know», der zum Denken anstösst, in einer Auflage von 750 Exemplaren.

Als Mitarbeiterin des Aufbauteams des Luzerner Kunstmuseums kennt Anita Zumbühl die räumlichen Verhältnisse des Museums bestens und weiss auch um die schwierigen Bedingungen im Pilatussaal, der ihr für eine Werkpräsentation zugeteilt worden ist. Entsprechend wuchtig hat sie interveniert.

Monumentale Ausformung

Zwei 15 Meter lange Baumwolltücher, die von der Decke bis zum Boden reichen, sind an den Wänden platziert. Drei ebenfalls deckenhohe Vorhänge aus Nesselflies unterteilen den langen Raum und verwandeln ihn in eine Kunstlandschaft, durch die man staunend flanieren, auf bunten Bänken ruhen und sich auf einem gemütlichen Kissenlager rätselhafte Fotografien anschauen kann. Mit der Schnittstelle von Natur und Kultur setzt sich die Künstlerin seit Jahren intensiv auseinander. Die textile Installation im Kunstmuseum Luzern ist eine monumentale Ausformung dieser Beschäftigung.

Die Baumwolltücher sind ein Naturprodukt. Was wie schrill-farbige expressive Malerei erscheint, ist nicht von Hand gemalt, sondern durch Wind und Wetter entstanden. Zumbühl hat die Stoffbahnen mit Farbpigmenten auf der Wiese ausgelegt. Regen und Sonne haben die malerische Arbeit übernommen.

Zufall spielt eine wesentliche Rolle

Der Zufall spielt auch bei den mit Blauholz, Kurkuma, Zwiebel- und Nussschalen gefärbten Nesseltüchern eine wesentliche Rolle. Die Künstlerin setzt den gestalterischen Prozess zwar in Gang, doch das Resultat ist die Folge von ausserkünstlerischen, physikalischen und chemischen Gesetzmässigkeiten.

Grenzbereiche künstlerisch erkunden, sie in Bilder umsetzen, sie sicht- und erfahrbar machen ist zentrales Thema der Arbeit von Anita Zumbühl. Das Resultat ist oft irritierend, vor allem wenn Grenzen verschwinden, Innen- und Aussenraum verschmelzen, Zufall und Absicht sich verbinden oder literarische Textfragmente auf alten Duvetanzügen zu lesen sind. Das Aufheben der Gegensätze mag herausfordernd und sperrig sein, produziert jedoch überraschende An- und Einsichten und öffnet neue Denkräume.

Finissage mit Performance imSalon Liz: 25. August 2019.
Kunstmuseum Luzern und Stadt Luzern (Hg.): Anita Zumbühl, You don't know What you don't know You don't know. Verlag für moderne Kunst, 2019, 128 S.

www.kunstmuseumluzern.ch

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