Das Literaturhaus Zentralschweiz feiert seinen fünften Geburtstag

Das Literaturhaus Zentralschweiz in Stans bildet seit fünf Jahren das Basislager für die Literatur in der Region. Ein Gespräch übers Fliegen und Sternstunden.

Michael Graber
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Sabine Graf hat die Zügel des Literaturhauses in der Hand.

Sabine Graf hat die Zügel des Literaturhauses in der Hand.

Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 27. November 2019)

Auch ohne vertiefte Aviatik-­Kenntnisse kann man sagen: Es gibt ganz sicher aerodynamischere Dinge als die Rosenburg in Stans. Und doch standen Sabine Graf und Daniela Krienbühl vor der Herkulesaufgabe, ebendieses Haus zum Fliegen zu bringen. Oder zumindest das darin beheimatete Literaturhaus Zentralschweiz, kurz lit.z, dem Graf und Krienbühl seit fünf Jahren vorstehen. Das war zumindest eine der oft gestellten Frage 2014: «Kommt dieses Projekt tatsächlich zum Fliegen?» Ein kurzer Kontrollblick zeigt: Noch ist die Rosenburg nicht abgehoben. Aber: «Zumindest bringen wir die Literatur in Bewegung», sagt lit.z-Intendantin Graf.

Keine Angst: Die Rosenburg steht immer noch recht zentimetergenau am selben Ort, wo sie schon am 29. November 2014 stand, als das lit.z zum ersten Mal seine Pforten öffnete. Mit Bewegen meint Graf die Kooperationen. 97 an der Zahl waren es. In allen Zentralschweizer Kantonen fanden Projekte mit Beteiligung des lit.z statt. Und das meint nicht, einfach den Namen bei bestehenden Anlässen mit auf den Flyer zu drucken, sondern mitzugestalten: «Wir initiieren Projekte und haben den Anspruch mitzukuratieren», sagt Sabine Graf im Büro in Stans.

Leute auf Expedition ins Basislager holen

Das Literaturhaus Zentralschweiz in der Rosenburg ist eigentlich auch eine Art Literaturbasis Zentralschweiz. Auch für die Vernetzung unter Verlagen und Autoren. Eine Basis, aus der man immer wieder zu Expeditionen aufbricht. Nicht immer mit dem Ziel, die grössten Gipfel zu erklimmen, «das können auch kleinere Literaturzirkel sein», sagt Graf. Eines der Ziele all dieser Kooperationen ist, dass vielleicht jemand mehr ins Basislager zurückkommt. Graf: «Wir sind immer noch dabei, das lit.z überregional zu etablieren. Wir sind noch jung.»

35 Veranstaltungen pro Jahr organisieren die Macherinnen – miteingerechnet sind Kooperationen und Vermittlungsprojekte. «Das ist das Limit mit unseren Ressourcen», sagt die 50-jährige Graf. Aber es sei vielleicht auch generell eine Grenze, gerade in Stans. «Hier läuft kulturell viel, wir achten auf eine gute Angebotsbalance.» Der Grossteil der Lesungen und Anlässe findet in Stans statt.

Eben: Stans. Das war auch der Hauptgrund, warum viele sich vor fünf Jahren fragten, ob dieses Projekt tatsächlich einmal zum Fliegen komme. «Das ist die Luzerner Sicht», meint Graf lachend. Grundsätzlich finde sie es lobenswert, dass Kultur nicht nur in den Ballungszentren stattfinde, sondern überall.

13 Minuten. So lange dauert die Fahrt von Luzern nach Stans, das klingt nach wenig, aber halt doch nach genug viel, um die Bequemlichkeit obsiegen zu lassen. «Der Grossteil unserer Besucher bei Veranstaltungen im lit.z kommt aus Nidwalden», sagt Graf denn auch. Finanziert wird das Literaturhaus von allen Zentralschweizer Kantonen gemeinsam. Die Leistungsvereinbarungen wurden nach der Pilotphase bis 2021 verlängert. «Wir erfahren guten Rückhalt, auch von der Gemeinde Stans und weiteren Kulturstiftungen, die das lit.z mitfinanzieren», hält Graf fest.

Ein schönes Lob von Lukas Bärfuss

Rund 40 Personen besuchen im Schnitt die Veranstaltungen. Für die Intendantin eine Zahl, «mit der wir zufrieden sind». Im Veranstaltungsraum in der Rosenburg hat es Platz für maximal 80 Personen. Auch darum die Kooperationen: Bekanntere Autoren holt das lit.z ins Luzerner Neubad oder ins Stanser Chäslager.

«660 Stimmen», so haben die Macherinnen pünktlich zum Geburtstag nachgerechnet, haben an Veranstaltungen des lit.z gesprochen, dies an «87 Schauplätzen». Und da man an Geburtstagen gerne zu Superlativen greift, hat man gleich noch «196 Sternstunden» ausgemacht. Wenn Sabine Graf die Sternstunde unter all den Sternstunden auswählen müsste, dann nimmt sie die Uraufführung des Zulu-Requiems, eine Zusammenarbeit mit den Stanser Musiktagen. «Mit dem Lyriker Raphael Urweider zusammen hat die südafrikanische Sängerin Ntando Cele das Requiem auf Zulu übersetzt und mit dem Percussionisten Balts Nill als lyrisch-musikalische Performance aufgeführt – der Saal war elektrisiert.» Besonders erfreut und stolz waren die Literaturhaus-Macherinnen als Schriftsteller Lukas Bärfuss ihnen nach seinem Auftritt sagte: «Ihr habt einen tollen Ort für Literatur geschaffen!»

Das Geburtstagsprogramm ist bereits ausgebucht

Sabine Graf mag die genreübergreifenden Projekte, wenn Musik auf Literatur auf Kunst trifft. Zusammen mit der Loge und dem Kulturhof Hinter Musegg führt sie im Haus für Kunst Uri einen experimentellen Lyrik-­Abend durch. Bald kommt auch Autor Beat Portmann aus Emmen mit seiner musikalischen Lesung nach Stans. «Diese Überschneidungen finde ich spannend. Reibung tut gut», sagt Graf.

Das Programm zum Geburtstag diesen Samstag ist restlos ausgebucht. In und um die Rosenburg wird gefeiert, gelesen und gesungen. Geflogen wird nicht. Auch wenn das Literaturhaus Zentralschweiz längst Flughöhe erreicht hat.

Das Geburtstagsprogramm diesen Samstag ist ausgebucht. Alle weiteren Veranstaltungen des Literaturhauses: www.lit-z.ch