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David Letterman: «Ich kann nicht mehr aufhören zu reden»

Wie kaum ein anderer Moderator prägte David Letterman jahrzehntelang den späten Fernsehabend in den USA. 2015 verabschiedete sich der Talk-König in den Ruhestand. Übermorgen wird er 70-jährig, und er hat sich einen langen Bart wachsen lassen.
Christina Horsten (dpa)
David Letterman, heute mit Bart, bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte. (Bild: Keystone (5. Mai 2016))

David Letterman, heute mit Bart, bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte. (Bild: Keystone (5. Mai 2016))

In der Öffentlichkeit macht sich die Late-Night-Ikone extrem rar – eine Klimawandelserie für «National Geographic» hier, ein Interview mit Kollegin Tina Fey da, und zuletzt ein grosses Interview samt Titelfoto für das «New York»-Magazin. «Meistens aber sitze ich auf dem Bettrand und starre auf den Boden.»

Wenn er mal loslegt, ist er kaum zu bremsen

In den seltenen Interviews zeigt sich aber: Wenn Letterman einmal loslegt, ist er kaum mehr zu bremsen. «Seit ich keine Show mehr habe, kann ich nicht mehr aufhören zu reden. Ich sorge mich, dass da etwas mit meinen Hormonen passiert ist.»

Besonders Präsident Trump, den er in seiner Zeit als Late-Night-Talker oft interviewt hat, lässt ihn nicht los. «Er war die Karikatur eines reichen Typen. Wir haben ihn nicht ernst genommen. Er hat sich hingesetzt und wir haben angefangen, uns über ihn lustig zu machen. Er konnte nie was dagegen ausrichten. Er war gross und teigig, und man konnte auf ihn draufhauen. Er schien es zu geniessen, die Zuschauer auch.»

Gemeinsam mit seinem 13-jährigen Sohn Harry nennt Letterman den Präsidenten «Trumpy» – aber er hält ihn auch für gefährlich. «Ich bin es leid, dass die Menschen verwundert sind von allem, was er sagt. Wir müssen uns überlegen, wie wir uns vor ihm schützen können. Wir wissen, dass er verrückt ist.»

Comedy sei ein Mittel zum Schutz, aber selbermachen oder zuschauen will er nicht mehr. Nachfolger Stephen Colbert feiert auch dank Trump-Satire gerade Quoten-Höhenflüge, aber Letterman schaltet nicht ein: «Die Wahrheit ist, dass ich nicht so lange aufbleiben kann.»

Letterman hat in der Branche alles erreicht: Mehr als 30 Jahre lang war er Moderator einer Late-Night-Show. Er hatte alle Stars zu Gast, erfand Dutzende von heute allgegenwärtigen Show-Rubriken und gewann viele Auszeichnungen. Auch die Oscars und die Emmys moderierte er und galt immer als einer der originellsten und kreativsten Köpfe der Branche.

Gnadenlose Kritik des eigenen Sohnes

Inzwischen dreht sich sein Alltag vor allem um seine zweite Frau und Sohn Harry. «Ich bin jetzt alt und liebe Kinder. Früher haben sie mir Angst gemacht. Ich wollte sie nicht, weil ich dachte, dass ich mich auf diese lächerliche Karriere konzentrieren muss, und da würden sie stören. Jetzt sehe ich, dass das ein grosser Fehler war.»

Aber auch die Schwierigkeiten des Elterndaseins sind ihm nicht verborgen geblieben. «Kürzlich habe ich gesagt: ‹Harry, manchmal habe ich das Gefühl, dass du nicht gerne mit mir irgendwo hingehst.› Und er hat gesagt: ‹Naja, deine Fähigkeiten mit Menschen umzugehen, sind schlecht. Sei einfach normal.›»

Christina Horsten (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

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