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DEBÜT: Er liebt die elegante Geschmeidigkeit des Klarinettentons

Karriere machen, ohne ihr alles unterzuordnen: Prix-Jeunes-Solistes-Preisträger Pablo Barragán (26) spricht über die Klarinette, Wettbewerbe und das Kochen.
Fritz Schaub
Debütiert am Lucerne Festival: Klarinettist Pablo Barragán. (Bild: PD)

Debütiert am Lucerne Festival: Klarinettist Pablo Barragán. (Bild: PD)

Unauffällig sitzt ein junger schwarzhaariger Mann vor dem KKL World Café bei einer Tasse Kaffee. Der spanische Klarinettist Pablo Barragán ist soeben vom Davos Festival – «Young Artists in Concert» zurückgekehrt, das zum letzten Mal von der Schwyzer Dirigentin Graziella Contratto geleitet wird. Er erzählt, wie ihm die «Höhe des Ortes zu schaffen» machte, und ringt dabei zum Schein nach Luft. Das gleiche Problem hatten in Davos auch Schweizer Kollegen, die dasselbe Instrument spielen – wie der Zuger Reto Bieri, der künftige Leiter des Davos Festivals.

Wie die menschliche Stimme

Pablo Barragán gewann zu gleichen Teilen mit der Blockflötistin Laura Schmid den diesjährigen Prix Jeunes Solistes Credit Suisse. Zum Preis gehört auch der Auftritt im ersten Debütkonzert am Lucerne Festival. Da spielt Barragán die zweite Sonate von Sergei Prokofjew in einer Transkription für Klavier und Klarinette, die Rhapsodie von Claude Debussy sowie die Fantasie für Soloklarinette von Jörg Widmann, den er sowohl als Klarinettisten wie auch als Komponisten besonders schätzt.

Warum aber kam der Spanier gerade zur Klarinette? «Mir gefällt, dass der Klang so sehr der menschlichen Stimme gleicht. Ich habe das jetzt wieder in Davos gespürt, als ich die Sopranistin Julia Westendorp bei Schuberts ‹Hirt auf dem Felsen› begleitete.»

Dabei war die Wahl des Instruments rein zufällig. Schon mit fünf Jahren begann Barragán in seiner Heimatstadt nahe bei Sevilla mit dem Musikunterricht. «Ein Lehrer verteilte Instrumente und gab mir die Klarinette, weil er meinte, diese passe zu mir.» Mit der Zeit freundete sich Barragán mit dem Instrument immer mehr an. «Als Kind hörte ich viel Musik von Benny Goodman und Artie Shaw. Ich liebte die Geschmeidigkeit ihres Tons.»

Goodman spielte sowohl Jazz als auch klassische Musik, Mozarts Klarinettenkonzert zum Beispiel. Barragán hat sich für die Klassik entschieden, hört aber nicht nur gerne, sondern spielt auch mit Vergnügen in der Freizeit Jazz und Klezmermusik. Im Alter von 14 Jahren entschloss er sich, Berufsmusiker zu werden.

Über das Konservatorium in Sevilla kam er an die Musikakademie Basel, um hier das Solistendiplom bei François Benda abzuschliessen. Die Erfolge stellten sich bald ein – bis hin eben zum Gewinn des Prix Jeunes Solistes, der von Lucerne Festival und den Schweizer Musikhochschulen vergeben wird und dessen Preisgeld (25 000 Franken) die Credit Suisse stiftet.

Wie wichtig sind solche Erfolge heute für eine Karriere? «In erster Linie sind sie für einen selber wichtig, man arbeitet hart und lernt sich selber besser kennen», meint er. «Natürlich können sie, wie mein Luzerner Festivaldebüt zeigt, auch Türen öffnen.» Wie sieht er überhaupt seine weitere Karriere? «Karrieredenken liegt mir fern. Wichtig ist mir, mit Gleichgesinnten zu musizieren, vor allem Kammermusik, hart zu arbeiten und noch besser zu werden, dann ergibt sich das Weitere von selber.»

Von Barenboim beeindruckt

Reichlich Gelegenheit dazu hatte er im West-Eastern Divan Orchestra, dem er seit sieben Jahren angehört: «Daniel Barenboim war eine der wichtigsten Persönlichkeiten für mich, er war wie ein Vater für uns. Ich bewundere seinen unglaublichen Elan und die Energie, mit der er sich für uns junge Musiker einsetzt.»

Wie wichtig sind für den Spanier Barragán die politischen Intentionen dieses Orchesters, das jüdische und arabische Musiker zusammenbringt? «Natürlich steht primär das gemeinsame Musizieren im Vordergrund, aber wir haben auch diskutiert und sind mit Politikern wie dem Palästinenserpräsidenten Abbas zusammengetroffen. Zum Glück bin ich nicht direkt involviert in den Konflikt wie die arabischen und die jüdischen Kollegen im Orchester. Ich kann nur betonen, es müsste möglich sein, dass Christen, Muslime und Juden friedlich nebeneinander leben – so wie es im Mittelalter in meiner engeren Heimat, in Südspanien, jahrhundertelang der Fall war.»

Singen mit der Klarinette

Bleibt neben der Musik noch Platz für andere Dinge? «Sicher, vor allem der Sport, ich gehe oft joggen und spiele mit Freunden Fussball.» Und nach einigem Zögern meint er strahlend: «Kochen! Ich probiere gerne neue Rezepte aus.» Ob er auch die Oper liebe: «Ja, gewiss doch, am liebsten wäre ich Sänger geworden. Jetzt singe ich halt mit der Klarinette!»

Hinweis

Debüt 1, Donnerstag, 22. August, 12.15 Uhr, Lukaskirche, Luzern (ausverkauft).

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