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Piano-Gipfeltreffen im KKL: Der Altmeister bleibt der Massstab

Der Jazz Club Luzern hat zum Pianisten-Vergleich eingeladen. Wer indes einen Wettkampf erwartete, wurde vermutlich enttäuscht. Doch der Abend vermochte auf andere Weise zu faszinieren.
Roman Kühne
Beim Soundcheck vor dem Konzert. Von links: Kenny Barron, Benny Green, Danny Grissett und Dado Moroni. (Bilder: Boris Bürgisser, 22. Januar 2019)

Beim Soundcheck vor dem Konzert. Von links: Kenny Barron, Benny Green, Danny Grissett und Dado Moroni. (Bilder: Boris Bürgisser, 22. Januar 2019)

Wenn vier Pianisten sich zu einem Gipfel treffen, steht oft der Wettkampf und das Messen im Vordergrund. Piano Battles gehörten früher zu den Standards in der Tastenszene. Selbst Stars wie Fats Waller, Roll Morton oder Erroll Garner setzten sich diesen Duellen aus. «Schneller, vertrackter und origineller» lautete der Weg zur obersten Latte.

Die Zuschauer entschieden gnadenlos und direkt. Der poetische Film «Die Legende vom Ozeanpianisten» hat einen solchen Kampf stilvoll in Szene gesetzt. Eine Geschichte über einen Jungen, der mit seinen Künsten alle Könner aus den Ringen fegt.

Selbst heute gibt es diese Spektakel noch. In Deutschland spielen die zwei klassischen Pianisten Andreas Kern und Paul Cibis solche Konzerte durch. Ganz dem Zeitgeist entsprechend. Denn was ist die Bewertungslitanei auf Youtube anderes als das Brot und die Spiele der Moderne. Allerdings, wenn Hörer den historisch bahnbrechenden Carnegie-Hall-Auftritt von Benny Goodman (1938) mit «mag ich nicht» abwerten, dann sagt dies wohl mehr über den Zuschauer denn über die Qualität der Musik aus.

Kenny Barron forever

Am «Piano Summit» des Jazz Club Luzern vom Dienstagabend im KKL ist – wohl zum Glück – von solch einer Konkurrenz nichts zu spüren. Vier Pianisten sind angetreten, nicht um sich zu duellieren. Sondern schlicht und einfach, um miteinander Musik zu machen. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede. So wäre der ausgefallene Cyrus Chestnut mit seinen Gospel-Rhythmen wohl die spannendere Ergänzung gewesen. Sein Ersatz Danny Grissett spielt zwar farbig und stil­sicher in den Akkorden. Die Einfälle fliessen ruhig und melodiös. Doch im Vergleich fehlt etwas das überraschende Moment.

Dieses ist zum Beispiel in der ersten Zweier-Improvisation bereits da. Grissett und der Italiener Dado Moroni, der früher in der Hausband des «Moods» in Zürich spielte, zeigen die ganze Faszination, die solche Pianotreffen ausmachen. Ohne einmal mit der Wimper zu zucken, findet sich das Paar. Aus einem einfachen Einstiegsgeplänkel entwickeln sich rasch Struktur und Zug. Immer dichter wird die Packung, schwingt sich auf zu einer wuchtigen Impro in allen vier Händen. Grossartig, wie die Musiker am Ende wieder, wie selbstverständlich, auf einem fernen Echo des Themas landen.

Und so sah es aus, wenn sie zusammenspielten.

Und so sah es aus, wenn sie zusammenspielten.

Überhaupt liegt hier der grosse Reiz des Abends. Zwar bieten die solistischen Auftritte durchaus Spannendes, Nahrung für Ohr und Seele. Hauptsächlich sind die Momente des inzwischen 75-jährigen Kenny Barron beeindruckend. Seit über sechzig Jahren steht er auf der Bühne. Seiner Fingerfertigkeit und seinen sprudelnden Figuren hat es nicht geschadet. Rhythmisch vertrackt und schnell nimmt er ­Thelonious Monks «Well, You Needn’t» auseinander. Virtuos setzt er seine typischen Cluster-Figuren. Es ist wieder einmal der Altmeister, der den Massstab setzt.

Zu viert zur Spitze

Aber auch Dado Moroni überzeugt mit viel Fantasie und Gewicht. Vor allem in der finalen Schlussrunde, wo sich die Künstler einer nach dem anderen ans Piano setzen, der folgende den Geist des Gewesenen weiterspinnt, ist es der Italiener, welcher die dringlichsten Figuren schafft. Oder auch Benny Green, ein akzentreicher und witziger Spieler.

Das Einzige, was man diesem Abend «ankreiden» könnte, ist, dass praktisch alle Stücke Balladen sind. Es ist ein Abend vor dem stimmigen Kaminfeuer. Eine Nacht des leisen Grillenzirpens, das den Zuschauer zum genauen Hören zwingt. Auch im ­abschliessenden Set, wo die vier Musiker zum Finale finden, dreht sich alles um Dialog und Farben. Das hervorragende «Blue Monk» rollt und swingt dezent durch die Stühle. Ein Stück zum Schnippen und Geniessen.

Unbestimmtheit und Überraschung als Reiz

Die Zugabe «Rhythm-A-Ning», ebenfalls von Thelonious Monk ist zwar schneller, erhält jedoch ebenfalls den unaufgeregten, verspielten Tonfall eines Kammerstücks. Sensibel und ironisch. Herrlich, wie sich die Jazzer die Bälle spielen. Auch wenn offenbar nicht immer ganz klar ist, wer diese jetzt gerade wieder auffangen soll, ist diese Unbestimmtheit und Überraschung genau der Reiz und der Spass, der diesen Abend prägt. Ein Spass, der auch auf der Bühne deutlich zu spüren ist.

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