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Der amerikanische Traum ist ausgeträumt

Ein Dokumentarfilm vergleicht den Aufstieg und Fall von Elvis mit der Entwicklung der USA. «The King – mit Elvis durch Amerika» ist eine Reise durch die amerikanische Geschichte und eine Momentaufnahme des Landes.
Regina Grüter
In und um den Rolls-Royce von Elvis wird musiziert. Der Wagen fährt nach Tupelo, Memphis, Nashville, New York, Detroit, Las Vegas. (Bild: PD)

In und um den Rolls-Royce von Elvis wird musiziert. Der Wagen fährt nach Tupelo, Memphis, Nashville, New York, Detroit, Las Vegas. (Bild: PD)

Elvis hat zu Lebzeiten wohl niemanden kalt gelassen. Und auch heute noch, 40 Jahre nach seinem Tod mit nur 42 Jahren, hat er unzählige Fans. Wer ihn nicht mag, kennt ihn zumindest. In Massen strömen die Besucher nach wie vor auf sein Anwesen in Graceland in Memphis, Tennessee, oder in seinen Heimatort Tupelo.

Dort, im tiefsten Mississippi, vollzieht das essayistische Roadmovie «The King – Mit Elvis durch Amerika» von Eugene Jarecki seinen ersten Stopp. Der US-amerikanische Dokumentarfilmer hat sich von New York aus auf den Weg gemacht, um «den amerikanischen Traum durch die Augen von Elvis Presley zu erforschen».

Unterwegs im Rolls Royce von Elvis gesellen sich Musiker, John Hiatt etwa, und Schauspieler wie Ethan Hawke oder Mike Myers zu ihm, um über die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung des Sängers zu sinnieren. Und darüber, was hätte sein können. Die Reise zu Stationen in Elvis’ Leben und durch die US-amerikanische Geschichte ist zugleich eine Momentaufnahme der Vereinigten Staaten – mitten im Präsidentschaftswahlkampf 2016.

Der Film hält, was er verspricht

Aufstieg und Fall des King als Metapher für die Entwicklung seines Landes, was für eine interessante Disposition. Und der Film hält, was er verspricht. Ähnlich wie schon «I Am Not Your Negro» von Raoul Peck webt Jarecki Bilder aus der amerikanischen Filmgeschichte mit ein, um zu zeigen, dass die afroamerikanische Bevölkerung beim «amerikanischen Traum» nicht mitgedacht war.

Die Schwarzen sind die Wilden, vor allem aber sind sie als Helden lange inexistent. Wie rappte Chuck D 1989 im Song «Fight the Power» von Public Enemy?

«Elvis was a hero to most. But he never meant shit to me you see.»

Für die meisten sei Elvis ein Held gewesen, aber ihm habe er einen Scheiss bedeutet. John Wayne genauso wenig. Chuck D hat den folgenden Rassismusvorwurf zwar inzwischen längst relativiert und findet, Musik sei für alle da.

Amerikanischer Traum für die einen, absoluter Albtraum für die anderen

Doch der politische Kommentator und Autor Van Jones macht Elvis auch heute noch zum (nicht neuen) Vorwurf, er habe sich bei afroamerikanischen musikalischen Vorbildern bedient, ohne das je transparent zu machen. Geschweige denn, sich in Zeiten von Segregation und Bürgerrechtsbewegung an die Seite von Martin Luther King gestellt zu haben, wie es etwa Marlon Brando getan hatte.

Amerikanischer Traum für die Einen, absoluter Albtraum für die Anderen. Dabei sollte Elvis ursprünglich als Weisser mit Blues und Rock ’n’ Roll die Rassenschranken niederreissen. Es wäre der Traum seines Entdeckers Sam Phillips gewesen.

Doch «The King» dreht sich nicht nur um den nach wie vor alltäglichen Rassismus in den USA. Vielen Amerikanern geht es schlecht, und der amerikanische Traum erscheint ihnen nur noch als übler Witz. Schauspieler und Trump-Imitator Alec Baldwin sitzt bei Jarecki im Auto. Trump wird die Wahlen nie und nimmer gewinnen, ist er überzeugt.

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