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Wenn Luzern den Blues hat, dann ist Kari Bründler auch ein wenig stolz

Bereits zum 25. Mal findet das Lucerne Blues Festival statt. Der Präsident über Geld und «verrückte Sieche».
Michael Graber
Martin «Kari» Bründler im Casino. Dort findet seit vielen Jahren das Blues Festival statt. Bild: Philipp Schmidli(Luzern, 5. November 2019)

Martin «Kari» Bründler im Casino. Dort findet seit vielen Jahren das Blues Festival statt. Bild: Philipp Schmidli(Luzern, 5. November 2019)

Am Samstag startet das Lucerne Blues Festival mit einer Charity Night im Hotel Schweizerhof. Heuer findet das Festival bereits zum 25. Mal statt. Ein Vierteljahrhundert. Was es so lange gibt, wird irgendwann zur Selbstverständlichkeit. Dabei: Eine Selbstverständlichkeit ist es nicht. OK-Präsident Martin Bründler, den aber alle nur Kari nennen, erklärt ruhig, was es alles für Puzzleteile braucht, damit funktioniert, was scheinbar so leicht funktioniert.

Beginnen wir bei den Musikern: «Insgesamt kommen in diesem Jahr 82 Musiker an das Blues Festival.». Das heisst 82 Mal die Anreise nach Luzern planen – meistens per Flug aus Amerika. 82 Musiker heisst auch «82 Übernachtungsmöglichkeiten. 82 Essen. 82 Mal den Pässen hinterhertelefonieren. 82 Mal Programm in Luzern.» Mehrere hundert Stunden pro Jahr investiert alleine Bründler in den Blues. «Zum Glück halten sich die Sonderwünsche bei den Bluesern in engen Grenzen», lacht er. Alle im OK arbeiten ehrenamtlich.

Über 1000 Dokumente pro Jahr

«Rund eine Million Franken Budget hat das Festival», sagt Bründler. Die Gagen sind dabei nicht der grösste Posten. «Am teuersten ist die Technik, die Unterbringung und die Verpflegung». Wer Bründler zuhört, denkt oft an einen Puzzler, der geduldig alle Teilchen zusammensetzt. Zuerst den Rand absteckt und dann nach und nach die Lücken schliesst. Weit über 1000 Dokumente habe er alleine für die diesjährige Ausgabe auf seinem Computer abgelegt. «Ich bin amigs schon froh, wenn es endlich losgeht.»

Auftakt mit Charity-Night

Am Samstagabend startet das Lucerne Blues Festival mit der mittlerweile schon fast traditionellen Charity-Night. Ab 20.00 spielt im Hotel Schweizerhof die Altered Five Blues Band. Der Eintritt ist frei, man kann aber eine Spende hinterlegen, die dann der LZ Weihnachtsaktion zu Gute kommt. Am Sonntag findet am selben Ort zudem der erste der drei Blues Brunches statt.

So richtig los mit dem Blues geht es dann ab dem kommenden Mittwoch (dann mit einem einzelnen Gratis-Konzert im Casineum um 23.00) im Casino. Donnerstag, Freitag und Samstag spielen jeweils viele Bands und sorgen für eine gewaltige Dosis Blues. (mg)

Während dem Festival ist bereits wieder vor dem Festival. Anders als viele ähnliche Veranstaltungen hat das Lucerne Blues Festival keinen grossen Hauptsponsor, sondern 43 einzelne Sponsoren. Die zwischen ein paar tausend und mehreren zehntausend Franken sprechen. «So sind wir nicht abhängig von der Laune eines grossen Sponsors», sagt Bründler. Springt mal einer ab, so trifft es das Festival zwar auch, aber es ist nicht sofort existenzgefährdend. 43 Sponsoren heisst aber auch: 43 Kontakte pflegen, Hände schütteln, netzwerken. «Wir stehen auf soliden Beinen», sagt der Präsident. Auch dank guten Jahren habe man sich eine kleine Reserve aufbauen können, die aber nicht mehr als ein Rettungsschirm sein soll.

Ab nach Chicago in die Blues-Clubs

Und wie wichtig die Sponsoren für das Festival sind, zeigt die nächste Zahl: gut 100000 Franken. Das ist der Beitrag, den das Festival über Eintritte einnimmt. Ein Zehntel des Gesamtbudgets. «Die Konzerte waren noch nie selbsttragend», sagt Bründler, der bei einer grossen Firma in der Finanzabteilung arbeitet. Oder um es noch deutlicher zu sagen: Müsste alleine das Eintrittsgeld alles finanzieren, müssten die Tickets zehnmal teurer sein. Der Festivalpass würde dann 1550 Franken kosten.

Gute Puzzler haben meistens gute Ausdauer. Bründler ist seit 23 Jahren im OK dabei. Angefixt wurde er bei der zweiten Ausgabe des Festivals – damals noch im Rollerpalast. «Mich hat die Nähe am Blues fasziniert», sagt er. Die Musiker sassen nachher noch mit den Veranstalter an den Tischen, man trank, redete, trank noch eins, sinnierte über allerlei Dinge, schloss Freundschaften. «Ich war kein Blueser, aber ich bin einer geworden.» Einmal im Jahr fliegen mehrere Personen aus dem OK nach Amerika, um ein paar Nächte in den Bluesclubs in Chicago zu verbringen. «Wir haben jeweils ein ziemlich dichtes Programm», lacht Bründler, der in seiner Freizeit gerne Harley fährt und auch noch aktiver Fasnächtler ist. Zuerst hatte er im OK die Administration inne, seit fünf Jahren ist er nun Präsident.

Die Krux bei einem Puzzle: Kaum ist es fertig, sieht man den beschwerlichen Weg zum Ganzen nicht mehr. Das weiss auch Kari Bründler: «Im Idealfall sieht man den Chrampf aber ­sowieso nicht.» Chrampfer braucht das Festival aber viele. Über 40 Leute sind im OK. Jeder hat seine Aufgabe. Vom Fahrer über den Techniker bis zum Sanitäter. «Ohne geht es nicht», so Bründler. Es brauche Leidenschaft und ein paar «verrückte Sieche». Er selber opfert Ferien, Schlaf und Wochenende. «Aber ich tus gerne», betont er. Für den kinderlosen 53-Jährigen ist das Blues Festival auch eine Art, «wie ich der Gesellschaft etwas zurückgeben kann».

Den Blues, um das unvermeidliche Wortspiel doch noch zu machen, hat Bründler noch lange nicht. Und wenn Luzern den Blues hat, dann ist er jeweils auch ein wenig stolz. Das darf er selbstverständlich sein.

Gesamtes Programm und Tickets: www.bluesfestival.ch

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