Der Brite und die Kunst von hier: Im Kunstmuseum Luzern starten drei Ausstellungen parallel

Im Kunstmuseum sind aktuell der Engländer Fabian Peake und 28 Künstlerinnen und Künstler aus der Zentralschweiz zu sehen. Zwei regionale Künstlerinnen erhielten Preise.

Susanne Holz
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Künstler Fabian Peake an seiner Wandmalerei.

Künstler Fabian Peake an seiner Wandmalerei.

Dominik Wunderli, 4. Dezember 2019

Er ist ein verspielter Künstler, der 1942 in Sussex, England, geborene Fabian Peake, der nun, mit 77 Jahren, erstmals mit einer Einzelausstellung in der Schweiz präsent ist. Mit typisch englischer, freundlicher Bescheidenheit meint Fabian Peake am Donnerstag dieser Woche beim Aufbau seiner Ausstellung im Kunstmuseum Luzern: «Ich probiere Ideen aus – manche bleiben, manche nicht.»

Was vorerst bleibt, zumindest für die Dauer dieser Ausstellung «A Swift at the Corner», die bis in den Februar dauert, sind die zwei Wandmalereien in Spiegelschrift, die der Künstler diese Woche vor Ort realisierte. Fabian Peake schreibt auch Kurztexte und Gedichte – in seiner unaufgeregten Art erklärt er einem, um was es in den beiden, eigens für Luzern angefertigten Wandmalereien geht: Die eine handle von 100 Jahren Dada(ismus) und wie wir ihn heute sehen würden – nämlich als nicht mehr so neu und revolutionär wie es diese Kunstrichtung zu ihrer Entstehung war. Und das zweite Wandbild? Das beinhalte ein Gedicht über ein Buch von Sigmund Freud.

Für gewöhnlich speist sich die Kunst von Fabian Peake aus dem öffentlichen Raum: Strommasten, Reklametafeln, Abfalleimer oder Schachtdeckel sind Teile des künstlerischen Kosmos des Engländers. Peake träumt den Alltag, was auch daher rühren mag, dass sein Vater unter anderem Geschichten der Gebrüder Grimm illustrierte. Doch der Brite mag auch das Handwerk: Für seine Stoffobjekte lernte er zu schneidern, für sein neuestes Holzobjekt befasste er sich mit dem Bootsbau. Peake entstamme einer Künstlerfamilie, weiss Kuratorin Eveline Suter. Vielleicht speist sich aus dieser Herkunft auch die Fantasie des Engländers, für den es selbstverständlich scheint, surrealistisch Dinge wie Lippen, Autos und sogar Barcodes miteinander zu verbinden.

28 Künstlerinnen und Künstler aus der Zentralschweiz

Einiges zusammen kommt auch bei der parallel zu Peake heute startenden «Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen». Aus rund 190 eingereichten Dossiers – 135 davon aus dem Kanton Luzern – wählte die auf fünf Personen vergrösserte Fachjury 28 Künstlerinnen und Künstler aus, um wieder einmal aktuelle Werke aus der Region in der Region zu präsentieren. Kuratorin Alexandra Blättlers Eindruck zum diesjährigen regionalen Schaffen ist auch folgender: «Die Kunst aus der Zentralschweiz macht etwas Pures, etwas Erdverbundenes aus – eine Nähe zum Material, sei dieses massiv oder sei es fragil.» Schönes Beispiel dafür sind einerseits die an Schultüten erinnernden, wie Tänzer von der Decke herabgelassenen Gips-Beton-Skulpturen von Christian Herter: ein «Remix» aus Atelierabfall. Andererseits die zu erotischen Spielzeugen umfunktionierten kleinen Dinge des Alltags: betitelt mit «DIY», ausgedacht von Lorenz Olivier Schmid.

Den mit 12000 Franken und einem Ankauf für die Sammlung des Museums dotierten «Preis der Zentralschweizer Kantone 2019» mit nach Hause nehmen durfte gestern Abend die im Entlebuch aufgewachsene Sara Gassmann. Die Jury befand: «Die Künstlerin stellt Themen der Abstraktion, der Transparenz, der Farbe und des Formats gleichberechtigt ins Zentrum ihrer Malerei.»

Sara Gassmann in der Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen: «Prisma».

Sara Gassmann in der Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen: «Prisma». 

Kunstmuseum Luzern

Der «Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern 2019», verbunden mit der Kabinettausstellung im kommenden Jahr, ging an Maude Léonard-Contant, bis 2015 in Luzern wohnhaft. Die Jury zu Léonard-Contant: «Ihr Werk weckt Assoziationen zu Mobiliar und Design, Spiel und Kunstgeschichte.»

Kabinettausstellung mit der Preisträgerin von 2018

Miriam Sturzenegger in der Kabinettausstellung: «Palindrome for Managed Conditions».

Miriam Sturzenegger in der Kabinettausstellung: «Palindrome for Managed Conditions».

Marc Latzel

In der aktuellen Kabinettausstellung zeigt die Preisträgerin von 2018, Miriam Sturzenegger, zwei Doppel-Dreiviertelsäulen, die den Blick vom Museumsraum hinaus in den Himmel leiten.

Hinweis

Im Kunstmuseum Luzern sind bis 9. 2. 2020 drei Ausstellungen gleichzeitig zu sehen: die Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen und die Kabinettausstellung mit der Preisträgerin von 2018, Miriam Sturzenegger: «Palindrome for Managed Conditions». Sowie Fabian Peake: «A Swift at the Corner». www.kunstmuseumluzern.ch