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Ode an die Churfirsten:
Der Chäserrugg wirft Schneebälle

Mit Zucker und Sand thematisiert Werner Widmer in der Kunsthalle Wil den Heimatbegriff. Wie ein roter Faden zieht sich der Schalk des Künstlers, der aus seinen Installationen immer wieder aufblitzt, durch die Ausstellung.
Martin Preisser
Seine Sandförmchen weisen den Weg auf die sieben Churfürsten: Werner Widmer in der Kunsthalle Wil. (Bild: Martin Preisser)

Seine Sandförmchen weisen den Weg auf die sieben Churfürsten: Werner Widmer in der Kunsthalle Wil. (Bild: Martin Preisser)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Für Wil sind die Churfirsten eine majestätische Kulisse. Mit ihren Zacken erinnern sie an Haifischzähne. 26 Tafeln hat der in Wil geborene Künstler Werner Widmer zu einem hoch aufragenden Gemälde zusammengefügt. Ist es ein aus dem Wasser springender Haifisch oder eine Bergwand? Diese meterhohe Arbeit besteht aus Unmengen von zylinderförmigen braunen und weissen Zuckerstückchen.

Der Haifischzahn ist also süss und nicht bedrohlich. Zucker wird vom industriellen zum poetischen Produkt. Wie Mosaiksteinchen wirken die Zückerchen. Schon diese Arbeit zeigt ein Thema, das die Ausstellung «Sieben» durchzieht: Der kunstvolle, anspielungsreiche Umgang mit banalen Materialien, die, in Kunst eingeflossen, mit neuer Bedeutung aufgeladen werden.

Mit seiner Dogge Idda hat Werner Widmer, der in Eschlikon eine Galerie betreibt, alle sieben Churfirsten bestiegen. Über den Boden der Kunsthalle ziehen sich Linien aus kleinen Sandschnecken, wie sie Kinder im Sandkasten formen. Massstabgetreu zeigen sie die sieben Aufstiegswege zu den jeweiligen Churfirsten. Die Schneckenformen erinnern da genauso an Zuckerschnecken wie an kleine Kothaufen, auf die man beim Wandern trifft. Passt man als Kunsthallenbesucher nicht auf, tritt man schnell einmal in einen solchen Kunsthaufen, zerstört das vom Künstler Vorgedachte. Das darf so sein, denn Werner Widmer stellt mit dieser Anordnung die Frage nach dem Wesen von Kunst, nach der Vergänglichkeit von Materie. Und die Sandwege symbolisieren Spurensuche als generelles Thema.

Die Dogge war auf allen sieben Gipfeln

Hund Idda hat es auf alle sieben Churfirsten geschafft, auch wenn es manchmal beschwerlich war. Werner Widmer hat das Tier auf jedem Gipfel skizziert und die wie hingehauchten Zeichnungen massstabgetreu zu den Höhen der Churfirsten aufgehängt.

Berge haben oft menschliche Namen, erinnern die Menschen an Fabelwesen oder Ungeheuer. Manchmal entwickeln wir emotionale Beziehungen zu Bergen. Werner Widmer lässt die sieben Churfirsten gar untereinander streiten, zeigt sie als freche oder eitle Persönlichkeiten. Ausgangspunkt ist ein Gedicht der österreichischen Schriftstellerin Anni Kraus, die sieben Berge rund um Innsbruck ins Gespräch kommen lässt. Werner Widmer, der mütterlicherseits Tiroler Wurzeln hat, lässt das Gedicht als Lauftext rund um die Mauern des Obergeschosses laufen. In einem Video hat er das Gedicht in den Wiler Dialekt übertragen und lässt statt der Innsbrucker Berge jetzt die Churfirsten streiten und frotzeln. Den Chäserrugg erlebt man da als Streithahn, der einen Schneeball zum Kollegen hinüber schiesst, um Nebel zu vertreiben.

Die Churfirsten als Schoko-Brügeli

Schalk zieht sich wie ein roter Faden durch diese Ausstellung. Immer wieder entlockt der Künstler dem Betrachter ein Schmunzeln, wenn er den Heimatbegriff thematisiert, wenn er einfache Grundmaterialien in ungewohnten Kontext stellt und als gefährlich geltende Tiere wie den Hai plötzlich harmlos erscheinen lässt. Und wenn er hinter Alltäglichem Poetisches aufspürt.

«So ein Haifisch, der hat Zähne», trällert Hildegard Knef die bekannten Brecht-Zeilen vor der Kunsthalle in einem Ein-Mann-Kino. Skurril bewegt ein Haifisch dazu sein Gebiss. Entlassen wird man aus dieser Haifisch-Churfirstenschau mit einem von Werner Widmer selbst entworfenen Brügeli. Die Schokolade ist genau in der Form der sieben Churfirsten gemacht.

Hinweis

Bis 15. Juli; Kunsthalle Wil, Grabenstr. 33; Do – So: 14 – 17 Uhr; Künstlergespräch: Mi, 27. 6., 19 Uhr

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