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Evgeny Kissin am Lucerne Festival: Der eigenwillige Künstler und das folgsame Orchester

Das Orchestre National de France spielt am Lucerne Festival zusammen mit Evgeny Kissin Seltenes genauso wie Gassenhauer.
Roman Kühne
Evgeny Kissin vorgestern im KKL.Bild: Manuela Jans-Koch/LF

Evgeny Kissin vorgestern im KKL.Bild: Manuela Jans-Koch/LF

Konzert Manchmal liegt die Wahrheit in der Zugabe. Beim Konzert vom Mittwochabend mit dem Orchestre National de France im Konzertsaal des KKL ist dies die «Prélude in cis-Moll» von Sergei Rachmaninow. Mit viel Pedal und wuchtig, ja fast schon rau und grob schlägt der Pianist Evgeny Kissin die Akkorde. Das Stück gerät zum drückenden und existenziellen Spiegel, scheint direkt aus des Interpreters Seele zu kommen.

Nach dem kurzen Furor lächelt selbst er, der oft so einstudiert den Applaus entgegennimmt, für einmal nicht. Er bleibt noch in dieser seinen Welt, bis der grosse Beifall – die Kraft des Momentes hat auch das Publikum gepackt – ihn wieder mit dem Augenblick vermengt.

Dämonisch und brachial

Schon vorher interpretiert er das Klavierkonzert Nr. 2 von Franz Liszt explosiv und extrem. Mit seinem grosszügigen Pedaleinsatz lässt er weite Taktlinien miteinander verschmelzen, zerspielt ganze Phrasen des Stücks. Eine Klangwelle, die teils stört, aber auf ihre Art auch faszinierend ist – dämonisch und brachial. Mehr ein Flimmern denn Rhythmus und Takt. Eine expressive und lustvolle Erzählung, eine eigenwillige Interpretation.

Dass er auch anders kann, zeigt er in der ersten fragilen Zugabe von Frédéric Chopin, dem Walzer Nr. 14 in e-Moll op. posth. Das Orchester unter der Leitung von Emmanuel Krivine folgt dem Pianisten in seinem ausbrechenden Gebaren, dreht teils aber gar etwas voll auf. Zur Einleitung brachten sie das selten gespielte «Mazeppa» von Franz Liszt. Zwar hätte man sich in den lauteren Momenten und den Läufen mehr Deutungsklarheit und Klangausgleich gewünscht. Doch hier als auch in den «Bilder einer Ausstellung» von Modest Mussorgsky nach der Pause überzeugen die Musiker mit einem gepflegten, vor allem in den leiseren Stellen schwebenden Orchesterklang. Es ist ein vergnüglicher Abend, den das Orchester mit der Wiederholung der «Tuileries» beschliesst.

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