Der Faktentest bestätigte den Zustand der «Verliebtheit»

Am Donnerstag stellte das Luzerner Sinfonieorchester Michael Sanderling als künftigen Chefdirigenten vor. Der deutsche Dirigent – und ehemalige Cellist – wird Nachfolger von James Gaffigan, der sein Amt Ende Saison 2020/2021 niederlegen wird.

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Das Luzerner Sinfonieorchester präsentiert den neuen Chefdirigenten, Michael Sanderling, fotografiert am 21. November 2019 im KKL in Luzern.Boris Bürgisser / LZ

Das Luzerner Sinfonieorchester präsentiert den neuen Chefdirigenten, Michael Sanderling, fotografiert am 21. November 2019 im KKL in Luzern.

Boris Bürgisser / LZ

(red) Damit erfüllte sich die Prophezeiung, die Gaffigan im Gespräch mit unserer Zeitung machte, dass nämlich das Orchester für seine Nachfolge unter namhaften und wesentlich erfahreneren Dirigenten werde wählen können. Tatsächlich gingen «zahlreiche Interessensbekundungen von erstklassigen Dirigenten» für das Amt des Chefdirigenten in Luzern ein», sagte Intendant Numa Bischof an der Medienorientierung. So wie umgekehrt das Interesse anderer Orchester an Sanderling nach dessen Abgang von der Dresdner Philharmonie so gross war, dass Eile geboten war.

Sanderling sorgte bereits für musikalische Ereignisse

Die Nachfolgeregelung ergab sich so rasch, weil Sanderling seit 2010 das Orchester wiederholt als Gast geleitet hat. Intensiviert wurde die Zusammenarbeit in diesem Frühling: Im März leitete er Programme in Luzern und am Tongyeong Festival in Südkorea, die Bischof in einen Zustand der «Verliebtheit» versetzten, wie er an der Medienkonferenz im KKL gestand. Im Mai übernahm Sanderling in Luzern die Leitung der Konzerte mit der 5. Sinfonie von Schostakowitsch. «Das Luzerner Sinfonieorchester als Schostakowitsch-Orchester – das hätte man vor Jahren nicht für möglich gehalten», schrieb die Luzerner Zeitung: «Aber an diesem Abend wurde es unter Michael Sanderling zum Ereignis.»

Für das Management des Luzerner Sinfonieorchesters wie für die Musiker des Orchesters lag es danach nahe, Gespräche mit Sanderling aufzunehmen. Nach «intensiven Gesprächen über die Zukunftsperspektiven des Klangkörpers» sei man zum Schluss gekommen, dass Sanderling «die ideale Person für den Chefdirigentenposten» sei. Insbesondere hatte das Orchester keinen «Shootingstar», sondern einen Dirigenten mit Cheferfahrung und «Seniorität» gesucht, die Sanderling kurzerhand in «Ernsthaftigkeit» übersetzte.

Internationale Reputation und spätromantisches Repertoire

Als langjähriger Chefdirigent der Dresdner Philharmonie hat sich Michael Sanderling international einen hervorragenden Namen erarbeitet. Zudem bekräftigte er sein Interesse an der Oper, was «eine wertvolle Eigenschaft» sei «angesichts der wichtigen Partnerschaft des Luzerner Sinfonieorchesters mit dem Luzerner Theater».

Der künftige Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters deckt gemäss Bischof «nicht nur das bestehende Kernrepertoire des Luzerner Sinfonieorchesters ab», sondern stehe als grosser «Sinfoniker» auch für eine ­weitere Entwicklung des Klangkörpers in Richtung des spätromantischen Repertoires wie Bruckner, Mahler und Strauss. Seine internationale Reputation passe zur «Ausstrahlung des Luzerner Sinfonieorchesters mit seiner weltweiten Tourneetätigkeit» und könne dessen Netzwerk ergänzen.

Michael Sanderlings Vater ist Kurt Sanderling, ebenfalls ein berühmter ­Dirigent. Michael Sanderling wird das Luzerner Sinfonieorchester auf die 216. Saison übernehmen, also ab Mitte 2021.