Der Hund darf wieder Hund sein

Die zweite Premiere zum Auftakt der Spielzeit in Konstanz ist die Inszenierung einer wahnwitzigen Erzähulg von Miachil Bulgakow. 

Brigitte Elsner-Heller
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Die Tür fliegt auf, und mit dem Schneegestöber kommt eine verwegene Truppe revolutionstrunkener Menschen herein geweht. Mit ihnen ein Strassenhund, der bald beim Professor eine Bleibe findet. Dank Krakauer. Aber da geht es erst richtig los.

Michail Bulgakows Erzählung «Hundeherz» von 1925 durfte in der Sowjetunion erst 1987 erscheinen, zu deutlich waren die Verweise auf die Widersprüche im kommunistischen System. Die Groteske, in der ein Hund zum Menschen wird und dabei das Menschliche auf der Strecke bleibt, hat bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Die zweite Premiere zum Auftakt der Spielzeit am Theater Konstanz ist nun die Inszenierung dieser wahnwitzigen Geschichte, und Regisseur Andrej Woron ist der Mann der Stunde. Die Opulenz seiner Bühnenarbeit mischt sich perfekt mit dem ebenfalls grenzenlosen Einfallsreichtum Bulgakows.

Der russische Bär will nur spielen

Ort der Handlung ist eine grossbürgerliche Wohnung mit Spitzengardine und einem Ölgemälde, das eine Bärenmutter mit ihren possierlichen Bärenkindern zeigt – der russische Bär will nur spielen. Dass sich der bourgeoise Professor (Harald Schröpfer) mit Fertilität beschäftigt, gibt Anlass, Komik ins Spiel zu bringen. Alles schön anständig hinter einem Wandschirm. Ruhe bleibt dem Professor, seinem Assistenten (Axel Julius Fündeling) und der patent-attraktiven Haushälterin Sina (Renate Winkler) jedoch nicht, denn der neue Sowjetmensch tritt nun in Form der kollektiven Hausverwaltung auf den Plan (Antonia Jungwirth, Jonas Pätzold, André Rohde und Denis Ponomarenko).

Sieben Zimmer? Zu viel! Gut, dass der Professor einen einflussreichen «Kunden» hat. Also ist der Strassenhund jetzt an der Reihe: Aus Lumpi wird der Genosse Lumpikow, nachdem ihm Hoden und Hirnanhangsdrüse eines rauflustigen Balalaikaspielers eingesetzt wurden. Im Kreis wunderbar agierender Schauspieler kommt Nikolai Gemel diese besondere Rolle zu. Er macht aus dem liebenswürdigen, nicht nur über Krakauer philosophierenden Taugenichts, der sich krümmt oder behaglich ausstreckt, eine menschliche Figur, die ihre Menschlichkeit ablegt und ihren «Schöpfer» in die Enge treibt. Wer hier «gut» und wer «böse» ist, bleibt die Frage. Auch, ob die Welt wieder in Ordnung ist, als der Hund wieder Hund sein darf.

Regisseur Andrej Woron hat zum Fest geladen, zu einem wunderbaren Fest. In allem, mit allen.