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Zwei Filme zum 1. Mai: Arbeiterkampf auf Französisch

Zum Tag der Arbeit kommen zwei passende französische Spielfilme in die Kinos. «En Guerre» und «Nos batailles» handeln von Menschen, die in den Streik treten.
Regina Grüter

Laurent ist geschieden, hat der Ex-Frau ihre Hälfte des Hauses abgekauft, wird bald Grossvater. Und er ist Streikführer im Kampf gegen die Schliessung der Fabrik, die 1100 Arbeiterinnen und Arbeitern die Stelle kosten würde. Olivier ist verheiratet, zwei Kinder, neun und sechs, und Teamleiter in einem Online-Versandhandel. Er engagiert sich stark in der Gewerkschaft und kämpft für die Rechte seiner Kolleginnen und Kollegen.

Just zum «Tag der Arbeit» kommen zwei Spielfilme aus Frankreich in unsere Kinos, die sich auf sehr unterschiedliche und doch ähnliche Art und Weise mit der Komplexität der modernen Arbeitswelt beschäftigen, und das Wort «Kampf» findet sich in beiden Filmtiteln.

Wieso eine rentable Fabrik schliessen?

«En guerre», im Krieg gegen das Management des multinationalen Konzerns Perrin Industrie, befinden sich Vincent Lindon alias Laurent und seine Mitstreiter. Positiv formuliert kämpfen sie für Arbeit in ihrer Region und für die Einhaltung des Versprechens, dass ihre Arbeitsplätze für die nächsten fünf Jahre gesichert seien und dann wieder neu verhandelt werde.

Wieso eine rentable Fabrik plötzlich schliessen? Die in Deutschland ansässige Konzernleitung argumentiert mit den Gesetzen eines globalen Marktes, die eine Schliessung erforderlich machen würden. Sie haben das Recht auf ihrer Seite. Regisseur Stéphane Brizé stellt die beiden Lager einander gegenüber und breitet minutiös die verschiedenen Stadien dieses Arbeitskampfs aus, geprägt von Wut und Verzweiflung und immer wieder auch Hoffnung: der Aufmarsch vor dem Büro des Arbeitgeberpräsidenten, die Belagerung eines anderen Standorts von Perrin-Industrie, die Aussicht auf einen Käufer, Verhandlungen unter Mediation des Sozialberaters des Präsidenten bis zu Spaltungsversuchen seitens der Unternehmungsleitung mit hohen Abfindungen. Der emotionale und zermürbende Kampf artet auch in Gewalt aus.

«Trifft ziemlich vieles auf den Punkt»

Es sind heftige Reaktionen, die man so in der Schweiz nicht kennt. Die Schweiz liege im ­Vergleich zum europäischen Schnitt ziemlich weit unten, was Streikhäufigkeit und vor allem auch Streikbeteiligung anbelange, sagt Unia-Gewerkschaftssekretär, Sektor Bau, und Sozialwissenschafter Chris Kelley im Anschluss an eine Filmvorführung.

Es komme nicht von ungefähr, dass die Schweiz eher den Ruf habe, «streikscheu» zu sein. Und doch attestiert er «En guerre» aus eigener Erfahrung eine hohe Kredibilität: «Der Film trifft ziemlich vieles auf den Punkt.»

«Der Markt schreit nicht nach solchen Filmen. Sie müssen jedoch existieren», sagt Brizé, der 2015 «La loi du marché» mit Vincent Lindon gemacht hat. Hier der charismatische Wortführer im Zusammenspiel mit Laiendarstellern, spielt Lindon dort einen seit längerem arbeitslosen, introvertierten Fabrikarbeiter, der mit über 50 keinen Job als Maschinist mehr findet.

53 ist Oliviers Kollege in «Nos batailles». Er sei dem Arbeitstempo und der physischen Belastung einfach nicht mehr gewachsen, meint die Vorgesetzte. Auch eine Kollegin wird entlassen, als man von ihrer Schwangerschaft erfährt. Olivier, gespielt von Romain Duris, fühlt sich als Teamleiter verantwortlich und erhebt das Wort gegen die Entscheidungsträger, sieht sich aber nicht in der Lage, einen negativen Entscheid zu kommunizieren.

Es sind Leute, wie es sie zu Tausenden gibt

Während in «En guerre» die familiären Verhältnisse nur angedeutet werden, rückt sie der belgisch-französische Regisseur Guillaume Senez in seinem zweiten Spielfilm nach seinem Teenagerdrama «Keeper» mit Kacey Mottet Klein in den Fokus. Olivier geht früh morgens aus dem Haus und kehrt oft erst heim, wenn die Kinder Elliot und Rose schon im Bett sind. Seine Frau Laura arbeitet Teilzeit in einem Kleidergeschäft. Die Unfähigkeit des Paares, aufrichtig zu kommunizieren, führt auch dazu, dass Olivier eines Abends völlig überrascht vor einem leeren Kleiderschrank steht. Laura ist weg, und Olivier sieht sich plötzlich allein in der Vaterrolle.

Noch vor der Gelbwestenbewegung schrieben die Autoren Drehbücher über Leute, wie es sie zu Tausenden gibt. Familien, beide berufstätig, wo das Geld gerade so reicht bis zum Ende des Monats. Alleinerziehende, für die der Spagat zwischen Beruf und Kindern ein ständiger Kampf ist. Eine Kräfteverschiebung in einem solch fragilen Familiengefüge verträgt es nicht.

Hinweis «En guerre»und «Nos batailles» ab heute in den Kinos

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