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Baze: Der Inkonstante veröffentlicht eine neues Album

Der Berner Rapper Baze hat soeben den Schweizer Musikpreis gewonnen. Weitermachen wie bisher ist für den 38-Jährigen aber keine Option, er klingt immer wieder anders.
Michael Graber

Der Sommer liegt in seinen letzten Zügen, und Baze sitzt in seiner tiefentspannten Art in einem Café in Bern und trinkt ein Bier. In seinem Bart hat es mittlerweile das eine oder andere graue Haar, aber ganz grundsätzlich sitzt man da einem Mann gegenüber, der recht zufrieden scheint mit dem Leben. Der 38-jährige Basil Anliker ist eine der konstanten Inkonstanten der Schweizer Musikszene. Lange Jahre war er als Rapper alleine oder mit der Chlyklass unterwegs, lebt sich gleichzeitig mit Projekten wie den Boys on Pills oder den Tequila Boys aus, immer war er dabei der leicht brummlige Typ, der zwischen schnapsgetränkter Euphorie und lebensgetränkter Depression pendelte.

Immer war er dabei auch ein unruhiger Geist, musikalisch blieb er selten bis nie stehen, sein Flow war immer schon etwas verbremster, seine Ideen immer etwas mutiger. Mit «Bruchstück» hat er im letzten Jahr ein grandioses Album veröffentlicht. Zusammen mit einer Jazz-Band schrieb er Texte über gescheiterte Existenzen, oder solche die noch scheitern werden. Es stimmt irgendwie alles an dieser Platte. Und sie kam in genau jenem Moment, in der sich viele fragten, wie moderne Mundartmusik klingen könnte, abseits der Fahnenschwinger-Heiterkeit eines Trauffers.

Irgendwie glaubte man da, dass Baze jetzt seinen Sound gefunden hat. Aber eben: er ist konstant Inkonstant. Auf «Gott», das diesen Freitag erscheint, ist der Jazz wieder weggeblasen. Ersetzt wird er durch sphärische Soundlandschaften. Etwas «chräschelen» müssten sie, sagt Baze auf Berndeutsch. Was auch immer das Wort genau bedeutet: Es trifft jenes Gefühl, welches man beim Durchhören hat. Zusammen mit Ben Mühlethaler, der schon massgeblich am neuen Album von Steff la Cheffe beteiligt war, hat Baze diese breiten, dichten Beats erdacht, die man eigentlich kaum als Beats bezeichnen kann.

Von Menschen, die taumeln

Darüber erzählt Baze seine Geschichten. Es sind immer noch Geschichten von taumelnden Menschen, mittlerweile taumlen sie aber nicht nur dem Abgrund entgegen, sondern taumeln manchmal auch vor Glück, oder sie taumeln einfach so.

«Ich fände es langweilig nur über die glücklichen Seiten des Lebens zu schreiben.»

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger «Bruchstück» sei «Gott» aber fast «schon eine lebensbejahende Platte», sagt Baze und lacht. Glück ist immer eine Frage der Perspektive.

Und es seien auch nicht immer seine Geschichten, gibt er zu bedenken, ihn würden halt oft die dunklen Seiten mehr interessieren, auch weil sie oft weniger ausgeleuchtet seien und mehr Geheimnisse verbergen. Anders als viele Musiker will Baze in seinen Texten auch nicht alles erklären, er lässt seinen Figuren ebenfalls Geheimnisse, das lädt zum Denken ein.

In «Schtoub» wandert Baze etwa durch das Haus seines Lebens. Er trifft sich einen Stock höher als 58-Jährigen und hört weiter unten einem Beziehungsstreit mit seiner Ex-Freundin zu. Wie geht man mit solchen Erinnerungen und Zukunftsvisionen um? Baze singt im Refrain: «A gwüssne Tage zündi mis Huus a und lösche dr Brand immer churz bevor d’Schmier chunt. I wott nid gseh, wis zu Schtoub wird.» Egal wie man mit seinem Schicksal hadert, ganz missen will man es dann doch nicht. Das sind typische Baze-Zeilen.

«Rap ist mittlerweile Pop»

Auch in «Roscht» gibt es solche Zeilen. Darin geht es um eine Beziehung, die ganz offensichtlich nicht im Guten auseinandergegangen ist. Er lässt sich aus, über alles was ihn an der Frau genervt hat. Seien es ihre Haare, die den Abfluss verstopfen, oder der Gestank ihres nassen Hundes. Der einzig positive Nebeneffekt: «I ha vergässe di z’vermisse». Nur um dann hinterherzuschieben: «Glich stecksch i jedere Zile, weisch so schnäu chunsch de doch nid vonenand los.»

Soeben hat Baze den Schweizer Musikpreis gewonnen, nachdem er im letzten Jahr auch vom Kanton Bern ausgezeichnet wurde. Im Beschreibungstext steht über Baze: «Stimm- und wortgewaltig rappt er in Mani Matters Dialekt.» Der Vergleich mit Matter ist so unnötig wie unvermeidlich, zeigt aber auch auf, dass Baze längst über die Rap-Szene ausstrahlt – oder natürlich wo der Rap mittlerweile angekommen ist. «Rap ist ja mittlerweile Pop», sagt Baze. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum er selber längst nicht mehr klassischen Rap macht – «für verbale Schwanzvergleiche bin ich auch ein bisschen zu alt», ergänzt er mit einem Lachen.

Geschichten wuchern langsam aus

Was Baze auszeichnet, ist seine präzise Beobachtungsgabe und seine Art, das in Zeilen zu giessen. «Uf üs wartet immer no Grosses und uf mim Täuer ligt es Schnitzu mit Pommes» zum Beispiel. Oft beginnen die Geschichten harmlos und wuchern sich dann langsam aus. Oder er besingt trivial-trostlose Dingen wie die A1, ein Ort «auf dem viel Zeit liegen­geblieben ist». Dazu wummert ein Beat, der klingt, als fahre man bei dichtem Nebel auf der A1.

«Bruchstück» und «Gott» seien beinahe gleichzeitig entstanden, sagt Baze. Sie sind auch Zeugnis der musikalischen Wandelbarkeit des Musikers. In seinem Kopf geistern bereits die nächsten Ideen rum. Er erzählt, dass er bald mal «ein Rockalbum – oder, besser, schreib: Doom-Metal» machen wolle. Bei vielen anderen, würde man das als Dummschwätzerei abtun, bei Baze glaubt man es. Auch weil er während des Interviews quer über den Platz hepet, weil er einen Musiker entdeckt hat, mit dem er ebendieses Projekt realisieren will. Die Wandelbarkeit erfordert auch eine grosse Beweglichkeit im Flow. «Oft begreifen die Leute gar nicht, dass es fast schwieriger ist, langsam zu singen und zu rappen. Das ist rhythmisch meist deutlich anspruchsvoller», so Baze. Das grosse Kunststück das ihm dabei gelingt: Baze klingt immer nach Baze.

Trotzdem: Mit der Jazzband von «Bruchstück» arbeitet er immer noch zusammen. Zu grossen Teilen stellen sie auch seine aktuelle Liveband und an neuen Lieder arbeite man auch. Man wird an diesem Sommertag das Gefühl nicht los, dass es Baze guttut, wenn mindestens drei Projekte parallel laufen. Bei ihm konkurrenziert sich das nicht, sondern befruchtet sich gegenseitig.

Baze: Gott (iGroove). Live: 2. November, Reitschule, Bern; 9. November, Südpol, Luzern; 8. Dezember, Kiff, Aarau. Alle Daten und Tickets unter www.baze.ch

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