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Neue Sammlungsleiterin Alexandra Blättler im Kunstmuseum Luzern: «Der Kunstblick ist zu männlich»

Seit April leitet Alexandra Blättler die Sammlung des Kunstmuseums Luzern. Die Innerschweizerin ist spezialisiert auf Zeitgenössisches, Videokunst und Fotografie. Sie möchte besonders Frauen fördern.
Céline Graf
Pendelt aus Zürich: Alexandra Blättler auf der «Giant Swing 2» der Schweizer Künstlerin Claudia Comte. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 11. April 2019)

Pendelt aus Zürich: Alexandra Blättler auf der «Giant Swing 2» der Schweizer Künstlerin Claudia Comte. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 11. April 2019)

Einmal lebte im Seetal ein Mädchen, das mit Hingabe Bilder von abstrakten Künstlern kopierte. Paul Klee und Max von Moos gehörten zu ihren Lieblingen. «Ich habe schon früh auf Kunst reagiert, das lag mir mehr, als selbst welche zu schaffen», sagt Ale­xandra Blättler. Die Idee, Kunst tatsächlich zum Beruf zu machen, kam ihr, während sie an der Universität Zürich Kunstgeschichte studierte. Ein Assistent riet ihr zum Schwerpunkt zeitgenössische Kunst, weil sich dort in Zukunft viele Jobs öffnen würden. Er prophezeite richtig.

«Ich freue mich, zu meinen Innerschweizer Wurzeln zurückzukehren», sagt Blättler. Sie ist in Hergiswil geboren, in Ballwil aufgewachsen und wohnt seit dem Studium in Zürich. Auf April hat sie die Leitung der Sammlung im Kunstmuseum Luzern von Heinz Stahlhut übernommen.

Kuratorin mit Passion für Konzeptkunst

Die 42-Jährige bringt Fachwissen in Konzeptkunst des 20. Jahrhunderts und zeitgenössischer Schweizer Kunst mit. Das sind auch Schwerpunkte der Museumssammlung. Speziell gut passt Blättlers Passion für die 70er- und 80er-Jahre. In ihrer Doktorarbeit erforscht sie wie schon im Lizenziat den holländischen Performance- und Videokünstler Bas Jan Ader, der 1975 jung bei einer gefährlichen Segelaktion auf dem Atlantik starb.

Bisher war Alexandra Blättler am meisten als Kuratorin engagiert. Erste Erfahrungen sammelte sie in der Kunsthalle St. Gallen und im Migros-Museum für Gegenwartskunst. Weitere Einsätze hatte sie am Kunsthaus Zürich und am Fotomuseum Winterthur. Von 2004 bis 2013 war sie Kuratorin der Stiftung Binz39 in Zürich und von 2010 bis 2012 der Gebert-Stiftung für Kultur in Rapperswil-Jona. Seit 2006 programmiert sie Fotografieausstellungen in der Coalmine Winterthur. Jene Stelle verlässt sie nun für die neue.

«Quote braucht es»

Am Kunstmuseum Luzern ist sie unter anderem für die Erweiterung der Sammlung zuständig. Besonders will sie sich dabei für Frauen einsetzen, wie sie ankündigt. In der Kunstkommission des Kantons Zürich, der sie angehört, ist sie dafür sensibilisiert worden. «Wir achten darauf, gleich viele Frauen wie Männer zu fördern.»

Der Einwand, dass doch primär gute Kunst gefördert werden solle, empört sie. «Der Blick, der gute Kunst definiert, ist stark männlich geprägt.» Zwar nicht mehr derart wie zu ihren Studienzeiten. Damals habe es nur männliche Professoren gegeben, die fast nur Kunst von Männern berücksichtigt hätten. In Luzern sind unter Fanni Fetzers Direktion vermehrt Werke von Frauen erworben worden. «Aber eine Quote braucht es, bis sie gleichberechtigt sind», findet Blättler.

«Sehr kurze» Phase der Einarbeitung

Andere Aufgaben sind für die neue Sammlungskonservatorin eher Neuland. Das betrifft etwa die Konservierung und Archivierung der Kunst sowie die Administration der Leihgaben.

In ihrer «sehr kurzen» Einarbeitungsphase landete bereits ein Schadensfall auf ihrem Schreibtisch. Alexandra Blättler, die auf alles eine eloquente Antwort parat hat, brachte das nicht aus der Ruhe. Sie sagt: «Es war ein Wunsch von mir, mich weiterzuentwickeln und nicht für immer im gleichen Bereich zu bleiben.» Sie sei gespannt, mehr «an der Basis» und in der Wissenschaft zu arbeiten und auch in einem grösseren Team.

Ihr 70-Prozent-Pensum umfasst auch die Digitalisierung des Videokunstbestands, die unter Heinz Stahlhut begonnen hat. Es ist einer der grössten Brocken. Alexandra Blättler macht zu diesem Thema gemeinsam mit Eveline Suter eine Ausstellung. «Vom Band zum Byte» eröffnet im September dieses Jahres und handelt von der Frage, wie audiovisuelle Kunst in Zukunft gespeichert und rezipiert wird.

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