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Der Meister der Drums

Fredy Studer veröffentlicht kurz nach seinem siebzigsten Geburtstag seine erste Soloplatte. Mit «Now’s the Time» macht der Schlagzeuger den Master – und meint das nicht nur ironisch.
Katharina Thalmann
Der Schlagzeuger Fredy Studer (70) tritt am Jazzfestival Willisau auf. (Bild: Ben Huggler/PD)

Der Schlagzeuger Fredy Studer (70) tritt am Jazzfestival Willisau auf. (Bild: Ben Huggler/PD)

Wer mit Fredy Studer ein Gespräch führt, weiss: Er ist ein Mann der klaren Worte, jedoch nie ohne philosophische Tiefe. Und so klingt auch seine erste Soloplatte «Now’s the Time». Fredy Studer macht dem Publikum zu seinem Siebzigsten damit ein grosses Geschenk. Die Platte erscheint als Doppel-LP und mit einem Buch in einer schmucken Box.

Ist eine Doppel-LP auf Vinyl nicht anachronistisch in Zeiten der Downloadcodes und Streamingportale? Nein, ist Studer überzeugt: «So etwas ist exklusiv in der Zeit der Massenware.» Für ihn sind CDs ein Auslaufmodell, «das war im Nachhinein eine Übergangslösung, wie damals das Faxgerät.» Ausserdem höre man ab Schallplatte anders Musik, weil man nicht einfach zappen kann. «Und mir gefällt der warme Sound – aber das ist persönliche Geschmackssache.»

Die Maschine ölen

Am 1. September spielt Studer das Release-Konzert im Rahmen des Jazzfestival Willisau. «Nach Abschluss der Aufnahmen habe ich die Stücke für Wochen zur Seite gelegt. Jetzt setze ich mich wieder ans Schlagzeug – um die Maschine etwas zu ölen.» Natürlich wird er in Willisau nicht einfach seine Soloplatte vorspielen: «Material, Ablauf und Dramaturgie werden während des Konzerts eventuell wieder gebrochen. Was ich mir jetzt ausdenke, sind vor allem die Übergänge zwischen den Stücken.»

Der Ursprung der Idee einer Soloplatte stammt ebenfalls aus Willisau: 2013 spielte Studer dort ein kurzes Solokonzert und bekam darauf eine «wahnsinnige Resonanz», wie er sagt. Trotzdem war das Projekt eine Herausforderung. Zunächst, weil Musik in Studers Verständnis ein Gemeinschaftswerk ist: «Ich spielte immer mindestens im Duo. Das ist die intimste Form. Wir Musiker werden bisweilen beneidet von Literaten und Künstlern, die immer allein arbeiten. Eine Band – das ist doch das Grösste!» Als Band bezeichnet er übrigens auch das Projektteam um Kurt Murpf, den Grafiker Camillo Paravicini, Pirmin Bossart und Christine Weber. «Sie haben alle hervorragende Arbeit geleistet. Und es gab keine Hierarchie, alle arbeiteten auf Augenhöhe.»

Groove und Geräusch

Dann habe er sich natürlich die Frage stellen müssen, was er sich überhaupt unter Solo-Schlagzeugmusik vorstellt. «Viel schneller habe ich aber gewusst, was ich nicht will. Und ich habe mir die Verbindung von Groove und Geräusch zum Programm gemacht.» Im Buch hebt er hervor: «Ich bin Schlagzeuger. Das muss für mich erkennbar bleiben. Es interessiert mich nicht, auf dem Schlagzeug Querflöte zu spielen.»

Wie eine Querflöte klingt «Now’s the Time» freilich nie: Die Platte beginnt mit einem ungestümen, vorfreudigen Jazzbeat. Als könne es Studer kaum erwarten, die Hörerinnen und Hörer mitzunehmen auf seine Fahrt durch Sounds und Rhythmen. Er verwendet kaum exotische Perkussionsinstrumente, bleibt seinem Drumkit treu, und «die Beschränkung auf Felle und Metall half.» Unmissverständlich klar entfalten sich die Stücke, trotz orchestral anmutender Sounds. Das Vokabular ist – wie wenn Studer spricht – immer präzis und nie überfrachtet. Und vor allem ist es Musik, die völlig frei ist von Eitelkeiten. «Aus diesem Alter bin ich raus», sagt Studer schlicht. Angesprochen auf die frappante Unmissverständlichkeit, meint er: «Diesen Anspruch hatte ich!»

Von Schlagzeughelden bewertet

Und er macht mit «Now’s the Time» seinen Master – nach 50 Jahren Bachelor. Wie kommt denn das? «Das ist natürlich zum Teil ironisch gemeint. Der Master ist eine relative Grösse. Es gibt ja verschiedene Kritikerinnen und Kritiker. Vielfach meinen sie zu hören, was man als Musiker macht. Nur stimmt das nicht immer.» Deswegen hat er seine Aufnahme an vier seiner Schlagzeug-Helden mit Bitte um Bewertung geschickt: Vinnie Colaiuta, Jack DeJohnette, Jim Keltner und Paul Lovens. Ihre Antworten sind des Lobes voll.

So schreibt Colaiuta: «Deine Texturen und Rhythmen sind meisterhaft. Sie decken eine Unmenge an Emotionen und imaginären Situationen ab. Du spielt absolut grossartig und Du lässt den Hörer mitkomponieren... Ob spontan oder geplant.» Und hat Fredy Studer jetzt den Master? «Es scheint so», sagt er. Das war wieder so ein Satz: klar, aber nicht ohne philosophische Tiefe.

Erstes Soloalbum

Fredy Studer veröffentlicht sein erstes Soloalbum «Now’s the Time» am Jazzfestival Willisau. Er gilt als einer der bedeutendsten Schlagzeuger seiner Generation und darüber hinaus. «Now’s the Time» erscheint als Doppel-LP in einer Box mit einem Buch. Dort kommen verschiedene Weggefährtinnen und -gefährten zu Wort, aber vor allem Studer selbst: «Oral History auf dem See» ist ein Gespräch in 20 Kapiteln mit dem Musikjournalisten Pirmin Bossart. Es erzählt von Studers Anfängen auf der Basler Trommel, über seine Zeit mit OM bis zu seiner aktuellen Band Phall Fatale. Neben zahlreichen Fotografien, die zum Durchblättern einladen, findet sich auch eine umfassende Diskografie, und das Personenverzeichnis macht die Handhabung unkompliziert. Die beiden LPs, produziert von Roli Mosimann, bestechen durch ihr unmissverständliches Vokabular, ihre Klarheit und ihre Virtuosität im besten Sinne. (kt)

Fredy Studer Solo, Samstag, 1. September 2018, 14 Uhr, Hauptbühne Jazzfestival Willisau. Die Box kann bezogen werden via everestrecords.ch oder maniacpress.ch

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