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Der mit dem Cello tanzt: Pieter Wispelwey spielt Bachs Suiten

Sechs Suiten auf einen Streich, in zwei Konzerten am Sonntag in der Tonhalle St. Gallen: Danach war der Holländer Pieter Wispelwey noch zum munteren Talk aufgelegt. Sein Spiel begeisterte durch Neugier und Experimentierfreude.
Bettina Kugler
Seit vierzig Jahren musikalisch im Gespräch mit Bach: Pieter Wispelwey (Bild: PD)

Seit vierzig Jahren musikalisch im Gespräch mit Bach: Pieter Wispelwey (Bild: PD)

Wie übermütig Pieter Wispelwey sein kann, wie gern er Eingebungen des Augenblicks neugierig folgt, das merkte man schnell in seinen zwei Konzerten am Sonntag in der Tonhalle: einem Bachfest der Extraklasse. Die sechs Cellosuiten standen auf dem Programm, in zwei Etappen, am Vormittag und späten Nachmittag. Ein kräftezehrender Marathon? Nein, eher ein leichtfüssiger Spaziergang, bei dem man immer weiter vorwärts möchte und am Ende geistig so frisch und voller Energie ist, dass es noch eine Zugabe braucht.

Da zeigte sich Wispelwey bereits so locker und witzig wie kurz darauf im Nachgespräch mit Konzertdramaturgin Franziska Frey im Foyer. «Die siebte!», kündigte er an – um noch einmal von vorn zu beginnen, mit dem Prélude der ersten Suite. Ein Wink an Johann Sebastian: Wir bleiben im Gespräch. Sechs mal sechs Charakterstücke sind die Bachschen Suiten für Violoncello, auf den ersten Blick dem Muster barocker Tänze folgend. Dabei verbirgt und zeigt jeder einzelne Tanzsatz sein eigenes Gesicht, ein einzigartiges Temperament, das je nach Interpret sehr unterschiedlich in Erscheinung treten kann. Und Pieter Wispelwey, bei aller Konzentration und Versenkung, die es erfordert, das Werk am Stück zu spielen, gab sich zum Tanzen aufgelegt.

Dem "schönen Rätsel" immer neu auf der Spur

Lange genug ist er mit den Suiten unterwegs, um zu wissen, dass sie ihn in jedem Konzert neu überraschen werden: Der Saal spielt mit, das Publikum darin; seine geistige Verfassung, das Instrument, welches er wählt. Ob er schlechte Träume hatte oder im Kopf ganz frei werden kann. Vertraut ist ihm das Werk, und doch «ein schönes Rätsel». Schon im Jahr 2000 kam er auf rund tausend gesamthafte Aufführungen der Suiten.

"Es muss spontan und ehrlich sein. Ich muss den Kopf leer haben und keine speziellen Absichten, dann passiert etwas. Dann redet Bach mit."

In der Zwischenzeit hat der Holländer zwei weitere CD-Einspielungen veröffentlicht – und sich unablässig konzertant auf das Gespräch mit Bach eingelassen, auf den Notentext, der «eine ganze Enzyklopädie» ist, wie er sagt. Beglückend, wie Pieter Wispelwey seine Zuhörer mitblättern und darin studieren lässt. Ohne altklug sein profundes Wissen auszubreiten.

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