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Manche Stars kriegen von der Bühne nie genug

Nicht der Musiknachwuchs, sondern Altstars lassen die Konzertkassen zuverlässig klingeln. Kein Wunder, wollen sich die Rolling Stones und Co. nicht vom Livegeschäft verabschieden.
Michael Gasser
Denkt vorläufig nicht daran, von der Bühne abzutreten: Keith Richards mit den Rolling Stones.

Denkt vorläufig nicht daran, von der Bühne abzutreten: Keith Richards mit den Rolling Stones.

Die Zahlen geben ihnen recht: Die Top 10 der Musiker, die im vergangenen Jahr mit ihren Konzerten am meisten Geld gescheffelt haben, sind vorwiegend ­Musikgrössen, die seit einer gefühlten Ewigkeit im Rampenlicht stehen. Das Geld scheint genügend Anreiz dafür zu sein, im ­Geschäft zu bleiben. Als Topverdiener schwingen die irischen Rocker U2 – formiert 1976 – mit Bruttoeinnahmen von 316 Millionen Dollar obenaus. Gefolgt von der 1985 gegründeten Hardrocktruppe Guns n’ Roses, die es auf immer noch erkleckliche 295 Millionen Dollar brachte.

Auf den vordersten Plätzen der Liste finden sich weder Rapper noch Frauen, dafür vorwiegend ältere Herrschaften wie Paul McCartney, die Rolling Stones oder Depeche Mode. Als einzige «Jungspunde» vermochten sich der 32-jährige R-’n’-B-Sänger Bruno Mars und der 27-jährige Singer-Songwriter Ed Sheeran unter die Topverdiener einzureihen.

Viele nie endende Abschiedstourneen

Trotz dieser beiden Ausreisser scheint klar: Das Konzertbusiness stützt sich zu einem gewichtigen Teil auf Künstlerinnen und Künstler, die sich – wie etwa die 60-jährige Madonna – dem Rentenalter annähern oder längst darüber hinaus sind. Selbst der Crooner Tony Bennett, der Wärme und Intimität verströmt hat und der seine grössten Erfolge in den frühen 1960er-Jahren feierte, kann nicht von der Bühne lassen. Und das, obschon er mittlerweile 92 Jahre alt ist und seine Stimme ihre einstige Strahlkraft eingebüsst hat.

Musikstars, die sich dauerhaft aufs Altenteil zurückziehen, sind jedenfalls selten. Als die US-amerikanische Entertainerin Cher 2004 ihre Abschiedstournee verkündete, waren viele skeptisch. Zu Recht, wie sich bald schon zeigen sollte. Und die 72-Jährige ist weiterhin unterwegs – aktuell mit Liedern von Abba. Nach 45 Jahren im Geschäft haben vor wenigen Wochen auch die Hardrocker Kiss ihre Farewell-Tour angekündigt. Gitarrist Paul Stanley liess gegenüber den Medien verlauten: «Wer uns noch nie live gesehen hat, sollte die Chance ergreifen» – was sich wie cleveres Marketing anhört. Schliesslich haben sie schon mehrfach bekannt­gegeben, nun definitiv in den Ruhestand treten zu wollen.

Ein Abgang mit Stil

Im Februar dieses Jahres liess Paul Simon, einst die bessere Hälfte des Duos Simon & Garfunkel, wissen, dass er sich im Herbst zwar nicht von der Musik, aber von der Bühne zurückziehen wird. Gegenüber dem Musikmagazin «Rolling Stone» erklärte der 76-Jährige, er habe sich lange gefragt, wie das auf ihn wirken werde:

«Jetzt weiss ich es: Es fühlt sich etwas beunruhigend und etwas berauschend an und hat auch etwas Erleichterndes.»

Vor kurzem war es nun so weit: Als Simon in New York zum letzten Song, «The Sound of Silence», ansetzte, schimmerten Tränen in seinen Augen. Vom Publikum, das sich bei ihm mit tosendem Applaus bedankte, verabschiedete er sich mit den Worten: «Das bedeutet mir mehr, als ihr ahnt.» Ein Abgang mit Stil.

Nathan Hubbard, langjähriger Chef der US-amerikanischen ­Ticketvertriebsgesellschaft Ticketmaster, rechnete 2016 in einem Artikel für das Online­portal «The Ringer» vor, dass das Durchschnittsalter der 50 zugkräftig­sten Musikerinnen und Musiker aus sämtlichen Genres bei 49 Jahren liege. «Das sind positive Nachrichten für Künstler mit anhaltender Karriere», bilanzierte er. Bekanntlich schwinden die Einnahmen aus Plattenverkäufen. Gemäss Hubbard stammen die Einkünfte von Musikerinnen und Musikern mittlerweile bis zu 90 Prozent aus Konzerterlösen.

Gelegentlich kann auch der Ruf leiden

Das dürfte erklären, warum sich viele von ihnen damit schwertun, der Bühne zu entsagen. Selbst auf die Gefahr hin, die eigene Reputation zu beschädigen. Dass ein verdienter Künstler wie der 73-jährige Eric Clapton auf Mitte Oktober ein Album mit Weihnachtsliedern mit dem Titel «Happy Xmas» ankündigt, dürfte seinem guten Ruf als Blueser kaum dienlich sein. Aber vielleicht klingeln die Kassen – und falls nicht, dann hat er sich für weitere Auftritte wieder ins Gespräch gebracht.

Auch mit 73 Jahren tritt Clapton noch auf.

Auch mit 73 Jahren tritt Clapton noch auf.

In den späten 1960er-Jahren richteten sich viele nach dem Slogan «Traue keinem über 30». Umgemünzt auf das Musikgeschäft würde dies bedeuten, dass man heute so gut wie niemandem mehr sein Gehör schenken darf. Zumal selbst Rapper wie Eminem, 45, und Drake, 31, oder Pop-Sängerin Rihanna, 30, diese Altersgrenze bereits hinter sich gelassen haben. Das führt etwa zur Einsicht, dass nicht die Anzahl der weissen Haare zählt, sondern dass die Musikschaffenden es verstehen, ihre Glaubwürdigkeit auf der Bühne zu bewahren: Statt im Publikum nur eine Milchkuh zu sehen und dieses mit alten Kamellen abzuspeisen, empfiehlt es sich möglicherweise, zu seinen Wurzeln zurückzukehren oder auch noch einmal etwas zu wagen.

Verschiedene Wege, die Bühnenpräsenz zu erhalten

Der – zumindest in Europa – lange Zeit belächelte und 2003 verstorbene Johnny Cash verstand es, in seinen letzten Lebensjahren seinen Country-Sound wieder zu dessen kargen Ursprüngen zurückzuführen. Bruce Springsteen, unterdessen auch schon 69 Jahre alt, zeigt sich zwar nicht sonderlich innovativ, überzeugt aber durch seine Schaffenskraft, die sich in stets mehrstündigen Konzerten widerspiegelt. Und der 76-jährige Ex-Beatle Paul McCartney nimmt sich immerhin noch die Mühe, seine Auftritte nicht nur mit den Hits von einst zu bestreiten, sondern auch mit neueren Musikexperimenten anzureichern.

Wer den Wunsch verspürte, Bob Dylan oder die Rolling Stones doch noch einmal live zu erleben, konnte sich diesen wohl bereits mehrfach erfüllen. Was jenen wie diese jedoch nicht davon abhält, weiter Konzerte zu geben. So hat der 77-jährige Dylan bis Ende Jahr noch über vierzig Auftritte geplant. Doch wie auch immer: Die Zeit von McCartney und Co. läuft naturgemäss in nicht allzu ferner Zukunft ab. Geniessen wir also die Jahre, die uns mit ihnen noch bleiben werden.

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