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Der «Schacher Seppli» ist tabu

Eine Mischung aus Geschichte und Gegenwart. So präsentiert sich heute das Wohnhaus an der Rütibachstrasse in Giswil. Hier war Ruedi Rymann mit seiner Familie zu Hause.
Stephan Santschi
Hier hat schon Ruedi Rymann viel Zeit verbracht: die Geschwister Rymann mit Peter, Annemarie und Silvia auf dem Bänkli vor dem Elternhaus in Giswil. (Bild Pius Amrein)

Hier hat schon Ruedi Rymann viel Zeit verbracht: die Geschwister Rymann mit Peter, Annemarie und Silvia auf dem Bänkli vor dem Elternhaus in Giswil. (Bild Pius Amrein)

Vor drei Jahren ist ein Teil des Hauses modernisiert worden. Die vordere Hälfte trägt aber noch immer die alte Fassade. «Im Inneren erinnern die Eckbank und das Buffet an frühere Zeiten», sagt Peter (39). Er, der einzige Sohn, der seinem Vater stark ähnelt, bewohnt nun mit seiner Frau das Elternhaus. «Der Geist unserer Kindheit ist noch vorhanden, aber nicht mehr so frisch», bemerkt Annemarie (48). «Das Leben geht weiter», ergänzt Silvia (47).

Musikalisches Erbe übernommen

Die drei Geschwister sitzen am Tisch in der Küche des Elternhauses. Peter, Annemarie und Silvia haben sich mittlerweile in der Folklore-Szene einen eigenen Namen gemacht. Die Schwestern jodeln und singen, der Bruder begleitet sie mit dem Schwyzerörgeli. Als Geschwister Rymann treten sie an Geburtstagsfeiern, Jubiläen oder Beerdigungen auf. Dazwischen liegen prominente Gastspiele, wie beispielsweise in der Sendung «Potzmusig» des Schweizer Fernsehens oder an der Geburtstagsfeier von alt Bundesrat Samuel Schmid. «Mit ihm haben wir heute noch Kontakt», verrät Annemarie. Vor zwei Jahren schickten die Geschwister Rymann ihre vierte CD auf den Markt. Zwar sind alle drei berufstätig, die Volksmusik sei nur ein Hobby. «Trotzdem kann man sagen, dass wir das musikalische Erbe unseres Vaters weiterführen», sagt Silvia.

Der 2008 im Alter von 75 Jahren an einer Leberkrebserkrankung verstorbene Vater Ruedi produzierte mit seiner Interpretation des «Schacher Seppli» offiziell den grössten Schweizer Hit aller Zeiten. Zu seinem Andenken ist in Giswil ein zweiteiliger Wanderweg mit einer Statue am Start erstellt worden. Diese Berühmtheit kann für Kinder auch belastend sein. «In der Primarschule mussten wir bei einem Lied immer zuvorderst stehen. Unser Name verpflichtete. Dabei haben wir damals noch gar nicht singen wollen», erinnert sich Annemarie.

Das hat sich in der Zwischenzeit grundsätzlich verändert. Die Fussstapfen des Vaters sind zwar gross, doch es war nie in seinem Sinne, dass jemand in diese hineinzupassen hätte. Der Nachwuchs begeisterte sich zunächst sowieso eher für Roy Black oder Elvis Presley. 1983 traten Annemarie und Silvia im Teenageralter dann erstmals gemeinsam auf – als Überraschung zum 50. Geburtstag des Vaters. Kritik übte er nie, vielmehr gab es Lob oder ein beruhigendes «nur nichts anmerken lassen», wenn etwas schief ging. Die Kinder spürten seine Beliebtheit, aber keine Erwartungshaltung.

«Schacher Seppli» gehört Ruedi

Dass die Legende von Ruedi Rymann lebt, wird ihnen immer wieder bewusst. «Ich werde in meinem Wohnort Kriens fast täglich auf meinen Vater oder auf unsere Lieder angesprochen. Das ist unglaublich», sagt Silvia. An den Auftritten werden oft die Lieder des Vaters gewünscht. Für die Geschwister Rymann kein Problem, schliesslich widerspiegle sich darin dessen Liebe zur Natur und zu seinem Beruf als Wildhüter. Eine Ausnahme gebe es allerdings: den berühmten «Schacher Seppli». Diesen Hit singen die Geschwister nie vollständig, sondern tragen jeweils nur die letzte Strophe vor. «Dieses Lied gehört unserem Vater. Wir können es nicht so gut wie er es konnte», sagt Annemarie. Und Silvia verheimlicht nicht, dass die aufkommenden Erinnerungen auch fünf Jahre nach dem Tod des Vaters noch immer überwältigend sein können.

Gemeinsam mit dem Vater auf Tour

Erinnerungen, wie jene an die Kindheit beispielsweise, als man den Vater auf seiner Tour über die Fluonalp begleitete. «Auf beiden Seiten ging es steil runter. Wir realisierten erst später, wie gefährlich das war. Meine Schwester Trudi verlor einmal einen Ski, den wir erst im Frühjahr wieder fanden», erzählt Peter. Unvergessen sind auch die gemeinsamen Auftritte. Das Ziel zu finden, sei ohne GPS nicht immer einfach gewesen. «Wenn das nur gut geht ...», pflegte der Vater dann mit einem Schmunzeln zu sagen. Silvia weiss derweil von einer Szene in Bern zu berichten. «Wir verhielten uns wie Landeier in der grossen Stadt. Wir standen im Lift des Hotels und warteten, dass sich die Türe öffnete. Wir merkten nicht, dass dies auf der anderen Seite hinter unserem Rücken passierte.» Entsprechend überrascht war man, als der Lift plötzlich wieder nach unten fuhr.

Peter in den Fussstapfen des Vaters

Die Ruhe des Vaters habe ihnen stets Sicherheit gegeben, sein Humor sorgte für viele Lacher. Heute übernehme Peter diese Rolle. Wie harmonisch die Geschwister Rymann aufeinander abgestimmt sind, zeigt sich am Ende des Gesprächs während eines privaten Ständchens. Das Jodellied «Miär singe» sorgt für Hühnerhaut. In diesem Moment rückt die Gegenwart im Wohnhaus an der Giswiler Rütibachstrasse in den Hintergrund. Und macht Platz für die besondere Geschichte.

Musik: Hören Sie den «Schacher Seppli» auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

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