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Michael Fehr hat den urtümlichen Sound eines Blues-Erzählers

Simeliberg»-Autor Michael Fehr (36) ist auch ein eigenwilliger Performer. Auf dem Album «Im Schwarm» musikalisiert er seine Texte mit einer exzellenten Band.
Pirmin Bossart
Michael Fehr (links) und der Luzerner Gitarrist Manuel Troller. Bild: PD/Franco Tettamanti

Michael Fehr (links) und der Luzerner Gitarrist Manuel Troller. Bild: PD/Franco Tettamanti

Blues ist ein bewährtes Fundament, um Emotionen Raum zu geben, Geschichten zu erzählen oder sich auszutoben, wenn es sein muss. Mit Blues lässt sich nicht blenden. Je weniger Rollenspiele und Kostümierungen, wie beim Pop, desto besser. Blues braucht keine Wirkung, um zu wirken. Am besten ist er, wie er ist. Ist er wie Michael Fehr? Wir wissen es nicht. Aber Michael Fehr ist wie der Blues. Es kommt aus ihm heraus.

Dass Fehr eine Affinität für das Elementare des ursprüng­lichen Blues hat, hörten wir vor einigen Jahren im Kleintheater Luzern, als er einen Impro-Text spontan und a cappella wie ein archaischer Blueser intonierte. 2016 war er als Sänger auf dem Album «Bruxelles» von Simon Ho zu hören. In diesen Jahren begann er auch eine Zusammenarbeit mit dem Luzerner Gitarristen Manuel Troller (Schneller­tollermeier). An den Stanser Musiktagen 2016 wurde das Duo zu einer Band erweitert. Sie blieb zusammen, gab zahlreiche Konzerte und hat jetzt mit dem Album «Im Schwarm» ihr Debüt veröffentlicht.

Musikalischer Spürsinn

An den Aufnahmen waren neben Michael Fehr (Stimme) und Manuel Troller (Gitarre) Bassist Andi Schnellmann sowie die Schlagzeuger und Perkussionisten Julian Sartorius und Rico Baumann beteiligt. Die Band ist präsent und spielt erhellend diskret. Natürlich setzt sie Akzente, rumpelt und groovt, aber sie gibt auch dem Erzähler Raum, der gleichberechtigt seinen Sound in den Sound der Band mischt. Die Musik verleiht den Worten und Sätzen ein funky und bluesiges Fundament, jenseits der üblichen Klischeeseligkeit. Das hat vor allem mit Troller zu tun, der mit seinen prägnanten Riffs und solistischen Eskapaden auch auf diesem melodischen Roots-Terrain musikalischen Spürsinn beweist.

Das Album versammelt neun Songs, die teilweise in Fehrs letztem Erzählband «Glanz und Schatten» (Der gesunde Menschenversand) enthalten sind. So auch der Text «Ein Rebhuhn auseinandernehmen», der mit seinen unverfroren dargelegten Tiertötungspraktiken nicht nur die Veganer herausfordern wird. Ein sprachmelodisches Highlight ist «Der Teufel und das Grauen». Songs wie «Nichts und Niemand», «Mädchen» oder das epische «Da wird es dem Hirt erst drum» bezaubern mit ihren absonderlichen Plots, ihrer Fantastik, ihrer Atmosphäre. Auf «Ausserholligen Baumwollfeld» und «Baby Whiskey» wird es bei allen ironischen Beiklängen schön deftig.

Mit seinen Texten und Geschichten hat Fehr, der am Schweizerischen Literaturinstitut und an der Hochschule der Künste Bern studierte, schnell auf sich aufmerksam gemacht. Eine karge und doch bildhafte Sprache mit eigentümlichen Wortschöpfungen und Wendungen zeichnet ihn aus. Mit Auslassungen oder repetitiven Verfahren generiert er Rhythmus und Atmosphäre, die spröde Poesie seiner Geschichten mit ihren Absurditäten und Unheimlichkeiten zieht in ihren Bann. Mit «Simeliberg» gelang ihm ein Wurf, der 2014 im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Preises ausgezeichnet wurde und begeisterte Leser gewann.

Schon immer war aber der ganze Fehr jener Fehr, der auf der Bühne steht und seine Texte selber spricht, rezitiert, performt. Das ist ein Erlebnis, wie man es nie haben kann, wenn ein herkömmlicher Schriftsteller zu Tische sitzt und vorliest. Eine Sehschwäche seit Geburt zwingt Fehr dazu, seine Texte zuerst zu sprechen, bevor er sie aufzeichnen kann. Vielleicht trägt das zur Kraft und Eigentümlichkeit seiner Worte und Sätze bei, die dann mit der Performance des Dichters nochmals an Intensität zulegen. Die Art und Weise, wie er intoniert und artikuliert, ist absolut eigen.

Das ist einzigartig genug

Das kommt auf dem Album «Im Schwarm» sehr schön zum Ausdruck. Hier werden der Klang seiner Stimme und ihr Duktus selber zum Instrument. Die Stimme ist dunkel und hat ein kratzbürstig-heiseres Timbre. Sie kann ruhig vor sich hin brüten, punktgenau Worte setzen, «heimlifeiss» aussparen, aufbegehren, kreischen, erschüttern. Fehrs Stimme wurde auch schon mit jener von James Brown oder Tom Waits verglichen, man könnte auch noch Captain Beefheart anführen. Aber solche Vergleiche sind so vermessen wie unzutreffend und nur lächerlich. Fehr klingt wie Fehr. Das ist einzigartig genug, um sich von diesem Erzähl-Blueser noch lange überraschen und unterhalten lassen zu wollen.

Fehr/Troller/Schnellmann/Sartorius/Baumann: Im Schwarm. Der gesunde Menschenversand. Konzert am Freitag, 16. November, um 21.30 Uhr im Südpol, Luzern.

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