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Der Star eines Theatervereins ist plötzlich tot

In seinem ersten Krimi taucht der Trienger Schiftsteller Peter Weingartner lustvoll ins Lokalkolorit ein.
Arno Renggli
Gelungene Krimi-Premiere für den Trienger Autor Peter Weingartner (65). Bild: PD

Gelungene Krimi-Premiere für den Trienger Autor Peter Weingartner (65). Bild: PD

Es ist nach der Derniere des Theatervereins in einem Luzerner Dorf: Alle entspannen sich, widmen sich Speis und Trank. Und dass sie noch auf den Hauptdarsteller warten müssen, ist ja nichts Neues. Der junge Lehrer Habermacher, unbestrittener und auch beneideter Star der Produktion, muss sich nach den Aufführungen jeweils in der Garderobe sammeln beziehungsweise aus der Rolle wieder zurück ins Leben finden. Dass man diesmal besonders lange warten muss, hat seinen Grund: Er ist nämlich tot, im Kopf eine Kugel, offenbar von einer Hand abgeschossen.

Man ist natürlich schockiert und auch ein wenig unangenehm berührt, vor allem seitens Produktionsleitung, Sponsoren und kommunaler Honorationen. So ein Selbstmord versaut einem schon etwas die Feststimmung. Indes: So unerwartet kam es nicht, der Habermacher war ja schon ein seltsamer Einzelgänger. Und wenigstens lässt sich ein Selbstmord schneller zu den Akten legen als beispielsweise ein Mord.

Polizist wird zum lästigen Störenfried

Mord? Wer spricht denn da plötzlich von Mord? Fahnder Anderhub ist der Störenfried, Anselm mit Vornamen, als beinahe braver Ehemann beweibt mit der cleveren Trudi. Sogar zum Missfallen seines Vorgesetzten beginnt er nachzufragen. Und findet heraus, dass auch im Leben des Toten verschiedene Frauen nicht unerhebliche Rollen gespielt ­haben. Oder lässt sich ein mögliches Mordmotiv doch eher im Theaterumfeld finden?

Damit haben wir den klassischen Krimiplot: Fahnder sucht Mörder in einem wachsenden Verdächtigenkreis. Selber hegt man beim Lesen zunächst den Verdacht, Autor Peter Weingartner interessiere sich bei seinem Krimi-Erstling nur sekundär für den Mord. Bei Halbzeit des Buches hat der Fahnder gerade mal ein paar Verhöre geführt. Viel Erzähllust hingegen wird etwa in die Zeichnung der Figuren investiert, gerade auch im Mikro­kosmos des Theatervereins. Was nicht nur dann Spass macht, wenn man selber als Mitwirkender oder regelmässiger Zuschauer einen Bezug dazu hat.

Hinzu kommt, dass Weingartner wie in früheren Werken (zuletzt der Geschichtenband «Sisyphos’ Kinder») ein notorischer Spieler ist – ein Sprachspieler. Witzige Gedanken, träffe Formulierungen, überraschende Bezüge und philosophische Geistesblitze jagen einander. Wer will sich da über eine eher gemächliche Krimihandlung beklagen, wo doch das Lesevergnügen nie pausiert? Und immerhin nimmt der Fall doch noch Fahrt auf, ohne die heute handelsüblichen verschachtelten Plotkonstruktionen, sondern recht linear und vom fähigen Fahnder einer schlüssigen Auflösung entgegengetrieben. Fazit: Wir wollen mehr davon. Anselm Anderhub soll also ruhig wiederkommen.

Peter Weingartner: Derniere. Edition 8, 281 S., Fr. 27.-.

Vernissage mit Lesung und Musik ist am kommenden Mittwoch, 13. November, 19.30 Uhr, Forum Triengen; freier Eintritt.

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