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Tanz im Luzerner Theater: Der starke Körper trotzt auch dem Unwetter

Mit «Tanz 28: New Waves» startete das Tanzensemble in die Jubiläumssaison. Die Wellen der Begeisterung wogten zwischen Akteuren und Zuschauern hin und her. Und ein toter Weltstar lebte wieder auf.
Edith Arnold
Pure physische Präsenz im Stück «Twenty Eight Thousand Waves» von Cayetano Soto. (Bild: Gregory Batardon/Luzerner Theater)

Pure physische Präsenz im Stück «Twenty Eight Thousand Waves» von Cayetano Soto. (Bild: Gregory Batardon/Luzerner Theater)

Schon bei der ersten Welle im Luzerner Theater ist man mittendrin. Vier Tanzende erscheinen. Die wenigen Lichtquellen fahren ruckartig nach oben. Wasser spritzt durch die Luft. In diese werden neoklassische Ballettfiguren gezeichnet, die hochdynamisch in immer neue übergehen. In wechselnden Formationen tauchen zehn Tänzerinnen und Tänzer im Wet-Look auf.

«New Waves» ist eine Metapher für das zehnte Jahr von Tanz Luzerner Theater. Zum Saisonauftakt hat Leiterin Kathleen McNurney zwei Choreografen eingeladen, die selber kleine Jubiläen feiern. Cayetano Soto aus Barcelona zeigt nach «Malasombra» in «Tanz 18: Celebration!» nun «Twenty Eight Thousand Waves» und «Sortijas». Und Georg Reischl aus Wien in Berlin geht bereits als Associate-Artist durch: auf «Tanz 22: Up/Beat» oder «Tanz 25: Variationen des Seins» folgt mit «Let’s Bowie!» die siebte Produktion. Die beiden ergänzen einander fantastisch.

Dunkel ist das Meer bei «Waves», die Musik nach wie vor melancholisch-dramatisch («Little Match Girl Passion» von David Lang). Doch die kraftvollen Körper geben Hoffnung. Sie können den zunehmenden Stürmen kunstvoll trotzen. Gleissende Scheinwerfer kommen herunter. Zu temperamentvollen Geigen («Aheym» von Kronos Quartet/Bryce Dessner) tragen die Tänzer graue Faltröcke aus Neopren. Sie stemmen Tänzerinnen in dünnen Bodys in die Luft. Manchmal steigen diese auch selber empor. Dort oben drehen sie sich weiter in alle Himmelsrichtungen, Perfektion bis über die Zehenspitzen.

Man konnte fast zusehen, wie die Muskeln wachsen

20 Minuten dauert das Stück. Es berauscht von der ersten bis zur letzten Welle. Zwischendurch fragt man sich zwar, ob einzelne Bewegungen bewusst asynchron sind, um Wellen noch authentischer zu simulieren. Selten hat man das Ensemble derart geschmeidig, spannungsvoll und muskulös erlebt. Besonders die Rückenmuskulaturen sind aufgebaut worden, um als flexible Pfeiler standzuhalten. Anfangs September, nach den ersten Proben mit Sotos Assistenztrainerin Mikiko Arai, hatten die Tänzer viele Massagen gebucht. Danach hat man die Muskeln quasi wachsen gesehen, wie es im Theater hiess.

In der Pause sagt Cayetano Soto, er motiviere die Tänzer, den Bühnenraum zu nutzen wie nie zuvor, um als Künstler zu wachsen. «Was ist dein Grund, hier zu performen?», frage er jeweils. 2014 wurde «Waves» mit dem Ballet BC in Vancouver uraufgeführt. Mit den echten Stürmen und Riesenwellen will der Spanier das Stück nicht in Verbindung bringen. Doch starke Körper vermögen inneren und äusseren Unwettern zu trotzen.

Auf dynamische Präzision in Schwarz-weiss folgt kreischende Bewegung in schillernsten Farben: «Let’s Bowie!» nach Georg Reischl. Unter dem dunklen Tanzteppich wartet ein goldener. Darüber hängt ein schimmernder Vorhang: Er scheint bis in den Himmel zu reichen.

Min Li weiss, was auf der Bühne funktioniert

Wo mag David Bowie inzwischen sein? Mit dem Album «Black Star» verabschiedete er sich 2016. Der «Glam Rock» des Jahrhundertkünstlers würde auch zum retro-avantgardistischen Stil von Gucci oder Off-White passen. Hier und jetzt tut er es zu den Entwürfen von Min Li. Der in Holland lebende Chinese weiss als ex-Tänzer, was auf der Bühne funktioniert: aus Pailletten, Leder, Lycra, Tüll und Plastic fertigte er individuelle Kleider für sechs Tänzerinnen und Tänzer. Zusammen mit Lichteffekten funkelt es bald schrill. Acht Bowie-Titel laufen in Originallänge an, darunter «Changes» oder «Let’s Dance».

Das Ensemble tanzt wie an einer Party. Wobei in die spastischen Bewegungen auch klassische blitzen. Etwas mehr Synchronizität hätte noch mehr überzeugt. Allein für diesen Moment lohnt es sich, das Stück anzuschauen: Tom van de Ven, gekleidet in schimmerndem Catsuit mit durchsichtigem Plastic darüber, steht auf einmal in einem grüngelben Lichtkegel. Durch seine Bewegungen umspielt ihn etwas Fluides-Futuristisches.

«New Waves»? Die Begeisterung schwappt vom Ensemble auf die Zuschauer über: Entsprechend tost der Applaus.

Weitere Aufführungen: 20., 21., 26., 27. Oktober, 3., 10., 14., 17., 23. November, 25. und 26. Januar. Infos: www.luzernertheater.ch

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