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Thurgauer Krimiautor lässt toten Serienmörder wieder zuschlagen

Severin Schwendener setzt seine Romane um Polizeikommandant Hilvert fort und läuft in «Schatten & Spiel» zur Höchstform auf. Wie kommt ein ­Thurgauer Biologe dazu, Krimis zu schreiben? Und wie entstehen seine Bücher?
Dieter Langhart
«Eine Romanfigur muss in sich stimmig sein»: Krimiautor Severin Schwendener im Lindenpark Frauenfeld. (Bild: Dieter Langhart)

«Eine Romanfigur muss in sich stimmig sein»: Krimiautor Severin Schwendener im Lindenpark Frauenfeld. (Bild: Dieter Langhart)

Ein klares Nein: Nie könnte er in einer Stadt leben, sagt Severin Schwendener, der in Lengwil aufgewachsen ist und über Müllheim nach Märstetten kam. Zürich aber kennt er gut. Da studierte er, da arbeitet er in der Fachstelle Biosicherheit der Baudirektion, da spielen «Schein & Heilig», «Schach & Matt» und «Schatten & Spiel», eine blutige Trilogie. Nur seziert da Biologe Schwendener keine Frösche, sondern lässt einen Serienmörder umgehen – und im dritten Band um den Polizisten Thomas K. Hilvert vermeintlich erneut zuschlagen.

Das liest sich höchst spannend, denn die Spuren, die der Mörder hinterlässt, deuten auf Hilvert hin, inzwischen Polizeikommandant. Und das liest sich höchst glaubhaft, denn der Autor beschränkt sich nicht auf eine gute Whodunit-Geschichte, er zeichnet seine Figuren immer präziser. «Ich war lange auf den Inhalt fixiert», sagt er in unserem Gespräch, «doch im Dialog mit meiner Lektorin Jeannine Horni habe ich gelernt, wie wichtig die Sprache ist – als Biologe musste ich mich nicht drum kümmern.» Das Manuskript von «Schein & Heilig» sei «knallrot» zurückgekommen. Sie diskutieren Stil und Ton, Tempo und Rhythmus von Sätzen, bewusste Wortwiederholungen. Ein Pingpong, das etwa ein Jahr dauert, bevor das Manuskript ins Korrektorat geht. Die Steigerung seit dem ersten Band 2010 ist spürbar.

Cooles Spiel für Kinder und Jugendliche

Wie arbeitet Severin Schwendener? «Ich bin ein Planer, skizziere epische Mindmaps in meinem weissen Notizbuch.» Natürlich weiss er längst, wie die Geschichte ausgeht, wenn er zu schreiben beginnt. Doch bis dahin dauert es gut ein Jahr neben seinem 85%-Job: Er lässt die Handlung gären und die Figuren wachsen.

Dabei helfen ihm nicht zuletzt Kinder und Jugendliche, für die er auch Bücher schreibt (das nächste über Biohacker erscheint im Herbst). An den rund 60 Lesungen, die er jährlich an Ost- und Zentralschweizer Sekundarschulen gibt, macht er oft ein cooles Spiel: Er schreibt irgendeinen Namen auf das Flipchart, die Schüler geben der Person Eigenschaften und überlegen sich, welche Handlungen daraus entstehen könnten, aktive wie passive. Severin Schwendener sagt: «Bei den Figuren in einem Buch hängen Eigenschaften und Handlungen direkt zusammen. Ändert man eine Eigenschaft, verändert das die Handlungen.» Allerdings sehe ohnehin jeder etwas anderes in einer Person. Seine Lektorin sagt vielleicht: «Hilvert würde das nie tun.» Eine Figur müsse in sich stimmig sein, das weiss Severin Schwendener. Dass der Serienmörder Leimbacher ein kranker Mensch ist, müsse für den Leser schlüssig sein, «doch einige Leser wollen auch, dass ich eine Mauer hochziehe zwischen ihnen und diesem Irren».

«Mein Grossvater war ­Werten verpflichtet»

Severin Schwendener hat schon immer gern Geschichten gelesen mit Wendungen, falschen Fährten, Auflösungen. «Jedes meiner Bücher hat einen anderen Grundmechanismus.» Und er verrät, dass er noch einen vierten Hilvert-Roman schreiben wird. «Schemen & Haft» handle von der Perversion der Logik, etwa in Verschwörungstheorien. Gut drei Jahre setzt er dafür ein, meist die Freitag- und Sonntagvormittage.

Ist der 35-Jährige ein Kind seiner Zeit? «Was wenig kostet, ist nichts wert. Mein Grossvater war Schreiner, er war Werten verpflichtet. Stellte er ein Möbelstück her, stand die Qualität seiner Arbeit im Zentrum. Heute zählen Likes.» Auch Schwendener fühlt sich den Werten verpflichtet und versucht das auch in seinen Büchern aufzuzeigen, etwa über die Hauptfigur Hilvert. Er braucht die Arbeit mit den Händen als Ausgleich – er restauriert einen alten Cinquecento. Und seinen Schülern sagt er: «Traut euch, Fehler zu machen.»

Hinweis

Severin Schwendener: Schatten & Spiel. Edition 8, 215 S., Fr. 25.–

Lesung: Fr, 21.9., 19.30 Uhr, Bibliothek Aadorf

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